Europa der Regionen

Wien (OTS) - Der Nationalratsabgeordnete Dr. Vincenz Liechtenstein betonte im Rahmen einer Wirtschaftsexperten-Diskussion in der Industriellenvereinigung, nur einem dezentralisierten "Europa der Regionen", das der Wirtschaft Freiheit gebe und zentralistische Regulierungen vermeide, gehöre die Zukunft. Österreich habe in der Donaumonarchie einen Donau-Karpaten-Wirtschaftsraum verwirklicht und seit Gründung der Paneuropa-Bewegung der Europapolitik Impulse gegeben.

Zur Europapolitik sprach der Nationalratsabgeordnete Dr. Vincenz Liechtenstein im Rahmen einer Experten-Diskussion. In einem dezentralisierten "Europa der Regionen" sieht der Abgeordnete die beste Zukunftssicherung für die EU. Schon heute entfalte diese Idee "Strahlkraft über die Grenzen der Europäischen Union hinaus". Eine Initiative von Waltraud Klasnic setze Marksteine auf diesem Weg: die Einbindung Kroatiens und der Vojvodina in das "Projekt Zukunftsregion" - gemeinsam mit Slowenien, Friaul, Teilen Ungarns und drei österreichischen Bundesländern. Liechtenstein: "Die steirische Wirtschaft wird so zur Drehscheibe der neuen EU, zum Fenster Mitteleuropas nach Süden und Osten. Die Zukunftsregion - als großer gemeinsamer Wirtschaftsraum - stärkt uns alle. Sie ist ein Modell für den Bauplan ganz Europas." Die praktischen Erfolge im Zusammenwachsen der Wirtschaft seien für das künftige Europa entscheidend. Österreich liege im Zentrum der erweiterten EU. Daher, so betont Liechtenstein, "kann sich unsere Wirtschaft wieder im ganzen Donau- und Karpatenraum entfalten, in dem sie vor vielen Jahrzehnten ihre ersten großen Aufbauleistungen vollbracht hat". Der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn sei Vorreiter dessen gewesen, was wir heute als europäischen Einigungsprozess erleben. Franz Grillparzer habe es einmal so ausgedrückt: "Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält". Dr. Vincenz Liechtenstein wörtlich: "Das neue Haus Europa ruht auf alten Fundamenten. Die Donaumonarchie war ein Modell für das Zusammenleben verschiedener Völker unter einem gemeinsamen Dach. Mit 200.000 Tschechen war die Hauptstadt Österreichs zugleich die zweitgrößte tschechische Stadt. Als moderne Metropole spiegelte sie das Mosaik der mitteleuropäischen Nationen wider. In gewisser Weise war Österreich-Ungarn seiner Zeit voraus:
ein moderner supranationaler Staat, in dem keine Volksgruppe benachteiligt wurde. Als dieser Modellstaat zerstört wurde, folgten blutige Jahrzehnte des Nationalismus und der totalitären Unterdrückung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg besann man sich wieder auf die gemeinsamen Interessen und die notwendige Zusammenarbeit der europäischen Völker."

Liechtenstein, der die großen Verdienste von Alois Mock und Wolfgang Schüssel in der Europapolitik hervorhebt, hat sich selbst in der Paneuropa-Union und in der "Jungen Europa Studenteninitiative" (JES) stets für die europäische Einigung engagiert. An der Grenzöffnung zu Ungarn hatte er persönlichen Anteil. Bevor die Schlagbäume an der ungarisch-österreichischen Grenze für DDR-Flüchtlinge offiziell geöffnet wurden, hat das "Paneuropa-Picknick" bei Mörbisch das erste Loch in den Eisernen Vorhang gerissen: "Hunderte Deutsche aus der DDR, die in Ungarn Urlaub gemacht haben, konnten so nach Österreich kommen. Es war wie ein Loch in einem Reifen. Die Luft entwich und das rote Gefährt kam nie wieder in Gang." Die Paneuropa-Bewegung, die in Österreich von Richard Coudenhove-Kalergi gegründet und später von Otto Habsburg geleitet wurde, habe sich als Motor einer Entwicklung erwiesen, die im Mai des Vorjahres schließlich zur Wiedervereinigung Mitteleuropas unter dem Dach der EU führte. Die österreichische Wirtschaft könne jetzt, im 21. Jahrhundert, die Früchte ernten.

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