"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Stecken geblieben" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 21.04.2005

Wien (OTS) - Auf halben Wegen und zu halber Tat mit halben Mitteln zauderhaft zu streben: Das hat Franz Grillparzer vor 150 Jahren als "typisch österreichisch" gegeißelt, und genau das kritisiert der Rechnungshof in seinem Bericht über den Kauf von Abfangjägern.
Die Regierung hat sich für das teuerste Modell entschieden. Die Eurofighter sind hochgerüstete Kampfflugzeuge und können viel mehr, als Österreich für die Luftraum-überwachung braucht. Dafür wurde bei der Ausrüstung gespart: Die Eurofighter werden weder das ganze Jahr noch rund um die Uhr einsatzbereit sein. Sie können also ihre Aufgaben im ursprünglich vorgesehenen Ausmaß gar nicht wahrnehmen. Beides sei "nach den derzeitigen Bedrohungsszenarien" auch gar nicht nötig, entgegnet das Verteidigungsministerium.
Das stimmt, ist Österreich doch so gut wie ausschließlich von Nato-Ländern umgeben. Kampfeinsätze sind also nicht zu erwarten. Für Kontrollflüge bei Tag und schönem Wetter hätte es aber billigeres Gerät auch getan.
Österreich erweist Grillparzer also einmal mehr alle Ehre und bleibt beim Eurofighter-Kauf mit dem Einsatz halber Mittel auf halbem Wege stecken. Dass wir die Superflugzeuge gar nicht brauchen, weil die militärische Bedrohung weggefallen ist, macht den Kauf nicht sinnvoller.

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