Wiener Landtag (1)

Begrüßungsrede des 1. Präsidenten des Wiener Landtages Johann Hatzl

Wien (OTS) - Zur feierlichen Landtagssitzung anlässlich des Gedenkens an die Befreiung Wiens vor dem Faschismus vor 60 Jahren und anlässlich 60 Jahre Zweite Republik kamen zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens, des Klerus und der Politik. An der Spitze der Festgäste stand Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.

Der 1. Präsident des Wiener Landtages, Johann Hatzl, erinnerte in seiner Begrüßungsrede an die schrecklichen Tage vor 60 Jahren und erinnerte u.a. an die beiden letzten großen Naziterrorakte in Wien. Die Erschießung von fast 400 Häftlingen im Zuchthaus Stein sowie der Erschießung von 70 politischen Häftlingen aus dem Wiener Landesgericht und die Erschießung von neun Mitbürgern in Wien, die im 2. Bezirk alle Schrecknisse seit Jahren überlebt hatten. Hatzl nannte den 15. April als Termin der Wiedererrichtung des politischen Lebens im befreiten Wien, in der es an diesem Tag auch die erste Zeitung gab. "Parteien gründeten sich und die demokratische Stadtverwaltung mit 21. Bürgermeistern - es galten die Stadtgrenzen von 1937 -bildete sich. Die Aufbauarbeiten und das öffentliche Leben in Schwung zu bringen war der Beginn des großen Wiederaufbaus", sagte Hatzl.

Anschließend zog er auszugsweise eine Schreckensbilanz der siebenjährigen NS-Herrschaft. Hatzl weiter: "Heute sind wir stolz auf den Aufstieg Wiens, unseres Bundeslandes, unserer Republik". Dies sei aber ohne Zusammenwirken der politischen Parteien und der großen Interessensvertretungen nicht möglich geworden, ergänzte er. Er bedankte sich bei jenen Frauen und Männern, die die ersten Aufbauleistungen und in weiterer Folge die Weiterentwicklung und Neugestaltung Wiens im wahrsten Sinne des Wortes mit eigener Kraft geleistet hätten.

Es gebe aber noch eine ganze Menge offener Bereiche, "wo wir es entweder nicht wahrhaben wollen, dies aufzuarbeiten, oder noch nicht mutig genug sind, was schlecht ist. Dies sollten wir ändern". Zur wahren Geschichte gehöre auch die Kraft zur Ehrlichkeit, an der wir gemessen würden. Es gebe nicht nur ein Österreich, das wir als Opfer darstellten, sondern auch ein Österreich, in der es viele überzeugte Täter gegeben habe. Dies zu verschweigen oder zu verniedlichen wäre unwürdig. Faschismus zu verhindern heiße korrekter Umgang mit der Geschichte und den Tatsachen, betonte der 1. Präsident des Wiener Landtages. Er schloss mit der Forderung: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, nie wieder totalitäre Systeme, alles für Freiheit und Demokratie, für unsere Wienerinnen und Wiener, für unsere kommenden Generationen. (Forts.) hl/rr

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