Waneck: Primarärzte erheben Führungsanspruch im Gesundheitswesen

~ Ökonomisierung des Gesundheitswesens birgt Gefahren für die Bevölkerung ~

Wien (OTS) - "Die nötige Straffung und Reorganisation des österreichischen Gesundheitswesens aufgrund von ökonomischen Zwängen birgt enorme Gefahren für die Bevölkerung", warnte heute der Präsident des Verbandes der ärztlichen Direktoren und Primarärzte Österreichs, Prim. Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck. Die Primarärzteschaft verfüge durch ihre Kompetenz in der Medizin, im Management und in der Krankenhaus-Ökonomie über das erforderliche Wissen, wo und wie ohne Schaden für die Bevölkerung ökonomisiert werden könne, erhob Waneck den Führungsanspruch der Primarärzte. Waneck, der dem Verband der ärztlichen Direktoren und Primarärzte Österreichs seit November 2004 vorsteht, wolle die öffentliche Präsenz dieser freiwilligen Interessenvertretung deutlich erhöhen.

Sorge um Patienten darf nicht Ökonomen überlassen werden

Die Aufgabe des Gesundheitswesens sei die Bereitstellung von Ressourcen für Prävention, Diagnose, Therapie und Rehabilitation für die Bevölkerung. "Alle diese Bereiche sind die Kernkompetenz der Ärzteschaft. Darüber hinaus sind die Ärzte durch den hippokratischen Eid und die Besonderheit der Profession in hohem Maße den Patienten ethnisch verpflichtet", betonte Waneck, der kritisierte, dass die politische Realität versuche an den Ärzten und Patienten vorbei zu agieren. "Die Primarärzte Österreichs sind nicht bereit, ihre ureigenste Verantwortung dem Hochmut von Ökonomen und Theoretikern, die ein Spital kaum noch von Innen gesehen haben, auszuliefern", so Waneck.

Primarärzte erheben Führungsanspruch im Krankenhaus

"Die Erwartungen, die heute an Ärzte in Führungspositionen in Krankenhäusern gestellt werden, betreffen neben der ärztlich-fachlichen und Patientenbetreuung/-behandlung und Versorgungstätigkeit in hohem Maße Organisations- und Managementaufgaben, ebenso wie soziale Kompetenz", so Waneck. Aufgaben, die in den kommenden Jahren noch mehr würden. "Die Primarärzte Österreichs fordern daher eine Korrektur im Sinne eines ärztlichen Generaldirektors, wie dies bereits in der Organisation der Führung des Wiener Krankenanstaltenverbundes erfolgreich umgesetzt ist", so Waneck. Nur ein Arzt mitpraktischer Berufserfahrung verfüge über den ethnischen Hintergrund, der für diese Aufgabe erforderlich sei. "Die Führung öffentlicher Krankenanstalten durch Ökonomen oder gar profitorientierte Unternehmen lehnt der Verband im Sinne der Patienten kategorisch ab", betonte Waneck.

Neunteufel: Ökonomische Verantwortlichkeit durch Ärzte

"Primarärzte und ordentliche Universitätsprofessoren sind die Experten für alle Bereiche des Gesundheitswesens. Sie verbinden hohe medizinische Kompetenz mit Führungserfahrung und ökonomischer Routine. Sie entsprechen dem idealen Anforderungsprofil einer Führungsposition im strategischen und operativen Bereich eines Gesundheitsbetriebes am besten", betonte Prim. Univ. Doz. Dr. Walter Neunteufel (AKH-Dornbirn).

Nur mit leitenden Ärzten in den Führungspositionen der Gesundheitsbetriebe werde es in Zukunft möglich sein, die ständig steigende medizinische Qualität zu für die Volkswirtschaft vertretbaren Kosten anzubieten, betonte Neunteufel. "Ökonomen haben keinen vergleichbaren qualifizierten Bezug zum operativen Geschäftsbereich der Gesundheitsbetriebe", so Neunteufel.

Hawlicek: Primarärzte fordern Vertretung in der Ärztekammer

"Die am höchsten qualifizierte Ärztegruppe, die Universitätsprofessoren und Primarärzte, sind weder in der Österreichischen Ärztekammer, noch in den Landesärztekammern ausreichend vertreten", kritisierte Prim. Univ. Doz. Dr. Robert Hawliczek (Ärztekammer). Diese Selbstverständlichkeit werde nun im Zusammenhang mit der notwendigen Änderung des Ärztegesetzes, durch die Abspaltung der Zahnärzte, von der Primarärzteschaft eingefordert. "Eine eigene Kurie der Primarärzte und Universitätsprofessoren würde zu einer längst überfälligen Einbindung der Medizinuniversitäten in die Standespolitik führen und darüber hinaus das demokratiepolitisch ungünstige Übergewicht des spitalsärztlichen Mittelbaus reduzieren", so Hawliczek.

Syré: Implementierung eines Managementsystems im Spital notwendig

"Es gibt viele Möglichkeiten eine medizinische Abteilung oder ein Institut zu leiten, aber nur eine gute", brachte es Prim. Univ. Doz. Dr. Gerhard Syré (AKH-Linz) auf den Punkt. Leiten einer klinischen Abteilung oder eines Institutes bedeute den diagnostischen und therapeutischen Prozess innerhalb einer Abteilung so zu steuern, dass für den Patienten das bestmöglichste Ergebnis erzielt werde und gleichzeitig die personellen und finanziellen Ressourcen ökonomisch eingesetzt würden, so Syré.

Einen einfachen und schnellern Zugang zu dieser für Mediziner meist unbekannten Materie gewinne man, indem die Leitung mit Hilfe professioneller Beratung ein genormtes Managementsystem in der Abteilung implementiere. Ein derartiges Managementsystem erleichtere der Leitung ihre Führungsaufgaben, gebe den Mitarbeitern Sicherheit, weil Zuständigkeiten Leitlinien und klare Arbeitsabläufe festgelegt seien, erleichtere weiters die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen und fördere den kontinuierlichen Verbesserungsprozess, so Syré.

Homepage des Verbandes geht online - Diskussionsplattform für Ärzte

"In Österreich gibt es rund 2.700 Ärzte in leitenden Funktionen. Diese sind zum Teil im gesamtösterreichischen Verband und/oder in den jeweiligen Bundesländerverbänden organisiert", so Waneck, der die Kommunikation des Verbandes deutlich verbessern will. Ein wichtiges Instrument dafür, so Waneck, sei die neue Homepage, die neben Verbesserungen im Servicebereich für Mitglieder auch Informationen für Nichtmitglieder beinhalte.

Ab sofort ist die Homepage unter www.leitendekrankenhausaerzte.at online, freute sich abschließend der Präsident des Verbandes. (Schluss) mg

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