Kommentar: "Geld allein ist zu wenig" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 08.05.2005

Graz (OTS) - Daten und Fakten zum Muttertag: Die Geburtenrate ist auf einen historischen Tiefstand abgesackt, sie beträgt nur 1,3 Kinder pro Frau. Da mehr sterben als geboren werden, sinkt die Zahl der inländischen Bevölkerung um 7.500 im Jahr. Eine Änderung ist nicht in Sicht, weil jeder vierte Mann und jede siebente Frau überhaupt keine Kinder wollen. Vor allem gibt es immer weniger Mehrkindfamilien.

Österreich bildet in der EU keine Ausnahme. Die Entwicklung in Deutschland ist fast haargenau gleich. Bloß Irland, das immer eine Sonderrolle einnahm, und Frankreich, das eine sehr erfolgreiche Familienpolitik betreibt, sowie interessanterweise Skandinavien, das einst der Nachzügler bei den Kinderzahlen war, weichen vom Trend ab:
Europa wird ein geriatrischer Kontinent.

Über die Ursachen wurde viel und oft geredet. Der Einstieg ins Berufsleben erfolgt immer spät, nicht zuletzt wegen der längeren Ausbildung. Die Familiengründung steht im Widerspruch zu der von der globalisierten Arbeitswelt geforderten Flexibilität und Mobilität. Dazu kommen Unsicherheit über die Zukunft, der Wunsch nach Unabhängigkeit und wohl auch Bequemlichkeit.

Ein von der deutschen Regierung in Auftrag gegebenes Gutachten empfiehlt ein breit gefächertes Bündel von Maßnahmen, um die Geburtenrate wieder anzuheben. Deutschland hat ebenso wie Österreich lange einseitig auf die finanzielle Förderung gesetzt. Der Erfolg war gering, obwohl die staatlichen Unterstützungen zu den höchsten in der EU gehören. Inzwischen weiß man, dass Geld allen nicht hilft, sondern ein familienpolitischer Mix angerührt werden muss.

Der Punkt ist die Vereinbarkeit von Beruf und Mutter. Das Kindergeld ist eine Errungenschaft, aber was tut die Frau, wenn sie wieder in den Beruf zurück will bzw. zurück muss, aber keine ganztägige Betreuung in den Kindergärten und in den Schulen vorfindet?

Hier ist die Regierung der Bevölkerung im Wort. Mit der Pensionsreform wurde die lebenslange Durchrechnung beschlossen. Auch die Aufwertung und Ausdehnung der Ersatzzeiten für die Kindererziehung ändern nichts daran, dass die geringen Frauenpensionen noch kleiner werden, weil die bisherige Regelung mit den besten 15 Jahren günstiger war als die künftige Berechnung, die Teilzeitjobs bestraft.

Über dieses Problem gehört diskutiert, nicht über die Schnellschüsse des Jet-Set-Finanzministers, der "die Reichen" von der Familienförderung ausschließen will, oder über das obskure geschlechtergerechte "Gender Budgeting" der Frauenministerin. Alles Ablenkungsmanöver vom eigentlichen Thema. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001