Broukal: Ergebnis der Zukunftskommission ähnelt in vielen Punkten dem SPÖ-Bildungsprogramm

Kuntzl: "Schnell wirkungsvolle Hebel" bei Frühförderung ansetzen

Wien(SK) "Die Zukunftskommission ist in ihrem Bericht zu ähnlichen Ergebnissen gekommen, wie die SPÖ in ihrem Bildungsprogramm", betonte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal am Montag im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Einmal PISA und zurück - Die bildungspolitischen Antworten der SPÖ". Die Zukunftskommission und die SPÖ stellten fest, dass "unsere Schule nicht fördert, sondern straft", und auch der Bericht der Zukunftskommission nenne viele Gründe für eine gemeinsame Schule und für das Modell der Ganztagsschule. SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl forderte, bei der Frühförderung "schnell wirkungsvolle Hebel anzusetzen" und die bildungspolitische Funktion des Kindergartens vermehrt zu diskutieren. Der Kindergarten dürfe nicht als "Aufbewahrungsort" gesehen werden, sondern als Bildungseinrichtung, die eine Lebensphase umspannt, in der Kinder über eine sehr große Aufnahmebereitschaft verfügen. Erfahrene und gut ausgebildete Fachkräfte sollten die Kinder beobachten und "dort ansetzen, wo Schwächen zu finden sind". Schon "mit kleinen Hilfestellungen können leicht Erfolge erzielt werden, um so Kindern den Start ins Leben zu erleichtern". Kuntzl kündigte an, die SPÖ werde Forderungen der Zukunftskommission als Anträge im Parlament einbringen, um zu sehen "wer mit uns geht und die Zukunftskommission unterstützt". ****

Zur Feststellung der SPÖ und der Zukunftskommission, dass Schule in Österreich nicht fördert sondern straft, erläuterte Broukal, dass in der Schule zwar eine Reihe von Sanktionen für unangepasstes Verhalten existieren, "aber für Instrumente zur Förderung von SchülerInnen, denen es schlecht geht, fehlt das Geld". Des weiteren werde auch im Bericht der Zukunftskommission das "Auseinanderdividieren" der Kinder im Alter von zehn Jahren kritisiert. Der SPÖ-Wissenschaftssprecher wies darauf hin, dass durch eine gemeinsame Schule die schwächeren Kinder die guten SchülerInnen zum Vorbild nehmen. Eine interessante Frage für die Politik sei es, in einem Land, in dem es üblich ist, eine Trennung in Hauptschule und AHS durchzuführen, den Menschen bewusst zu machen, dass auch die "guten Kinder" etwas von Schwächeren lernen können.

Weiters habe sich die Zukunftskommission für die Einführung der Fünf-Tage-Woche, für LehrerInnenfortbildung und gegen das Sitzenbleiben ausgesprochen. Die Idee, schwächeren Kindern nicht zum normalen Klassenprogramm noch zusätzlich ein spezielles Förderprogramm zuzumuten, sondern diese Kinder dort etwas weniger zu fordern, wo sie stärkere Leistungen zeigen, sei "gut", aber auch eine Frage der Praxis und des Geldes.

Der SPÖ-Wissenschaftssprecher kritisierte, dass im österreichischen Schulsystem die Beurteilung in der Regel ausschließlich von einem Lehrer durchgeführt werde. Broukal nannte als Voraussetzung für eine objektive Leistungsbeurteilung "den Entzug dieser Prüfungsallmacht". Das Modell, wie auch in Finnland und Frankreich üblich, dass zu einem entscheidenden Punkt der Bildungskarriere zur selben Zeit im ganzen Land alle SchülerInnen die gleichen Aufgaben bearbeiten, werde auch in Österreich kommen - und auch die Zukunftskommission habe diese Herangehensweise vorgeschlagen.

Kuntzl: Lebenschancen werden durch zu frühe Selektion verbaut

Viele Studien würden besagen, eine wesentliche Schwäche des österreichischen Schulsystems sei die frühe Trennung von Kindern mit zehn Jahren. Durch diese frühe Selektion würden Lebenschancen verbaut werden, kritisierte Kuntzl. Die soziale und regionale Herkunft von Kindern würde nach wie vor zu einem beträchtlichen Ausmaß die unterschiedlichen Bildungschancen bestimmen.

Zum Thema Ganztagsschule unterstrich Kuntzl, dass "die Zukunftskommission dieses Modell empfiehlt". Zudem müsse der pädagogische Gesichtspunkt der Ganztagstagschule in verschränkter Form ins Blickfeld der aktuellen Debatte gerückt werden. Um "tatsächliche Wahlfreiheit" unter den unterschiedlichen Schulformen schaffen zu können, müsse zuerst der Rückstand an Ganztagsschulplätzen abgearbeitet werden, wie die SPÖ-Familiensprecherin betonte. Ganztagsschulen seien zudem meist "Selbstläufer", die wenigen Schulen dieser Art seien "binnen kürzester Zeit voll". Für Kuntzl ist es wichtig, dass Menschen eigene Erfahrung mit diesem pädagogisch guten Modell machen.

Broukal für Abschaffung der Studiengebühren

Auf eine Frage aus dem Publikum sprach sich Broukal erneut für die Abschaffung der Studiengebühren aus, denn als eines der reichsten Länder in der EU "könnten wir uns das leisten". Zu einer Frage zum Thema Medien und Schule betonte Broukal, dass "Medienerziehung sein muss" und bezeichnete es als ein "hohes Ziel", Kinder text- und quellenkritisch zu machen. Man müsse Kindern auch beibringen, dass etwas nicht unbedingt wahr ist, nur weil es im Internet steht.

Bei Gesprächen im Jahr 2003 habe sich Gehrer nur dafür interessiert, ob die SPÖ bereit sei, Kürzungen bei Lehrergehältern in der Höhe von 300 Millionen Euro mit zutragen. Daraus lässt sich für Broukal schließen, dass Gehrer "entweder eine Parteisoldatin ist oder in einer Traumwelt lebt, in der die österreichische Schule in Ordnung und auf dem Weg zur Weltspitze ist". Gehrer habe "das österreichische Schulsystem fahrlässig in den Graben gefahren" und man werde sicher Geld brauchen, um beispielsweise die Klassenschülerzahlen wieder zu senken und die ganztägige Schule einzuführen. Broukal betonte abschließend, dass "es kaum etwas Wichtigeres gibt, als die Bildung unserer Kinder". (Schluss)sf

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