Bahá’í bestürzt über das Fehlen einer Menschenrechtsresolution zu Iran

Sorge um zunehmende Verfolgung der Bahá’í im Iran

Genf/Wien (OTS) - Die Internationale Bahá’í-Gemeinde ist bestürzt über das Versagen der UNO-Menschenrechtskommission, eine Resolution zur Menschenrechtslage im Iran auch nur in Betracht zu ziehen, zumal sich die Situation im Land verschlechtert und die
Verfolgung von Bahá’í zugenommen hat.

"Angesichts der rapiden Zunahme von Menschenrechtsverletzungen an der Bahá’í-Gemeinde im Iran kann es nur schockieren, dass es der UNO-Menschenrechtskommission im dritten Jahr in Folge nicht gelungen ist, die internationale Beobachtung der Menschenrechtslage zu erneuern", betonte Bani Dugal, Chefrepräsentantin der Bahá’í International Community (BIC) bei den Vereinten Nationen, am vergangenen Wochenende in Genf. "Im vergangenen Jahr wurden zwei bedeutende Heilige Stätten der Bahá’í zerstört, den Bahá’í-Jugendlichen wurde der Zugang zu höherer Bildung und zum Studium abermals verwehrt, und erst kürzlich waren Bahá’í in den Städten Yazd und Teheran von einer neuen Welle an Übergriffen, Schikanen und Festnahmen betroffen", so Bani Dugal.

All dies sei Bestandteil eines fortwährenden Musters von religiös motivierter Verfolgung, angestiftet und gutgeheißen von der iranischen Regierung, die sich in vorangegangenen Jahren einer deutlichen Verurteilung ihres Handelns durch die internationale Staatengemeinschaft gegenüber gesehen habe. Die Kritik von Bani Dugal erfolgte zum Abschluss der Beratungsperiode der Menschenrechtskommission über länderspezifische
Resolutionen, nachdem bereits jede Hoffnung auf eine Iran-Resolution aufgegeben worden war.

Drei Wochen zuvor hatte die Bahá’í International Community die Menschenrechtskommission eindringlich aufgerufen, eine Resolution zur Menschenrechtslage im Iran zu beraten und zu verabschieden, und dabei auf die gravierenden Menschenrechtsverletzungen an Bahá’í hingewiesen. So wurden im vergangenen Februar in der Stadt Yazd mehrere Bahá’í in ihren Häusern angegriffen und misshandelt. Das Geschäft eines Bahá’í wurde in Brand gesetzt, andere Bahá’í wurden eingeschüchtert und bedroht. Diesen Übergriffen folgte eine Reihe von Festnahmen und kurzzeitigen Inhaftierungen. Der Friedhof der Bahá’í in Yazd wurde zerstört, indem Fahrzeuge über die Gräber fuhren, Grabsteine zertrümmert und die sterblichen Überreste ausgegraben und verstreut wurden.

Im März stürmten in Teheran Agenten des iranischen Geheimdienstes die Wohnungen von mehreren Bahá’í, durchwühlten die Wohnungen, bevor sie das Eigentum der Bahá’í abtransportierten und sie in Haft nahmen. Fünf Bahá’í wurden allein im Monat März inhaftiert, zwei wurden schließlich auf Kaution freigelassen, aber über den Aufenthaltsort der anderen haben die Familienangehörigen und die Gemeinde keine Kenntnis. Zwei weitere Bahá’í, die festgenommen worden waren, weil sie lediglich Kopien eines offenen, im höflichen Ton gehaltenen Briefs der iranischen Bahá’í an Präsident Khatami weitergegeben hatten, erhielten die Höchststrafe für dieses so genannte Vergehen. In einem weiteren Fall wurden die Häuser und Grundstücke von sechs Bahá’í-Familien konfisziert und ihnen somit ihre einzige Lebensgrundlage genommen.

Zwischen 1978 und 1998 ließ die iranische Regierung mehr als 200 Bahá’í hinrichten. Hunderte wurden inhaftiert und zehntausende Bahá’í verloren ihre Arbeitsplätze, Pensionsansprüche, Geschäfte und Bildungsmöglichkeiten. Angesichts intensiven internationalen Drucks, vor allem durch eine Folge von Resolutionen der UNO-Menschenrechtskommission bis zum Jahr 2002, stellte die iranische Regierung die Hinrichtungen ein und reduzierte in starkem Maße die Zahl der inhaftierten Bahá’í.

Obgleich die iranische Regierung die schwerstwiegenden Formen direkter Gewalt und Menschenrechtsverletzung an einzelnen Mitgliedern der Bahá’í-Gemeinde stoppte, hat sie dennoch ihre Verfolgungskampagne fortgesetzt, insbesondere durch soziale und wirtschaftliche Restriktionen. Ziel ist die allmähliche Strangulierung einer religiösen Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit.

Auch die österreichische Bahá’í-Gemeinde ist über die zunehmend prekäre Lage ihrer Schwestergemeinde im Iran äußerst besorgt und hat das Bundesaußenministerium über die jüngste Verfolgungswelle gegen die Bahá’í im Iran informiert und um Hilfe gebeten.

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