Jelinek, Menasse: Beifall für Festwochenpräsident Scholten

Wien (OTS) - Die Teilrückkehr des früheren Kunstministers Rudolf Scholten, heute Chef der Kontrollbank, wird von maßgeblichen Kulturschaffenden als politisches Zeichen und demonstrativer Akt begrüßt. Das berichtet NEWS in seiner morgen erscheinenden Ausgabe. Wiens Kulturstadtrat Mailath-Pokorny hat das bereits abgeschaffte Amt für Scholten wieder erfunden.

Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die mit Scholten und Peymann einst auf einem FPÖ-Hetzplakat stand: "Ich trauere den Zeiten nach, als er Kunstminister war. Er oder jemand wie er wäre nach der Wahl dringend gefragt. Das ist doch nicht zu glauben, dass heute in der Kulturpolitik jemand Intellektueller und Weltoffener etwas werden kann!"

Noch deutlicher wird in NEWS Robert Menasse: "Kulturpolitisch hatte die schwarze Bundesregierung der roten Hauptstadt den Kampf angesagt. Das zeigte sich auch dadurch, dass Morak den Bundesanteil an der Förderung der Festwochen gestrichen hat. Mit der Entscheidung für Rudolf Scholten geht Wien kulturpolitisch wieder in die Offensive. Der Widerspruch zwischen Urbanität und Provinzialismus ist jetzt mit Scholten und Morak geradezu idealtypisch personalisiert. Hat Morak jetzt noch eine andere politische Bühne als die Wörtherseebühne?"

Und der bis 2010 verlängerte Festwochen-Intendant Luc Bondy: "Für mich ist seine Ernennung eine Demonstration von Weltoffenheit."

Scholten selbst bestreitet im NEWS-Gespräch jedes Rückkehrgelüst nach der nächsten Wahl."Für eine Symbolgestalt fühle ich mich zu jung. Und mit der Rückkehr in die Politik hat das überhaupt nichts zu tun. Ich arbeite sehr gern in der Kontrollbank, und es gibt keinen Grund, das ändern zu wollen, solange meine Eigentümer damit zufrieden sind."

Mit Kritik an der aktuellen Kulturpolitik des Bundes spart er dennoch nicht. Die Streichung der Bundessubvention durch Staatssekretär Morak war für Scholten ein programmatischer Vorgang:
"Ich glaube nicht, dass es irgendwo anders ein Beispiel für eine mit innenpolitischen Argumenten begründete Subventionskürzung gibt. Die Kulturpolitik hatte früher das Privileg, dass dort die allgemeinen innenpolitischen Intrigen wenig bis gar keine Rolle gespielt. Die Kulturkämpfe in meiner Ministerzeit waren klar positioniert: entweder geradezu reflexhaft für - oder gegen die Kunst. Es gibt keine gute oder schlechte Kulturpolitik, nur eine für oder gegen die Kunst. Wer das Amt nicht mit Leidenschaft betreibt, ist fehl am Platz. Jetzt hat das banale innenpolitische Gezerre die Kulturpolitik erreicht - in Kärnten, aber auch im Bund. So etwas dient normalerweise nicht der Angelegenheit, um die gezerrt wird. Es genügt ja schon, sich die Diskussion um Neubesetzungen der Bundesmuseen anzusehen: Jeder äußert da seine persönlichen Vermutungen, weshalb einzelne Direktoren gerade in Mode sind oder nicht. Mit ihrer jeweiligen Arbeit hat das nur am Rand zu tun."

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