• 29.04.2005, 11:29:55
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Outsourcing wird zum strategischen Ziel

Kosteneinsparungen bei professioneller Vorbereitung, aber auch Qualitäts- und Effizienzvorteile - "Mythos IT-Outsourcing" entzaubert

Es diskutierten v.l.n.r.: Wolfgang Mild (NextiraOne),
Alexander Falchetto (APA-IT), Hannes Pichler (Boston Consulting
Group), Reiner Strubert (AKM), Bertram Burtscher (Freshfields
Bruckhaus Deringer), Tini Daroczi (Wigeogis), Alfred Reinprecht
(KapschBusinessCom)

Wien (OTS) - Die Auslagerung von Geschäftsbereichen und -prozessen
an Fremdfirmen ist bisher hauptsächlich unter dem Kostenaspekt
betrachtet worden. "Outsourcing umfasst aber weit mehr als mögliche
Einsparungen. Besonders der Zugang zu neuem Wissen, neuen Märkten und
Technologien sowie Qualitäts- und Effizienzvorteile sind mögliche
strategische Ziele", erklärte Hannes Pichler vom Beratungsunternehmen
Boston Consulting Group bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der
APA-E-Business-Community gestern Abend in Wien.

Als positive Nebeneffekte sieht Pichler außerdem steigende
Flexibilität und Risikoteilung mit dem Dienstleister. Am häufigsten
ausgelagert werden die Bereiche IT, Training und Facility Management,
"noch in den Kinderschuhen stecken Marketing sowie Finanz- und
Rechnungswesen", so der Experte. Primärziel der Betriebe ist seiner
Erfahrung nach zwar weiter die Kostensenkung, allerdings können durch
die Nichtbeachtung von verschiedenen Faktoren diese Einsparungen auf
unter zehn Prozent sinken.

Im schlechtesten Fall überwiegen die Kosten sogar die
Einsparungen, schließlich scheitert jedes zweite Projekt in diesem
Bereich noch vor dem Abschluss - der Großteil sogar innerhalb der
ersten sechs Monate, warnte der Berater. Verschwiegen würden vor
allem Aufwände für eine solide vertragliche Basis, die
Implementierung und durch kulturelle Unterschiede - "da gibt es
zwischen den Unternehmen immense Reibungsverluste".

Im Vorfeld einer Auslagerung geben sich die Betrieb jedenfalls
optimistisch: Rund 30 Prozent rechnen mit Kostensenkungen von 11 bis
20 Prozent, jeder zweite glaubt an 21 bis 30 Prozent und ein Zehntel
erwartet sich sogar eine Reduktion um mehr als 30 Prozent. Mit den
tatsächlich eingetretenen Einsparungen sind dann auch 70 Prozent sehr
zufrieden, wobei der Reifegrad eines Unternehmens entscheidend sei
für den Erfolg. Der weltweite Outsourcing-Markt war laut Pichler im
Vorjahr 530 Mrd. US-Dollar schwer und soll bis 2008 ein zweistelliges
jährliches Wachstum auf rund 790 Mrd. Dollar verzeichnen.

Nicht selten werden die Chancen zu optimistisch bewertet und die
Risken des IT-Outsourcings unterschätzt, warnte Bertram Burtscher vom
Wiener Büro der Rechtsanwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer.
Der "Mythos IT-Outsourcing" sei in den vergangenen Jahren auch in
Österreich etwas entzaubert worden und nach einigen spektakulären
Fehlschlägen durchaus einem gewissen Realismus - insbesondere auf
Kundenseite - gewichen. Vor allem die vertragliche Absicherung sollte
seiner Meinung nach stärker beachtet werden: "Die Risikominimierung
muss bereits im Vorfeld stattfinden, denn während man im Ernstfall
vor Gericht streitet, steht die ausgelagerte IT still", so Burtscher.

"Nicht nur bei großen Unternehmen und internationalen
Konzerntöchtern steigt der Stellenwert von IT-Outsourcing, auch immer
mehr mittelständische Unternehmen lagern aus", erklärte Wolfgang Mild
vom Lösungsanbieter NextiraOne. Schließlich müsse nicht jeder Betrieb
alles notwendige Know-how selbst aufbauen. Eine radikale Strategie
bei Outsourcing könne beim Mittelstand zu Problemen führen, mit
kleineren Projekten wäre es möglich, Vertrauen aufzubauen. "Wir sehen
hier eindeutig den Trend zur selektiven Auslagerung von
Teilbereichen, um sich schrittweise der geänderten Vorgangsweise
anzupassen und Erfahrungen zu sammeln", gab sich Mild überzeugt.

