"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum das BZÖ für Österreich ein politischer Glücksfall ist" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 11.04.2005

Graz (OTS) - Spontan könnte man dazu neigen, das Kürzel BZÖ mit Büro für Zerreißproben Österreichs zu übersetzen. Man läge ziemlich falsch damit.

Bei näherer Betrachtung schälen sich aus dem orange-blauen Trubel deutliche Vorteile für das politische Klima des Landes heraus.

Dass es die FPÖ in ihrer teils Schrecken erregenden Form nicht mehr gibt, mögen viele, wenn auch nicht alle für einen Gewinn halten. Vorarlberg war nur ein leichter Vorgeschmack.

Auch dass Jörg Haider - zumindest wie es jetzt aussieht - vom angeblich herausragenden politischen Talent definitiv ins pathologische Fach wechselte, befriedigt das Triumphbedürfnis des Einzelnen.

Aber es gibt objektivierbar Positives. Das, was sich derzeit als pures Chaos darbietet, ist auch noch etwas anderes: die Ausreizung demokratisch möglicher Regeln bis an ihre letztlich recht klar definierten Grenzen. Praktische Staatsbürgerkunde, politische Weiterbildung, wenn man so will.

Weiters gibt es eine neue Partei. Das ist an sich nie schlecht. Selbst wenn sie von einem ungeläuterten Populisten geführt wird. Man kennt ihn nun ja, hat die Wahl und die wird vermutlich keine Qual sein.

Der wesentlichste Vorteil der neuen Konstellation ist aber, dass sich in Leuten wie Andreas Mölzer, Ewald Stadler, Heinz-Christian Strache u.ä. das so genannte rechte, nationale Lager endlich übersichtlich deklariert. Es wird sich bei einstelligem Prozentanteil einpendeln. Das ist europäischer Standard.

Es beendet die Zeit des unter Jörg Haider ideologisch diffusen Konglomerats FPÖ, das außerhalb Österreichs stets als rechte Bande wahrgenommen wurde und dessen 27 Prozent Wählerstimmen Österreichs Ruf als Hort alter und neuer Nazi-Sympathisanten nährte. Dieses Phänomen ist vorbei. Kurioserweise nicht seiner Gegner, sondern seiner Schöpfer wegen.

Haider, derzeit auf radikaler Kreidediät, wird es sehr schwer haben, sein BZÖ überhaupt ins Parlament zu bringen. Erstens dämmert manchem, dass der Mann ein permanenter Ausnahmezustand ist und dass morgen nicht mehr gelten mag, was heute sicher scheint. Doch soll er nun eineinhalb Jahre stillhalten, um Wolfgang Schüssels Beharrungsvermögen Sinn zu geben.

Das ist unwahrscheinlich: "Sein natürliches Biotop ist der Konflikt", hat die einstige Weggefährtin Heide Schmidt einmal über Haider gesagt. Er selbst hat das immer und immer wieder bestätigt. Und nichts deutet darauf hin, dass er außerhalb dieses Biotops überleben könnte. Aber innerhalb wohl auch nicht mehr lange. ****

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