Tumpel: Benachteiligung von Müttern am Arbeitsmarkt muss beseitigt werden

Wien (OTS) - "Mutter sein ist mit einer Reihe von Nachteilen am Arbeitsmarkt verbunden. Sie unterliegen einem erhöhten Risiko ihre Arbeit zu verlieren, oft müssen sie Teilzeitarbeit um den Preis des beruflichen Abstiegs und Einkommensverluste in Kauf nehmen", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Im Zeitraum von Jänner 2004 auf Jänner 2005 hat sich die Zahl der Wiedereinsteigerinnen ohne Arbeit -einschließlich der Schulungsteilnehmerinnen - von rund 10.800 auf fast 14.300 erhöht. Dazu beigetragen haben auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Kinderbetreuungsgeld. Sie behindern das Arbeiten neben dem Kindergeldbezug und den Wiedereinstieg auf den bisherigen Arbeitsplatz. Drei Monate nach Ende der um ein Jahr verlängerten Geldleistung verringerte sich der Anteil von Frauen in unselbstständiger Beschäftigung um sieben Prozent, während auf der anderen Seite der Anteil der Arbeit Suchenden um fast 40 Prozent gestiegen ist. "Muttertag mag der Tag für Versprechungen sein. Ab Montag sollte aber an die Arbeit gegangen und die bestehenden Nachteile Stück für Stück abgearbeitet werden", fordert Tumpel die Verbesserung der Kinderbetreuung, freie Wahl beim Kindergeld, das Recht auf Elternteilzeit auch in Kleinbetrieben und mehr Mittel für das Arbeitsmarktservice für die Aufqualifizierung von Arbeit Suchenden.

Eine Berufsrückkehr ist für viele nur mehr in Teilzeit möglich. In Österreich arbeiten die meisten erwerbstätigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit. Nur in Wien ist die Mehrheit der erwerbstätigen Mütter vollzeitbeschäftigt: Während im Österreichschnitt im Jahr 2002 fast 60 Prozent der unselbstständig erwerbstätigen Mütter teilzeitbeschäftigt waren, betrug dieser Anteil in Wien nur 41 Prozent. Das hohe Ausmaß an Teilzeit ist auf die schlechte Situation bei der Kinderbetreuung zurückzuführen. Dies wirkt sich letztlich auf die Einkommensperspektive von Frauen nachteilig aus. Während Männer mit einer progressiven Steigerung mit zunehmendem Alter rechnen können, stagnieren die Fraueneinkommen in der Altersgruppe der 20- bis 39-jährigen fast. Das ist gerade jene Gruppe, die auf Grund von Kindern ihren Beruf unterbricht oder auf eine Teilzeitbeschäftigung umsteigen muss. Niedrigere Einkommen aus Teilzeit sind nicht nur in der geringeren Arbeitszeit begründet, sondern auch im Mangel an qualifizierten Teilzeitjobs und den geringeren Aufstiegsmöglichkeiten. So ist ein Drittel aller Teilzeitbeschäftigten HilfsarbeiterInnen oder erledigt nur einfache Tätigkeiten, nur drei Prozent üben eine Führungstätigkeit aus.

Die AK fordert dringend Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie:
+ Rasche Beseitigung des Defizits in der Kinderbetreuung und Sicherstellung von erwerbsfreundlichen Öffnungszeiten;
+ Anreize beim Kinderbetreuungsgeld zur raschen Berufsrückkehr und zur partnerschaftlichen Teilung durch die Wahlmöglichkeit das Kindergeld kürzer aber höher zu beziehen;
+ Kein Wegfall des Kinderbetreuungsgeldes bei einem Zuverdienst bis zu 24 Stunden pro Woche unabhängig vom Einkommen;
+ Schaffung des Rechts auf Elternteilzeit auch in Kleinbetrieben, um qualifizierte Teilzeitarbeit mit besseren Einkommensperspektiven mit einem Rückkehrrecht in Vollzeit zu ermöglichen;
+ Mehr Arbeitsmarktmittel zur Unterstützung des Wiedereinstiegs.

Rückfragen & Kontakt:

Doris Strecker
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43) 664 845 41 52
doris.strecker@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0003