ÖGB: Mit Frühförderung soziale Schieflage im Bildungssystem korrigieren!

PISA steht zweifellos auf soliden Grundfesten - Gehrer soll Ursachen für schlechtes Abschneiden korrigieren

Wien (ÖGB) - Anlässlich des Berichts der Zukunftskommission, den Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer am Mittwoch vorgestellt hat, erklärt ÖGB-Berufsbildungsexperte Alexander Prischl: "Die Ergebnisse der von ÖGB und AK im Vorjahr veröffentlichen Studie zur sozialen Situation beim Bildungszugang waren alarmierend. Das österreichische Schulsystem bietet keineswegs Chancengleichheit, sondern selektiert nach sozialer Herkunft und Einkommenssituation des Elternhaushalts. Durch die von der Kommission empfohlene Frühförderung könnte zumindest ein Ansatz geschaffen werden, die soziale Schieflage ein wenig ins Lot zu rücken." Der Österreichische Gewerkschaftsbund begrüßt die "Bewegung" im Bereich der Schulpolitik, die durch die Berichte der Zukunftskommission intensiviert wurde.++++

Im vorliegenden Endbericht erkennt Prischl geeignete Maßnahmen um die Qualität des österreichischen Schulsystem zu verbessern und bessere Ergebnisse für die SchülerInnen zu erreichen. Besondere Zustimmung findet der Punkt Frühförderung: Besonders zu begrüßen sei, dass sich diese Frühförderung nicht nur auf sprachliche Fähigkeiten konzentrieren soll und in gemischtsprachigen Gruppen geschehen soll. Das wird vom ÖGB seit langem gefordert.

Kritischer äußert sich Prischl zu den angepeilten Zugangsbeschränkungen in der LehrerInnen-Ausbildung. Die am Beginn der Laufbahn erfolgende Selbstreflexion und Verstärkung des Praxisbezuges ist für die Studierenden von Vorteil für die persönliche Entscheidungsfindung. "Der Zugang zur LehrerInnen-Ausbildung muss jedoch frei bleiben", fordert Prischl, der außerdem die BerufsschullehrerInnen in den Überlegungen den Zukunftskommission vermisst. Auch diese müssten in die skizzierte Ausbildung integriert werden. Darüber hinaus ist ein berufsbegleitendes Angebot für angehende LehrerInnen an berufsbildenden Schulen an den Pädagogischen Hochschulen sicherzustellen, Personen aus der Praxis müssten die Möglichkeit haben, berufsbegleitend eine Ausbildung zur LehrerIn an diesen Hochschulen zu absolvieren.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen um das Repetieren vor allem an den BMHS zu verringern und das Kursystem in der Oberstufe befürwortet der ÖGB. Damit wird das selbstbestimmte Lernen der SchülerInnen gefördert. Die differenzierten Niveaustufen in den Kursen dürfen aber keine "neuen Leistungsgruppen" schaffen, so Prischl.

Eine Bildungsreform muss dringend auf Herkunftsaspekte reagieren und der sozialen Selektion gegensteuern. Der ÖGB erneuert seine zusätzlichen Forderungen an eine Bildungsreform:
- Rechtsanspruch auf Förderunterricht und ein zweckgebundenes Budget für Fördermaßnahmen für jede Schule
- Ausbau ganztägiger Schulformen
- Individueller Unterricht und Fördermaßnahmen in allen Grundschulen - eine gemeinsame Mittelstufe mit Begabungsförderung, individuellem Unterricht und Fördermaßnahmen, Berufsorientierung als eigener Gegenstand
- Recht auf einen Ausbildungsplatz: Ausbau BMHS, Öffnung der Berufsschulen für Jugendliche ohne Lehrvertrag
- Umwandlung der Schülerbeihilfe ausschließlich als soziale Leistung mit deutlicher Erhöhung, ab der 9. Schulstufe
- gebührenfreies Nachholen von Bildungsabschlüssen, Modularisierung der Schulen für Berufstätige
- Reform der Besonderen Schülerbeihilfe

Im Zusammenhang mit den jüngsten Äußerungen von Bildungsministerin Gehrer bezüglich der Richtigkeit der PISA-Studie zeigt sich Alexander Prischl verwundert. Die auf soliden Grundfesten stehende Studie sollte nicht selbst zur Zielscheibe der Kritik werden, sondern das, was dahinter steht, nämlich die Ursachen für das schlechte Abschneiden. Das Ranking ist bloß ein Teilaspekt. "PISA hat Handlungsbedarf sichtbar gemacht, vor allem in Hinblick auf soziale Herkunftseffekte, die unser Bildungssystem nicht ausgleicht", schließt Prischl.

ÖGB, 13. April
2005
Nr. 211

Rückfragen & Kontakt:

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Florian Kräftner
Tel.: (++43-1) 534 44/290 DW
Fax: (++43-1) 533 52 93
http://www.oegb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0007