• 13.04.2005, 09:33:58
  • /
  • OTS0037 OTW0037

Tumpel: Schule schiebt Verantwortung für Lernerfolg auf Eltern ab

Fast die Hälfte der Eltern muss regelmäßig zu Hause mit den Kindern lernen - ein Problem vor allem an Hauptschulen und berufsbildenden Schulen

Wien (OTS) - Das österreichische Schulsystem macht die Eltern zu
unfreiwilligen Nachhilfelehrern, die Schule selbst fördert zu wenig,
zeigt eine Befragung für die AK: Fast die Hälfte (44 Prozent) der
befragten Eltern muss nach der Schule regelmäßig zu Hause mit den
Kindern lernen, ein Fünftel (19 Prozent) muss das zumindest vor
Schularbeiten und Prüfungen tun. Am schwersten tun sich damit die
Eltern von SchülerInnen an der Hauptschule und an den berufsbildenden
Schulen. "Nach dem schlechten Abschneiden Österreichs beim
PISA-Schulvergleich ist das ein weiteres Argument für grundlegende
Schulreformen", sagt AK Präsident Herbert Tumpel, "wir brauchen ein
Schulsystem, das alle Kinder gleich gut fördert, es darf die
Verantwortung für den Schulerfolg nicht auf die Eltern abschieben."
Der AK Präsident verlangt ein verpflichtendes, gebührenfreies
Vorschuljahr, den Ausbau der Förderung in der Schule, ein Recht auf
ganztägige Betreuung und die Einleitung von Maßnahmen für eine
gemeinsame Schule bis 14.

Die besten Länder im PISA-Schulvergleich punkten mit
vorschulischer Förderung, ganztägiger Schule und gemeinsamer Schule
mindestens bis zum Alter von 12 - etwa Finnland, die Niederlande oder
Belgien. Es gelingt dort auch weitgehend, die Herkunft der
SchülerInnen aus unterschiedlichen Elternhäusern auszugleichen.
Anders in Österreich: Hier ergibt der PISA-Vergleich eine
mittelmäßige Gesamtleistung bei großen Leistunsunterschieden - und
die Verantwortung für den Schulerfolg der Kinder und Jugendlichen
lastet zu einem Gutteil auf den Eltern selbst, zeigt die AK
Befragung:

So oft müssen Eltern mit den Kindern lernen

Schulform   regelmäßig  vor Prüfungen/  selten  nie
                        Schularbeiten

Volksschule   64%         14%             10%   12%
Hauptschule   54%         21%             16%    9%
AHS           43%         17%             12%   26%
BMHS          27%         13%              9%   50%

gesamt        44%         19%             12%   25%

(Quelle: Ifes für die AK)

Die Eltern können die Verantwortung für den Erfolg ihrer Kinder
nur schwer tragen: Von jenen, die mit den Kindern lernen müssen,
kommt jeweils die Hälfte an den berufsbildenden Schulen (47 Prozent)
und an den Hauptschulen (42 Prozent) "nicht so gut" oder "oft gar
nicht" zurecht - das sind gerade jene Schulen, die am häufigsten von
Kindern und Jugendlichen besucht werden, deren Eltern eher wenig
verdienen.

"Wir brauchen ein Schulsystem, das alle Kinder gleich gut
fördert", sagt AK Präsident Herbert Tumpel, "es darf die
Verantwortung für den Schulerfolg nicht auf die Eltern abschieben,
die Leistungen der Kinder dürfen nicht davon abhängen, ob die Eltern
selbst mit ihnen lernen oder teure Nachhilfe bezahlen können." In der
laufenden Schulreform-Debatte verlangt der AK Präsident ein
verpflichtendes, gebührenfreies Vorschuljahr, den Ausbau der
Förderung in der Schule, ein Recht auf ganztägige Betreuung und die
Einleitung von Maßnahmen für eine gemeinsame Schule bis 14. Diese
Forderungen werden übrigens laut Befragung für die AK von der
Mehrheit der ÖsterreicherInnen unterstützt.

Rückfragehinweis:
Peter Mitterhuber
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2347
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel