VORMERKSYSTEM: ÖSTERREICHER TAPPEN NOCH IM DUNKELN

Umfrage des KfV zeigt: Nur die wenigsten wissen, wann das Vormerksystem in Kraft tritt und welche Delikte im Katalog enthalten sind

Wien (OTS) - Am 1. Juli 2005 tritt mit dem Vormerksystem eine der weitreichendsten Neuerungen der österreichischen Verkehrspolitik in Kraft - nur wissen Herr und Frau Österreicher herzlich wenig darüber Bescheid. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) hat Führerscheinbesitzer ab 18 Jahren zum Thema Vormerksystem befragt und musste feststellen, dass noch enormer Informationsbedarf besteht.

Das wissen die Österreicher

Die gute Nachricht: Zumindest wussten 63 Prozent der Befragten, dass es das Vormerksystem geben wird. "Noch wichtiger ist aber, dass die Österreicher die Delikte kennen, die zu einer Vormerkung führen. Gerade da zeigen sich erschreckende Lücken", berichtet Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Es fängt damit an, dass 64 Prozent nicht den Unterschied zwischen einem Entzugs- und Vormerkdelikt kannten. Anschließend wurden die Befragten gebeten, drei der insgesamt 13 Vormerkdelikte zu nennen: 52 Prozent kannten keines der Delikte, 11 Prozent konnten sich an ein Delikt, 15 Prozent an zwei Delikte erinnern, 16 Prozent konnten über drei Delikte Auskunft geben und mit fünf Delikten konnte gerade einmal eine Person auftrumpfen. Was passiert, wenn zwei Vormerkdelikte gleichzeitig begangen werden, ist an 98 Prozent der Testpersonen spurlos vorüber gegangen, 80 Prozent hatten keine Ahnung, was nach der zweiten Vormerkung geschieht. "Das Vormerksystem scheint den meisten auch zeitlich noch viel zu weit weg zu sein. Obwohl es in weniger als drei Monaten startet, konnten 93 Prozent nicht einmal den Zeitpunkt der Einführung nennen", weiß Thann.

Erfreulich war, dass sich bei der Umfrage die 18- bis 24-Jährigen als tendenziell besser informiert zeigten. Große Wissenslücken gab es hingegen in der Altersgruppe von 25 bis 45 Jahren.

Das eigentliche Entzugsdelikt "Raserei" wurde von rund 30 Prozent der Befragten fälschlicherweise ebenfalls in den Katalog des Vormerksystems eingereiht. "Daran merken wir, dass den Österreichern durchaus bewusst ist, was das Hauptproblem und die Hauptunfallursache auf unseren Straßen ist", meint Thann.

Und so funktioniert das Vormerksystem

Das Vormerksystem, dessen Ziel die Erfassung von Mehrfachtätern und Hochrisikolenkern ist, tritt am 1. Juli 2005 in Kraft. Jene Delikte, die schon bisher den Entzug der Lenkberechtigung zur Folge hatten (Alkoholisierung ab 0,8 Promille, Geschwindigkeitsübertretungen), bleiben vom Vormerksystem unberührt. Ein neues Entzugsdelikt ist aber dazugekommen: Wer weniger als 0,2 Sekunden Sicherheitsabstand hält (das entspricht bei 130 km/h einer Distanz von etwa 7,2 Metern), muss den Führerschein ebenfalls sofort abgeben.

Wird eines der 13 Vormerkdelikte begangen, gibt es beim ersten Mal eine Vormerkung im Führerschein-Register. Kommt es innerhalb von zwei Jahren zu einem weiteren Delikt, muss der betroffene Lenker an einer besonderen Maßnahme teilnehmen (z.B. Nachschulung, Fahrsicherheitstraining). Diese Maßnahmen sind von der Behörde auch dann anzuordnen, wenn gleichzeitig mehrere Vormerkdelikte begangen werden. Bei der dritten Übertretung innerhalb von zwei Jahren wird die Lenkberechtigung für mindestens drei Monate entzogen. Vormerkungen werden nach zwei deliktfreien Jahren gelöscht.

Die 13 Vormerkdelikte

  • Übertretung der 0,1 Promille-Obergrenze bei C-Lenkern (Lkw)
  • Übertretung der 0,1 Promille-Obergrenze bei D-Lenkern (Bus)
  • Übertretung der 0,5 Promille-Obergrenze (alle Lenker)
  • Gefährdung von Fußgängern am Schutzweg
  • Nichtbeachtung des Zeichens "Halt" bei Behinderung anderer Fahrzeuglenker
  • Nichtbeachtung des Rotlichts bei Behinderung anderer Fahrzeuglenker
  • Befahren des Pannenstreifens und dadurch Behinderung von Einsatzfahrzeugen
  • Missachtung des Fahrverbots für Kfz mit gefährlichen Gütern in Tunnelanlagen
  • Übertretung der Verordnung bzgl. Beförderungseinheiten mit gefährlichen Gütern beim Befahren von Autobahntunneln
  • Nichtbeachtung des Rotlichts bei Bahnübergängen und Umfahren der bereits geschlossenen Schranken
  • Lenken eines Fahrzeuges, dessen technischer Zustand oder nicht gesicherte Beladung eine Gefährdung der Verkehrssicherheit darstellt
  • Nichtbeachtung der Vorschriften über die Kindersicherung
  • Halten eines unzureichenden Sicherheitsabstandes von 0,2-0,4 Sekunden

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
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