Bilanz nach 1 Jahr EU-Gentechnik-Kennzeichnung

Greenpeace startet EU-weite Kampagne gegen Gentech-Tierfutter

Wien. (OTS) - Mit einem weinenden und einem lachenden Auge zieht Greenpeace heute Bilanz nach einem Jahr Gentechnik-Kennzeichnung für Lebensmittel und Tierfutter: 90 Prozent aller österreichischen Lebensmittelhändler garantieren, keine gentechnisch veränderte Produkte zu verkaufen. Wermutstropfen bleibt die weiterhin fehlende Kennzeichnungspflicht für Produkte von Tieren, die Gentech-Futter gefressen haben. "Jährlich landen EU-weit 30 Millionen Tonnen Gentech-Soja in den Futtertrögen", erklärt Greenpeace-Sprecher Steffen Nichtenberger. "Die Konsumenten haben keine Möglichkeit zu erkennen, ob ihre Schnitzel, Milch oder Eier aus Gentech-Fütterung stammen." Greenpeace startet deshalb eine EU-weite Kampagne mit der Forderung, diese Lücke in der Gentechnik-Kennzeichnung zu schließen.

Seit 18. April 2004 ist die EU-weite Regelung zur Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Kraft. Alle Lebensmittel und Zutaten aus GVO müssen gekennzeichnet sein, auch wenn die Genmanipulation nicht mehr nachweisbar ist. Greenpeace hat beim österreichischen Lebensmitteleinzelhandel erreicht, dass 90 Prozent garantieren, keine Gentech-Lebensmittel zu verkaufen.

Trotzdem kommt Gentechnik auf die heimischen Teller: Fleisch, Milch, Eier und andere tierische Produkte, zu deren Herstellung gentechnisch verändertes Tierfutter verwendet wurde, müssen nicht gekennzeichnet sein. "Über die Hintertür des Tierfutters landet die Gentechnik auf dem Teller", so Steffen Nichtenberger. Österreich importiert jährlich etwa 550.000 Tonnen Gentech-hältige Soja!

Rewe und Spar, die beiden größten heimischen Supermarktketten, setzen bei ihren Frischeiern aus Boden- und Freilandhaltung übrigens auf eine Zukunft mit Gentechnik-freiem Hühnerfutter. Positive Signale kommen auch aus der Milchwirtschaft: Bereits im September 2003 hat die Tirolmilch einen Teil ihrer Produktion auf "Gentechnik-frei" umgestellt. Im Herbst 2004 folgten dann NÖM und Kärntnermilch mit Vorstandsbeschlüssen, die Fütterung umzustellen. "Wir nehmen NÖM und Kärntnermilch beim Wort", so Nichtenberger. "Greenpeace erwartet im Jahr 2005 einen Durchbruch in der Milchwirtschaft."

"So erfreulich der Verzicht der Lebensmittelhändler und -produzenten auf Gentechnik ist, so skandalös sind die aktuellen Fälle illegaler Gentech-Kontamination bei Mais aus den USA und Reis aus China", kritisiert die Greenpeace-Molekularbiologin Susanne Fromwald. Heute Vormittag tritt in Brüssel der zuständige Ausschuss zusammen. "Wir fordern die EU auf, Mais-Importe aus den USA sofort zu stoppen. Es muss verhindert werden, dass nicht genehmigter Gentech-Mais nach Europa gelangt."

Details im Internet: http://www.greenpeace.at/gentechnik.html

Rückfragen & Kontakt:

Axel Grunt, Pressesprecher Greenpeace, 01-5454580-33 od. 0664-2407075
Mag. Susanne Fromwald, Molekularbiologin Greenpeace, 01-5454580-75 oder 0664-6126706
Steffen Nichtenberger, Futtermittelexperte Greenpeace, 01-5454580-69 od. 0664-6126703

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