Tumpel: Schule schiebt Verantwortung für Lernerfolg auf Eltern ab

Fast die Hälfte der Eltern muss regelmäßig zu Hause mit den Kindern lernen - ein Problem vor allem an Hauptschulen und berufsbildenden Schulen

Wien (OTS) - Das österreichische Schulsystem macht die Eltern zu unfreiwilligen Nachhilfelehrern, die Schule selbst fördert zu wenig, zeigt eine Befragung für die AK: Fast die Hälfte (44 Prozent) der befragten Eltern muss nach der Schule regelmäßig zu Hause mit den Kindern lernen, ein Fünftel (19 Prozent) muss das zumindest vor Schularbeiten und Prüfungen tun. Am schwersten tun sich damit die Eltern von SchülerInnen an der Hauptschule und an den berufsbildenden Schulen. "Nach dem schlechten Abschneiden Österreichs beim PISA-Schulvergleich ist das ein weiteres Argument für grundlegende Schulreformen", sagt AK Präsident Herbert Tumpel, "wir brauchen ein Schulsystem, das alle Kinder gleich gut fördert, es darf die Verantwortung für den Schulerfolg nicht auf die Eltern abschieben." Der AK Präsident verlangt ein verpflichtendes, gebührenfreies Vorschuljahr, den Ausbau der Förderung in der Schule, ein Recht auf ganztägige Betreuung und die Einleitung von Maßnahmen für eine gemeinsame Schule bis 14.

Die besten Länder im PISA-Schulvergleich punkten mit vorschulischer Förderung, ganztägiger Schule und gemeinsamer Schule mindestens bis zum Alter von 12 - etwa Finnland, die Niederlande oder Belgien. Es gelingt dort auch weitgehend, die Herkunft der SchülerInnen aus unterschiedlichen Elternhäusern auszugleichen. Anders in Österreich: Hier ergibt der PISA-Vergleich eine mittelmäßige Gesamtleistung bei großen Leistunsunterschieden - und die Verantwortung für den Schulerfolg der Kinder und Jugendlichen lastet zu einem Gutteil auf den Eltern selbst, zeigt die AK Befragung:

So oft müssen Eltern mit den Kindern lernen Schulform regelmäßig vor Prüfungen/ selten nie Schularbeiten Volksschule 64% 14% 10% 12% Hauptschule 54% 21% 16% 9% AHS 43% 17% 12% 26% BMHS 27% 13% 9% 50% gesamt 44% 19% 12% 25% (Quelle: Ifes für die AK)

Die Eltern können die Verantwortung für den Erfolg ihrer Kinder nur schwer tragen: Von jenen, die mit den Kindern lernen müssen, kommt jeweils die Hälfte an den berufsbildenden Schulen (47 Prozent) und an den Hauptschulen (42 Prozent) "nicht so gut" oder "oft gar nicht" zurecht - das sind gerade jene Schulen, die am häufigsten von Kindern und Jugendlichen besucht werden, deren Eltern eher wenig verdienen.

"Wir brauchen ein Schulsystem, das alle Kinder gleich gut fördert", sagt AK Präsident Herbert Tumpel, "es darf die Verantwortung für den Schulerfolg nicht auf die Eltern abschieben, die Leistungen der Kinder dürfen nicht davon abhängen, ob die Eltern selbst mit ihnen lernen oder teure Nachhilfe bezahlen können." In der laufenden Schulreform-Debatte verlangt der AK Präsident ein verpflichtendes, gebührenfreies Vorschuljahr, den Ausbau der Förderung in der Schule, ein Recht auf ganztägige Betreuung und die Einleitung von Maßnahmen für eine gemeinsame Schule bis 14. Diese Forderungen werden übrigens laut Befragung für die AK von der Mehrheit der ÖsterreicherInnen unterstützt.

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