Erziehung und Elternbildung via Bildschirm

Kinderrechte kontra Einschaltquote

Wien (OTS) - Das TV-Format "Super Nanny" ignoriert das Recht des Kindes auf Schutz seiner Privatsphäre, seiner Ehre und seines Rufes, betonen die Kinder- und JugendänwältInnen Österreichs. Die Verantwortlichen der betreffenden Medien sind aufgefordert, diese Form der Darstellung von Kindern in demütigenden Situationen zu unterlassen. Gemeinsam mit erfahrenen PädagogInnen und PsychologInnen sollten Wege einer kindgerechten und respektvollen Aufbereitung von Erziehungsfragen für ein breites Publikum gesucht werden.

Nach Großbritannien und dem deutschen Privatsender RTL erziehen die "Super Nannys" nun auch am österreichischen Privatsender ATV+ Kinder vor den Augen eines breiten Fernsehpublikums. Unter dem Aspekt der Kinderrechte befassten sich kürzlich die österreichischen Kinder-und JugendanwältInnen bei ihrer Frühjahrstagung in Vorarlberg mit diesem "Reality-TV" Format.

Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention sichert Kindern das Recht auf Privatsphäre und auf Schutz ihres Rufes und ihrer Ehre zu; und jedes Kind hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe und Beeinträchtigungen. Zugunsten der Einschaltquote und unter dem Deckmantel der "Erziehungshilfe" werden diese Kinderrechte massiv verletzt. Medienwirksam werden hier Kinder in demütigenden Situationen gezeigt: Die Palette reicht von Tobsuchtsanfällen, Wutausbrüchen bis hin zu Aggressionen gegen Menschen und Gegenstände. Details aus den höchstpersönlichen Lebensbereichen der Kinder, wie etwa Gewalttätigkeiten und Beschimpfungen der Eltern untereinander oder auch gegenüber den Kindern, werden vor einem breiten Zuschauerpublikum ausgebreitet.

Die betroffenen Kinder sind nach Beendigung des Besuchs der "Super Nanny" gegenüber ihren MitschülerInnen, FreundInnen, LehrerInnen und anderen Bekannten den Konsequenzen (Spott, Mitleid, Ausgrenzung,...) dieser öffentlichen Darstellung ihres Familienlebens ohne Schutz ausgesetzt.

Die Kinder- und JugendanwältInnen Österreichs appellieren an die Medienverantwortlichen dieses "Reality TV" Formats, diese Form der Darstellung von Kindern in demütigenden Situationen zu unterlassen. Gemeinsam mit PädagogInnen und PsychologInnen sollten andere Wege für eine kindgerechte und respektvolle Aufbreitung von Erziehungsfragen und auch der angewandten Erziehungsmethoden für ein breites Publikum gesucht werden.

Rückfragen & Kontakt:

DSA Monika Pinterits
Kinder- und Jugendanwältin Wien
Tel.(1) 1708
M.a Christine Winkler-Kirchberger
Kinder- und Jugendanwältin des Landes Oberösterreich
Tel. 0732/7720-14000 Dw

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