60 Jahre ÖGB: Kenyongasse war Geburtsstunde des ÖGB

ÖGB-Präsident Verzetnitsch: "Rückschau ist wichtig, aber wir müssen den Blick in die Zukunft richten: Die Arbeitslosigkeit ist dringendstes Problem"

Wien (ÖGB) - "Das Haus in der Kenyongasse 3 spielt in der Geschichte des ÖGB eine besondere Rolle", erinnerte ÖGB Präsident Fritz Verzetnitsch heute, Mittwoch, anlässlich der Enthüllung einer Gedenktafel zur Gründung des ÖGB am 13. April 1945. "Am 13. März -dem Tag der endgültigen Befreiung Wiens von der nationalsozialistischen Herrschaft, kam es hier zu einer Zusammenkunft von 17 Vertrauensleuten aus dem sozialdemokratischen, christlichen und kommunistischen Lager. Das war die Geburtsstunde des unabhängigen, überparteilichen ÖGB, der ersten demokratischen Institution der Zweiten Republik."++++

"Der ÖGB hat in vielen Belangen die Entwicklung unseres Landes entscheidend mitgeprägt. Ob es nun um Kollektivverträge, Mindesturlaub, Gleichbehandlungspaket, Arbeitszeitverkürzung, höhere Löhne und Gehälter oder Weihnachts- und Urlaubsgeld ging - zu Beginn jedes Durchbruchs stand eine Forderung", erinnerte Verzetnitsch. Der Blick in die Vergangenheit sei ebenso wichtig wie der Blick in die Zukunft: Man müsse daher mit vereinten Kräften am derzeit gravierendsten Problem arbeiten: Der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

Verzetnitsch, der Mittwoch früh am Arbeitsmarktgipfel mit Wirtschaftsminister Bartenstein teilgenommen hatte, wies darauf hin, dass der ÖGB seine Vorschläge auf den Tisch gelegt habe und die Regierung diese nur umsetzen müsse. "Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist die größte Herausforderung vor der wir stehen. Die Zahl der arbeitslosen Menschen in unserem Land hat traurige Rekordwerte erreicht. Da hilft es wenig auf Vergleiche der EU zu verweisen und festzustellen, dass mehr als 3 Mio. Menschen eine Beschäftigung haben", so Verzetnitsch. Vordringlichste Aufgabe müsse es daher sein, den mehr als 272.000 Arbeitsuchenden und der Jugend eine Chance auf Beschäftigung durch Aus- und Weiterbildung zu geben. Sie haben ein Recht auf Arbeit und auf ein entsprechendes Einkommen.

"Wir können mit Stolz auf die Vergangenheit zurückblicken", so Verzetnitsch weiter, "vor allem, wenn man bedenkt, was die Ausgangslage war: Zerstörtes Land, geteiltes Land, mit kaum einer Hoffnung auf Besserung, aber dennoch mit dem Willen der gesamten Bevölkerung und vor allem innerhalb der Gewerkschaften. Die kontinuierliche Entwicklung, die der ÖGB seither genommen hat, hat in den großen, durch den ÖGB erkämpften Errungenschaften ihren Niederschlag gefunden", so der ÖGB-Präsident.

Hier in der Kenyongasse wurde der Beschluss für eine einheitliche, überparteiliche Organisation gefasst. Heute zählt die Überparteilichkeit zu den größten Stärken des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Damals wie heute lautet das Motto: Kräfte bündeln, das Gemeinsame vor das Trennende stellen. Denn nur gemeinsam sind wir stark. Das ist auch das wichtigste Rüstzeug für die kommenden Herausforderungen.

Verzetnitsch abschließend: "Wer nicht Politik macht, mit dem wird Politik gemacht. Daher werden wir die Hände nicht in den Schoß legen. Solidarität hat uns 60 Jahre lang begleitet und diese Solidarität wird uns auch in Zukunft begleiten." (bmm/ew)

ÖGB, 13. April
2005
Nr. 209

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