WirtschaftsBlatt Kommentar vom 20.4.2005: Korrektur an den Börsen: War’s das schon? - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Nachdem der ATX in den drei Handelstagen davor fast sechs Prozent seines Wertes eingebüsst hatte, startete er gestern durchaus optimistisch in den Handel. War’s das schon? Ist die Korrektur damit beendet?
Eher nicht. Denn Aktienmärkte haben zwar ihre eigenen Gesetze, ganz von ihrem volkswirtschaftlichen Umfeld abkoppeln können sie sich aber nicht. Und das - vor allem die Erwartungen in die nähere Zukunft -hat sich in den letzten Wochen deutlich verschlechtert: Nicht nur die österreichischen Institute und die EU haben in jüngster Zeit ihre Prognosen für das laufende Jahr zurückgenommen, auch über der Wirtschaftslokomotive USA mehren sich dunkle Wolken. Und wenn die Wirtschaft langsamer wächst, dann bremst das auch die Gewinne der Aktiengesellschaften - und das lässt die Kurse nicht kalt. Wir müssen also damit rechnen, dass sich Aktien im kommenden halben Jahr weltweit nicht berauschend entwickeln.
Also Hände weg von der Börse? Keineswegs. Denn im Gegegensatz zu den USA, von wo der aktuelle Kurssturz ja seinen Ausgang nahm, gibt es in Österreich noch keine Anzeichen dafür, dass die Unternehmensgewinne tatsächlich hinter den Erwartungen zurück bleiben.
Ausserdem hat sich der ATX auch zuletzt besser entwickelt als andere Märkte: In den vergangenen 52 Wochen haben Wiener Aktien - auch nach dem Absturz vom Montag - mehr als 30 Prozent zugelegt, der deutsche DAX liegt hingegen momentan nicht ganz 5 Prozent über seinem Wert von vor einem Jahr, der US-Index Dow Jones sogar leicht darunter.
Auch das ist natürlich keine Garantie, dass es mit dem ATX weiter bergan geht - obwohl die Zuflüsse aus der Zukunftsvorsorge und die relativ gute Situation österreichischer Unternehmen dafür sprechen. Wer in Aktien investiert ist, dem muss bewusst sein, dass ansatzlose Abstürze aus nichtigem Anlass - wie eben geschehen - weit eher der Norm entsprechen als die nahezu ununterbrochenen Kursgewinne, die der ATX zwischen dem Mai des Vorjahres und dem heurigen Februar feierte. Womit auf jeden Fall zu rechnen ist, sind heftigere Bewegungen auf den Kurszetteln. Die Investoren sind nervös, und das führt zu höherer Volatilität. Aber geschickte Trader machen gerade damit gute Gewinne. Und mehr als bisher kommt es in den nächsten Monaten wohl darauf an, aufs richtige Pferd zu setzen: Auch wenn ein Index nicht mehr so toll performt, einzelne seiner Aktien können in der Zeit durchaus auch zweistellig zulegen.

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