Bauer: Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit Qualifikationsanforderungen von heute

49 Prozent für gemeinsame Schule für die 10- bis 14-Jährigen - 36 Prozent dagegen

Wien (SK) Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit sind die Qualifikationsanforderungen von heute für MitarbeiterInnen bzw. Jobsuchende. Das ist das Ergebnis zweier Forschungsprojekte des Instituts für Trendanalysen und Krisenforschung (ITK), das deren Vorsitzender, SPÖ-Abgeordneter Hannes Bauer, und die Wissenschaftlerin Claudia J. Palt heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz präsentiert haben. Wie aus der Studie hervorgehe, seien die Ansprüche an StellenbewerberInnen hinsichtlich der mitzubringenden Ausbildung(en) in den letzten 50 Jahren deutlich gestiegen, so Bauer. ****

Das ITK hat in den Jahren 2001-2002 österreichweit Unternehmen hinsichtlich der Qualifikationsanforderungen an MitarbeiterInnen befragt und in den Jahren 2003-2005 ein in Österreich breit angelegtes Forschungsprojekt in Form einer "Inseratenanalyse" in ausgewählten österreichischen Tageszeitungen durchgeführt. Entsprechend der sich wandelnden Branchenstruktur hat sich auch die Struktur der nachgefragten Berufe geändert, wie aus der Analyse hervorgeht. Dabei wird die Verlagerung innerhalb der Dienstleistungsbereiche noch deutlicher. Während persönliche Dienste an Bedeutung verlieren und distributive Dienste stagnieren, gewinnen soziale und insbesondere unternehmensbezogene Dienstleistungen an Bedeutung. Eine deutlich steigende Tendenz - besonders in den 90er Jahren - zeigen Stellen mit Führungspositionen. Dies kann auch ein Anzeichen für eine sich ändernde Personalpolitik der Unternehmen sein. Zeitlich reduzierte bzw. befristete Anstellungen werden zwar häufiger angeboten, dennoch ist die unbefristete Vollzeitstelle die Norm. Selten angeboten werden Heim- und Telearbeitsplätze, wie Bauer und Palt erläuterten.

Das generelle Ansteigen des formalen Qualifikationsniveaus ist in den von dem Institut analysierten Inseraten zu beobachten. Beginnend in den 80er Jahren und sich bis heute fortsetzend zeigt sich, dass das formale Ausbildungsniveau - die Mindestanforderung -deutlich gestiegen ist. Matura und Universitätsabschluss werden seit den 80er Jahren bis in die Gegenwart zunehmend häufiger nachgefragt. Die Ansprüche an StellenbewerberInnen sind in den letzten 50 Jahren deutlich gewachsen. Dabei wird nicht nur immer häufiger eine spezifische Ausbildung verlangt, sondern es ist auch das durchschnittliche (formale) Niveau der verlangten Ausbildung gestiegen. Festzustellen ist, dass es einen Rückgang der Anzahl an Inseraten bei Stellen für Personen ohne spezifische Berufsausbildung gibt.

Im Rahmen der Analyse der nachgefragten Kenntnisse ist hinsichtlich der Kategorie "Führungsqualität, Mitarbeiter-, Menschen-und Personalführung" auffällig, dass diese Kenntnisse bzw. Fähigkeiten in den 50er und 60er Jahren noch selten seitens der Unternehmen als Anforderung angeführt wurden, aber ab den 70er Jahren durchgehend bis in die Gegenwart diese relativ stark - über alle Berufsgruppen hinweg - nachgefragt werden bzw. die Nachfrage kontinuierlich steigt. Eindeutig als Phänomen der 90er Jahre bei den nachgefragten Kenntnissen können "soziale Kompetenz und Teamwork" bezeichnet werden. Die Berufsobergruppen, in welchen soziale Kompetenz und Teamwork intensiv nachgefragt werden, sind Büro/Wirtschaft, Handel/Verkauf, Gesundheit/Medizin und Recht.

Untersucht wurde weiters, wie persönlichkeitsbezogene Stärken eines Arbeitnehmers bzw. einer Arbeitnehmerin aussehen sollen. Zu diesem Zweck wurden die Inserate nach Adjektiven und den danach beschriebenen "Soft Skills" analysiert. Während bei den so genannten "Hard Skills" über die letzten 50 Jahre eine markante Steigerung der Anforderungen festzustellen war und ist, die auch immer spezifischer wird, lässt sich bei den mehr persönlichkeitsbezogenen Stärken, den sogenannten "Soft Skills" - eine Verschiebung der Gewichte feststellen. Traditionelle Arbeitstugenden, welche die Seriosität, Anständigkeit, Ehrlichkeit, aber auch Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit betonen, werden immer seltener inseriert. Stattdessen treten zwei Bündel von Persönlichkeitsanforderungen in den Vordergrund: Einerseits solche, die primär die Anpassungsfähigkeit an betriebliche Gegebenheiten betonen, wie z.B. Flexibilität, Stressresistenz und Teamfähigkeit. Anderseits unternehmerische Qualitäten, welche sich auf die methodischen Kompetenzen wie z.B. Führungs- und Organisationsfähigkeit beziehen, aber auch auf innere Stärken, welche Motivationsfragen, das Engagement und die Dynamik betonen.

Vergleichend wurden auch die Ergebnisse einer ebenfalls von ITK durchgeführten Unternehmensbefragung vorgestellt, aus der hervorgeht, dass Personen mit einem höheren Abschluss (von 40 Prozent der Unternehmen genannt) und AbsolventInnen einer Hochschule (von 30 Prozent der Unternehmen genannt), bzw. Personen mit einer abgeschlossenen Lehre (von 36 Prozent der Unternehmen genannt) in Zukunft die besten Chancen am Arbeitsmarkt haben werden. Manuelle Fähigkeiten sind weiterhin (branchenabhängig) gefragt, jedoch werden "Zusatzanforderungen" wie ein hohes Maß an sozialer Kompetenz von den MitarbeiterInnen erwartet.

Präsentiert wurden überdies auch Ergebnisse einer Umfrage zu dem Thema "Wissen und Soft Skills: Was sollte Kindern und Jugendlichen vermittelt werden?". Dabei wurde auch abgefragt, ob die öffentliche Hand Ausbildungsplätze anbieten soll und ob zu wenig Lehrstellen in Betrieben für die Jugend vorhanden sind. Ergebnis: 85 Prozent der Befragten sind dafür, dass die öffentliche Hand die tut. Dies sei geradezu "eine Aufforderung" an die Politik, so Bauer. Noch ein interessantes Ergebnisses: 49 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass eine gemeinsame Schule für die 10- bis 14-Jährigen geben soll, 36 Prozent dagegen. (Schluss) ps

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0009