"Viele Unternehmen suchen nach Partnern, denen sie nicht
wertschöpfende IT-Prozesse anvertrauen können, also Prozesse abseits
der oft zitierten Kernkompetenzen", erklärte Alexander Falchetto vom
Informationsdienstleister APA-IT. Zwar seien Kostensenkungen ein
wichtiges Kriterium, gleichzeitig werde aber die Erhöhung der
Servicequalität angestrebt. Gerade für kleine und mittlere
Unternehmen würde durch IT-Outsourcing der Zugang zu IT-Know-how und
einer IT-Infrastruktur, die sie aus eigener Kraft nicht bereitstellen
können, geöffnet. "Kunden auf Augenhöhe sind uns am liebsten, denn
hohe Qualitätsansprüche sind die Kernkompetenz der APA-IT", so
Falchetto. Erhöhte Anforderungen an die Sicherheit -
Ausfallsicherheit und Abwehr von Hackerangriffen - würden in letzter
Zeit zusätzlich zur Komplexitätssteigerung beitragen.

Als Motiv für die Überlegung zum Outsourcing sieht Alfred
Reinprecht vom Systemintegrator Kapsch BusinessCom einen "gewissen
Leidensdruck" der Unternehmen. Die Bereiche IT und Telekommunikation
würden in den Betrieben zunehmend Kapazitäten und Personalressourcen
binden. Deshalb erfolge die Entscheidung zur Auslagerung von
Teilbereichen an externe Partner, um mit geringeren Budgets intern
einen gleichwertigen Service-Level gewährleisten zu können.
Allerdings müsse das Leistungsspektrum klar definiert werden. Die
Unternehmen würden inzwischen pragmatischer vorgehen, indem sie
kleinere und übersichtlichere Maßnahmen für die Auftragsvergabe an
externe Partner planen, also eher selektiv auslagern.

"Auch für uns stand der Kostenaspekt im Vordergrund. Wir waren der
Meinung, dass das Profis besser können als wir", stellte Reiner
Strubert von der Urheberrechtsgesellschaft AKM die Sicht des Kunden
dar. Rückblickend sieht er die Abschätzung des mit dem Outsourcing
verbundenen Risikos als den schwierigsten Teil der
Entscheidungsfindung. Auch das Standing des Outsourcing-Partners sei
von großer Bedeutung. Zwar sei es möglich, sowohl die Qualität als
auch die Dauerhaftigkeit der Partnerschaft vertraglich zu
vereinbaren, in der Praxis könne sich aber oft sehr schnell eine
Krisensituation aufbauen, die auch eine gut funktionierende
Zusammenarbeit plötzlich vor unlösbare Probleme stelle.

Dass dies bei hochkomplexen Projekten der Fall sein, die Umsetzung
bei einfacheren Lösungen aber durchaus flexibel und schnell
vonstatten gehen könne, unterstrich Tini Daroczi vom
Geomarketingunternehmen Wigeogis. Landkartenlösungen, wo Dienste zur
Filial- oder Händlersuche in eine Firmenwebsite eingebunden werden,
seien beispielsweise in wenigen Tagen implementierbar. Je nach Bedarf
variiere dabei die Intensität vom Outsourcing des gesamten
Arbeitsbereiches bis zum Zukauf einzelner
Programmfunktionen und Geodaten für eigene Programmierungen.

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

- Bundesrechenzentrum BRZ GmbH http://www.brz.gv.at
 - Capgemini Consulting Österreich AG http://www.at.capgemini.com
 - derStandard.at http://www.derStandard.at
 - Direct Marketing Verband Österreich http://www.dmvoe.at
 - ECAustria http://ecaustria.at
 - Gentics Net.Solutions http://www.gentics.com
 - Hewlett Packard http://www.hp.com/at
 - IT Solution GmbH http://www.itsolution.at
 - Kapsch CarrierCom AG http://www.kapsch.net
 - Microsoft Österreich http://www.microsoft.com/austria
 - NextiraOne http://www.nextiraone.at
 - SurfControl http://www.surfcontrol.at
 - WIGeoGIS http://www.wigeogis.com
 - Wirtschaftskammer Österreich http://wko.at
 - APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at

Bild(er) zu dieser Meldung finden Sie im AOM/Original Bild Service,
sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

OTS0150    2005-04-29/11:29

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