WirtschaftsBlatt Kommentar vom 16.4.2005: Der RI-Erfolg kommt nicht überraschend - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Dass die Zeichnungsfrist für die neue Raiffeisen International-Aktie vorzeitig beendet wurde, kommt nicht wirklich überraschend. Tatsächlich benötigte kaum eine ernst zu nehmende Kapitalmarkt-Transaktion der vergangenen Jahre - sei es Erstzeichnung, sei es Kapitalerhöhung - die vorgesehene Frist, um zur Gänze auf dem Markt platziert zu werden. Und mehrfache Überzeichnung gehört ebenfalls zum guten Ton. Wäre das bei Raiffeisen International anders gewesen, hätte das bloss gezeigt, dass der Verkaufskurs unvernünftig hoch angesetzt wurde.
Dass der Privat-Verkauf der RI-Aktie schon nach zwei Wochen eingestellt wurde und die Überzeichnung angeblich bereits beim Zehnfachen liegt, ist natürlich trotzdem bemerkenswert - zumal die Aktie in dem festgelegten Preisband (zwischen 27 und 33 Euro) von Experten als nicht wirklich billig eingestuft wurde. Und jetzt wird sie wohl den oberen Rand dieses Preisbandes testen.
Wer sich zum Kauf entschlossen hat - und das Glück hat, ordentlich beteilt zu werden -, sollte trotzdem ganz gut damit verdienen: Am Grauen Markt wird die Aktie schon jetzt zwischen 36 und 38 Euro gehandelt. Wenn sich - wie angesichts der grossen Nachfrage zu erwarten - diese Preise auch nach dem offiziellen Börsestart halten, so bedeutet das Kursgewinne von zehn Prozent und mehr innerhalb weniger Tage.
Falls es dieses Beweises noch bedurfte, zeigt Raiffeisen International damit eines: In dem einst viel geschmähten Wiener Kapitalmarkt steckt jetzt mehr Potenzial als man sich je vorstellen hätte können. Und das ist eine erfreuliche Nachricht. Eine erfreuliche Nachricht für alle Anleger, die für ihr Geld eine sichere Bleibe suchen, in der es sich auch ordentlich vermehren kann.
Eine erfreuliche Nachricht aber auch für alle, die Kapital für ihre Unternehmungen brauchen: An Geld mangelt es nicht. Wer ein solides Unternehmen anbietet und eine gute Investment-Story dazu liefert, der findet in Wien offene Ohren.
Und das ist eine gute Nachricht für die gesamte Wirtschaft. Denn ein funktionierender Börseplatz ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass auch die jeweilige Nationalökonomie wachsen kann. Am Kapitalmangel muss es nicht mehr liegen, wenn Österreichs Wirtschaft nicht so recht vom Fleck kommt.
Hoffen wir, dass das Beispiel Raiffeisen International noch vielen anderen Mut macht. Wir können noch viele erfolgreiche Börsegänge brauchen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001