Wiental Kanal: Durchbruch ist geschafft

Aushebung des 1.090 Tonnen schweren "Bohrwurms" hat begonnen

Wien (OTS) - "Das ist ein echter Meilenstein für das ambitionierte Wiener Gewässerschutzprogramm zur Verbesserung der Wasserqualität der Wiener Flüsse", zeigt sich Umweltstadträtin Ulli Sima erfreut über den erfolgreichen Tunneldurchstich beim Wiental Kanal. "Mit dem gleichzeitigen Ausbau der Hauptkläranlage Simmering, dem Kanalbau am Liesingbach und der innovativen Wiener Kanalnetzsteuerung kann künftig verhindert werden, dass mit Regen verdünntes Schmutzwasser aus den Kanälen in die Wiener Flüsse gelangt." Ein besonderes Anliegen für Sima, die beim Wiental Kanal auch als Tunnelpatin fungiert: "Ich bin sehr froh, dass die schwere und gefährliche Arbeit unter Tage ohne Unfälle abgelaufen ist." Seit September 2004 bohrte ein 136 Meter langer und 1.090 Tonnen schwerer "Bohrwurm" (Erddruckschildmaschine) vom Stadtpark in rund 30 Metern Tiefe einen Tunnel mit 8,6 Metern Durchmesser Richtung Ernst-Arnold-Park in Wien-Margareten. Jetzt ist der Durchbruch geschafft, der "Bohrwurm" kann aus dem Zielschacht geborgen werden. Den Anfang macht das Schneidrad mit seinen 141 Schälmessern - allein dieser Teil der Erddruckschildmaschine wiegt 120 Tonnen.

Technische Meisterleistung in Rekordgeschwindigkeit

Mehr als 7 Monate lange arbeiteten 80 Tunnelexperten am neuen Kanal. In dieser Zeit wurden 150.000 Kubikmeter Erdreich ausgehoben und abtransportiert. Der Wiener "Bohrwurm" arbeitete im Turbobetrieb - bis zu 36 Meter pro Tag gelten als weltweite Rekordgeschwindigkeit bei Erddruckschildmaschinen über 7 Meter Durchmesser.

Das schwierigste Stück der Tunnelarbeiten - die Querung der U-Bahnlinie 1 - ging im Februar 2005 planmäßig über die Bühne. Die tiefbautechnische Herausforderung, einen Tunnel mit einem Außendurchmesser von immerhin 8,6 Meter nur 3 Meter unterhalb der U-Bahnlinie 1 im Bereich des Karlsplatzes durchzuführen, wurde von den Tiefbauspezialisten der MA 30 - Wien Kanal und der bauausführenden Firma Arge Porr Tunnelbau/Bilfinger Berger im Februar erfolgreich bewerkstelligt. Die zwei U-Bahn Röhren und ein Verbindungsschacht mit jeweils 6,5 Meter im Durchmesser wurden dazu im Bereich des Wiental Kanals um 4-5 Millimeter durch so genannte Injektionsbohrungen (Bodenverfestigung) angehoben, um etwaigen Setzungen vorzubeugen. Nach der Querung haben sich die beiden U-Bahn Schächte erwartungsgemäß nur um 1-2 Millimeter gesetzt, was die hervorragende Arbeit der Tunnelbauer unterstreicht.

Ausbau des "Bohrwurms"

Nach getaner Arbeit wird die 1.090 Tonnen schwere und 136 Meter lange Maschine nun im Tunnel zerlegt, mittels eines Schwerlastkrans Stück für Stück aus dem Zielschacht gehoben und mit Tiefladern abtransportiert. Für ihren nächsten Einsatz wird die Maschine anschließend von der Herstellerfirma umgerüstet. Für das Verladen der Maschine ist natürlich viel Platz notwendig. Aus sicherheitstechnischen Gründen und zur Vermeidung von Nachtarbeiten wird daher die B1 im Bereich Rechte Wienzeile Nummer 69 und 71 ab 15. April etwa 10 Wochen lang für den gesamten Fahrzeugverkehr gesperrt. Die AnrainerInnen können bis zum gesperrten Bereich zufahren (Sackgasse). Der Durchzugsverkehr wird ab dem Bezirksamt für den 5. Bezirk über die Schönbrunner Straße, Heumühlgasse, Mühlgasse und Preßgasse zur Rechten Wienzeile umgeleitet. In der Grüngasse wird die Einbahnregelung für die Dauer der B1-Sperre umgekehrt.

Innovativer Gewässerschutz für Wien

Mit dem Wiental Kanal wird in Wien erstmals ein Entlastungskanal unter einem Flussbett errichtet. Nach seiner endgültigen Fertigstellung im Jahr 2006 - nach Abschluss der Bohrung sind noch die Verbindungen (Beileitungen) zu den bestehenden Wienfluss-Sammelkanälen herzustellen - kann er bis zu 110.000 Kubikmeter Abwasser speichern. Hintergrund für das Umweltschutz-Projekt: Die Wienfluss-Sammelkanäle waren bei starkem Regen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestoßen. Durch den Regen verdünntes Kanalwasser, so genanntes Mischwasser, gelangte in den Wienfluss. Mit dem neuen Wiental Kanal gehört das der Vergangenheit an. Er dient als Stauraum, nach Abklingen der Regenfälle kann das Wasser durch die "Wiener Kanalnetzsteuerung" - einem aufwändigen elektronischen Steuer- und Pumpsystem ausgestattet, das vollautomatisch in Aktion tritt - kontrolliert zur Hauptkläranlage Simmering abgeleitet werden. Der 2005 abgeschlossene Ausbau der Hauptkläranlage und der Bau des Liesingtal Kanals sind weitere Beiträge zur Steigerung der Wasserqualität der Donau, des Donaukanals, der Liesing und des Wienflusses auf Gewässergüte 2. Durch die sinnvolle Doppelnutzung des Kanalsystems als Speicher und Abwasserabfluss ersparte sich die Stadt Wien den Bau von Überlaufbecken und damit rund 52 Millionen Euro.

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