ÖGB-EU-Konferenz: Gewerkschaftsarbeit in den Regionen stärken

KonferenzteilnehmerInnen unterstützen Streikende in Slowenien

Wien (ÖGB) - Mehr Gewerkschaftsarbeit in den Regionen, ein Vorwarnsystem gegen asoziale Arbeitgeber sowie der Ausbau des grenzüberschreitenden Rechtsschutzes mit Beratung in der Muttersprache des jeweiligen Arbeitnehmers. Das ist eine kleine Auswahl der umfangreichen Forderungen und Vorschläge die die mehr als 120 TeilnehmerInnen an der ÖGB-EU-Konferenz "Arbeit - Region -Zukunft" in den vergangenen beiden Tagen in der Wiener Urania erarbeitet haben. Die TeilnehmerInnen aus 16 Ländern unterstützen in einer Resolution 88 streikende TextilarbeiterInnen in der Region Pomjure in Slowenien.++++

Grenzüberschreitender Rechtsschutz mit Beratung in der Muttersprache der ArbeitnehmerInnen werde im gemeinsamen Europa immer wichtiger. Als beispielgebendes Modell sehen die TeilnehmerInnen das zwischen dem ÖGB und den ungarischen Gewerkschaftsverbänden abgeschlossene Rechtsschutzabkommen. Grundsätzlich sollte auch die Gewerkschaftsarbeit in den Regionen verstärkt werden. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) sollte daher die interregionale Zusammenarbeit entsprechend ausbauen und fördern. Dies gelte auch für die Ebene der Branchengewerkschaften.

Begonnen wird bereits in Kürze mit dem Aufbau eines gewerkschaftlichen Vorwarnsystem "gegen asoziale Arbeitgeber" sowie einer Datenbank für grenzüberschreitende Kollektivverträge. Mit dem Vorwarnsystem soll der grenzübschreitende Informationsaustausch über Arbeitgeber, die sich nicht an Arbeitsgesetze und Kollektivverträge halten und die besonders schlechte Arbeitsbedingungen bieten, ausgebaut werden. Der ÖGB wird in den nächsten Jahren in den Nachbarländern spezielle Kurse für EU-Projektentwicklungen anbieten. In vielen neuen EU-Staaten Osteuropas ist inzwischen ein besonderes Problem aufgetaucht. Kollektivverträge scheitern nicht am Unwillen der Arbeitgeber, sondern daran, dass es entweder keine Arbeitgeberverbände gibt oder mehrere, die untereinander zerstritten sind.

Mit einer Resolution unterstützen die TeilnehmerInnen 88 ArbeitnehmerInnen der Firma "Konzept Optimum D.O.O. Lendava" einem Textilunternehmen in Slowenien, die sich seit 11. April im Streik befinden. Drskovic Milan, ein slowenischer Unternehmer, hat das Werk vor einiger Zeit mit rund einer halben Million Euro Fördergelder des slowenischen Staates gegründet. Wie sich nun herausstellte hat Milan keine Eigenmittel und kann seit sechs Monaten keine Gehälter zahlen. Milan hat auch 60 ungarische ArbeiterInnen mit dem Versprechen höhere Gehälter zu zahlen als Tagespendler nach Slowenien gelockt. Die slowenische Gewerkschaft Textil hat inzwischen die Vertretung der Streikenden übernommen. Eine Delegation österreichischer und ungarischer GewerkschafterInnen aus der Region wird den Streikenden in den nächsten Tagen einen Solidaritätsbesuch abstatten.(ff)

ÖGB, 12. Mai
2005
Nr. 303

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