"Transib"-Verlängerung nach Wien: Für SP-Driemer diskussionswürdiger Denkanstoß von Chorherr

Effizienz- und Kostenfrage aber völlig ungeklärt - Alternative Container-Ganzzüge mit Einmalumladung an Spurweitentrennstelle

Wien (SPW-K) - Für den Vorsitzenden des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr des Wiener Gemeinderates, Johann Driemer, ist der Vorschlag des grünen Gemeinderates, Mag. Christoph Chorherr, die Magistrale Transibirische Eisenbahn bis in den Raum Wien zu verlängern, "durchaus diskussionswürdig". "Alle Beiträge und Denkanstöße, die auf eine Reduzierung des nach der jüngsten EU-Erweiterung bereits stark wachsen Gütertransportverkehrs auf der Straße aus dem osteuropäischen Raum und die Verlagerung auf die umweltfreundliche Schiene abzielen, sind, vor allem auch vor dem Hintergrund der Bemühungen der Ukraine, Mitglied der EU zu werden, grundsätzlich zu begrüßen. Für die Realisierung dieses Vorhabens müssen jedoch die EU, Russland, die Ukraine, die Slowakische Republik und natürlich Österreich an einem Strang ziehen", was sicherlich nicht gerade einfach sein wird", betonte Driemer am Mittwoch in seiner Stellungnahme im Pressedienst der SPÖ Wien.

Das größte Problem der Umsetzung seien die unterschiedlichen Eisenbahnspurweite in Russland und in der Ukraine gegenüber jener in der Slowakei und Österreich, hinsichtlich eines reibungslosen und rationellen Güterverkehrs sei die Errichtung einer kompletten neuen Eisenbahnstrecke durch die Slowakische Republik und in Österreich eine der - allerdings besonders kostenintensiven - Möglichkeiten, setzte Driemer fort. Auf der Breitspur könnten nur auf diesen Schienenstrang angepasste Drehgestelle laufen, ein gemischter Personen- als auch Güterverkehr mit Fahrzeugen der europäischen Normalspur von 1435 mm würde nicht möglich sein, womit sich für die betreffenden Bahnverwaltungen bzw. Gütertransportunternehmen automatisch die Effizienzfrage stellen würde, meinte der Mandatar. Die von Chorherr in den Raum gestellten Kosten einer solchen Umstellung auf Breitspur von rund einer Milliarde Euro bezeichnete Driemer als "deutlich zu tief gegriffen". "Dafür wäre wohl", so die Meinung des Mandatars, "mindestens der dreifache Betrag notwendig".

Driemer wies darauf hin, dass die automatische Umspurung von Güter-aber auch Personenwagendrehgestellen technisch möglich sei und bereits bisher zwischen Frankreich und Spanien, wobei es auf der Iberischen Halbinsel noch immer ein umfangreiches Breitspurnetz gäbe, existiere. Allerdings, so Driemer, gehe Spanien nun den umgekehrten Weg, nämlich vor Neubaustrecken, vor allem für den Personenschnellverkehr, in der europäischen Normalspur auszuführen. In dem von Chorherr angesprochenen Güterwagenverschiebe- und Güterzugbildebahnhof Kledering könnten, nach Meinung Driemers, die Waren aus den Breitspurgüterwagen jedenfalls nicht entladen werden, weil die dafür notwendigen umfangreiche Einrichtungen wie ebenso die dafür notwendigen Erweiterungsflächen nicht vorhanden wären, eine Weiterführung von Breitspurgüterzügen in andere Teile Österreichs wäre nicht möglich. Allein der von den ÖBB seit vielen Jahren geplante und von Wien gewünschte neue Güterterminal in Wien-Inzersdorf wäre in der Lage, eine Umladefunktion zu erfüllen, gegen dieses Projekt hätten sich aber gerade die Grünen vehement ausgesprochen, auch im Generalverkehrsplan der schwarzblauorangen Bundesregierung friste dieses Vorhaben einen eher bescheidenen Stellenwert, erinnerte Driemer.

So "charmant" der Vorschlag Chorherrs auf den ersten Blick auch scheine, so außerordentlich schwierig, wenn nicht unmöglich, werde nach eingehender Prüfung aller Fakten seine Verwirklichung sein. Eine wahrscheinlich effizientere Lösung mit gleicher Wirkung wäre die Bildung von Containerzügen auf der Transibirischen Eisenbahn. Dieses - von den Gütereisenbahnbetreibern in Europa bereits verstärkt praktizierte Transportverfahren - ermögliche ein hohes Maß an rationellem Einsatz der Ressourcen, die Container könnten mit Hilfe von besonders leistungsfähigen Anlagen an der Schnittstelle zwischen den unterschiedlichen Spurweiten rasch umgeladen werden und danach praktisch "barrierefrei" auf der Europa-Normalspur in fast alle Teile Europas transportiert werden, erklärte Driemer abschließend. (Schluss)

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