"Kleine Zeitung" Kommentar: "Fürst Rainier hinterließ seinem Sohn Albert ein schweres Erbe" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 07.04.2005

Graz (OTS) - Eigentlich wollte Louis Grimaldi, der spätere Rainier III., ein Held der Zirkus-Arena werden. Stattdessen wurde er Fürst und herrschte mehr als ein halbes Jahrhundert über die kleinste Monarchie der Welt. In den 55 Jahren seiner Regentschaft machte Rainier aus dem belächelten Zwergstaat Monaco einen Finanzplatz und einen Treffpunkt für Reiche und Schöne aus aller Welt.

Jetzt steht sein Sohn Albert vor der schwierigen Aufgabe, den Mini-Staat in Zeiten des globalen Standort-Wettbewerbs und unsicherer Tourismus-Prognosen finanziell über die Runden zu bringen. Denn so paradox es klingen mag: Die Bürger Monacos sind reich, doch die Finanzmittel der öffentlichen Hand wurden knapp. Im Vorjahr stand der Staatshaushalt mit 60 Millionen Euro im Minus - nicht wenig für ein Land mit bloß 32.000 Einwohnern.

Der verstorbene Fürst hat Unsummen in die Verbesserung der Infrastruktur investiert. Monacos unterirdischer Bahnhof, der 1999 eröffnet wurde, zählt zu den modernsten Europas. Das "Grimaldi-Forum", 2000 eingeweiht, ist ein hypermodernes Kongress-und Kultur-Zentrum. Und der schwimmende Kai im Hafen, an dem jetzt auch große Schiffe anlegen können, verschlang ebenfalls gewaltige Summen.

Mit diesen Maßnahmen will das Fürstentum den Tourismus ankurbeln, der in den letzten Jahren rückläufig war. Motto: Besser weniger exklusive, dafür mehr ausgabewillige Touristen. Kenner der monegassischen Szene vermuten, dass Albert versuchen wird, den Kurs seines Vaters fortzusetzen, der nach mehr Unabhängigkeit von Frankreich strebte. Aber auch Albert wird einen hohen französischen Beamten zum Staatsminister ernennen müssen und auch in Zukunft wird ein gutes Drittel der Mehrwertsteuer-Einnahmen Monacos aus der französischen Staatskasse kommen, weil viele der 30.000 Franzosen, die täglich zum Arbeiten einpendeln, ihr Geld nicht in den monegassischen Luxus-Boutiquen, sondern im billigeren Frankreich ausgeben.

Monaco ist ein staatspolitischer Anachronismus: eine Ansammlung von -überwiegend hässlichen - Hochhäusern an einer der schönsten Küsten der Welt, die von einem beinahe absolut herrschenden Fürsten regiert wird. Als Staat, der kaum größer als eine Kleinstadt ist, kann dieses Kuriosum mit seinem operettenhaften Glamour mittelfristig nur überleben, wenn die Reichen dort nicht nur wohnen, sondern auch investieren. Fürst Albert wird es nicht leicht haben, das Erbe seines Vaters zu bewahren.****

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