Lebensgefahr in der eigenen Wohnung?

Senioren sind die Bevölkerungsgruppe, die am meisten von Unfällen betroffen ist - Leid und Folgekosten sind enorm, aber für die Unfallverhütung scheint das Geld zu fehlen

Wien (OTS) - Wir alle können dem Älterwerden nicht entrinnen -doch müssen damit auch Unfälle verbunden sein? Leider kann es nur allzu schnell gehen, denn ein Badzimmer ohne Haltegriff, ein Stiegenhaus mit spärlicher Beleuchtung, Stufen ohne Handlauf oder holprige Gehwege können für ältere Menschen lebensgefährlich sein. Senioren (Personen ab 60 Jahren) repräsentieren insgesamt 21 Prozent der Bevölkerung. Jedoch 57 Prozent der tödlich verunglückten Menschen (2003) waren über 60 Jahre alt. "Um die Zahl der Unfälle zu reduzieren, besteht dringender Handlungsbedarf, auch von Seiten der Politik", meint Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts Sicher Leben.

Gefahrenpool Wohnung

Im Jahr 2004 hatten Senioren ab 60 Jahren 127.500 Freizeitunfälle, die im Krankenhaus behandelt werden mussten (ohne Verkehrs- und Sportunfälle). Besonders Frauen sind betroffen, denn 89.100 verunglückte Frauen stehen 38.400 Männern gegenüber. Frauen sind häufiger als Männer im Haushalt aktiv und gerade dort ist die Unfallgefahr am größten. Denn 65.700 aller Freizeitunfälle passierten in den eigenen vier Wänden. Leider werden die Gefahrenquellen zu Hause oft unterschätzt, obwohl schlechte Beleuchtung, steile Stufen, schmale Wege in den Gängen und veraltete Geräte in vielen Haushalten nichts Außergewöhnliches sind. 82 Prozent aller Unfälle in der eigenen Wohnung sind Stürze, hervorgerufen durch Stolperfallen wie Teppichfalten, nasse Böden, Türschwellen, Hindernisse im Zimmer oder eine wacklige Leiter. Junge Menschen kommen meist mit ein paar blauen Flecken davon, bei älteren Menschen jedoch ziehen die Verletzungen zu 40 Prozent Knochenbrüche nach sich.

Gefahr auch außerhalb der Wohnung

Außer Haus hatten Senioren im Jahr 2004 61.800 Freizeitunfälle, die meisten davon in der näheren Umgebung der Wohnung (34 %) sowie auf Verkehrsflächen und in Verkehrsmitteln (31 %). Und auch hier stellten Stürze mit 77 Prozent die häufigste Unfallart dar. Hohe Gehsteigkanten, zu kurze Ampelphasen, verparkte Kreuzungen oder fehlende Fußgängerinseln können älteren Menschen leicht zum Verhängnis werden. "Besonders der Zustand der Gehwege ist für ältere Menschen von großer Bedeutung. Absenkungen, kurze Wege über die Straße sowie sorgfältig geräumte Wege bei Schneefall sind für Senioren eine große Hilfe und tragen zu erhöhter Sicherheit bei", erklärt Kisser. Auf dem Land fehlen vielfach ordentliche Gehwege überhaupt.

Stürze sind die stille Epidemie älterer Menschen

Abgesehen von "Hindernissen" im Alltag tragen auch Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems, erhöhter Blutdruck oder Medikamentennebenwirkungen zu Sturzunfällen bei. Auch die schlechte Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und inadäquate Tätigkeiten für die aktuelle Verfassung sind häufige Sturzursachen. "Die Zahl der Stürze und der Sturzfolgen, vor allem der Schenkelhalsbrüche steigt in den letzten Jahren kontinuierlich an", erläutert Primaria Dr. Katharina Pils vom Sophienspital. "Bei gleichzeitiger Osteoporose besteht im Falle eines Sturzes ein besonders hohes Risiko für einen Knochenbruch." Die Folgen dabei sind oft verheerend: Nur etwa 50 Prozent der Patienten, die einen Schenkelhalsbruch erlitten haben, erhalten innerhalb eines Jahres ihre ursprüngliche Funktionsfähigkeit zurück. 15 bis 25 Prozent aller Patienten sterben innerhalb eines Jahres nach einem derartigen Bruch und zehn Prozent müssen deshalb in ein Pflegeheim eingewiesen werden. Stürze und Sturzfolgen gehören zu den wichtigsten Ursachen für Pflegeabhängigkeit. Doch Knochenbrüche und deren Folgen sind kein Schicksal mehr. Rechtzeitiges Training verlängert die krankheits- und behindertenfreien Jahre. Ist es dennoch zu einem Knochenbruch gekommen, können gezielte Rehabilitationskonzepte dazu beitragen, die Selbstständigkeit wieder zu erlangen.

Sind sich Senioren der Gefahr bewusst?

Das Institut Sicher Leben führte auf der heurigen Seniorenmesse "Senior aktuell" im April eine Blitzumfrage durch. Wie gefährdet fühlen sich Senioren nun? Immerhin haben 59 Prozent aller Befragten Angst vor Stürzen. Jedoch fühlen sich 72 Prozent der befragten Senioren außer Haus mehr gefährdet als zu Hause. Nur 20 Prozent aller Befragten ist die Gefahr in den eigenen vier Wänden bewusst, und das obwohl Senioren mehr als die Hälfte der Freizeitunfälle (ohne Sport) zu Hause passieren. Immerhin 50 Prozent haben ihr Eigenheim schon so umgebaut haben, dass Stolperfallen minimiert wurden.

"In Anbetracht der Unfallzahlen ist es Zeit für Gegenmaßnahmen. Dabei ist auch die Politik gefordert", meint Kisser. Für ältere Menschen ist die Organisation von Handwerkern nicht mehr so einfach handhabbar, deshalb sollen die Länder flächendeckende Dienste zur Wohnungsadaptierung organisieren und finanzielle Unterstützung anbieten.
In Zukunft soll Wohnbauförderung nur noch solchen Projekten zugesprochen werden, die auf Barrierefreiheit achten. Das kommt nicht nur Senioren, sondern auch anderen Altersgruppen zugute.

Wien, 12.05.2005

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