OeNB - Wertpapierveranlagungen rückten 2004 wieder stärker ins Blickfeld der privaten Haushalte

Finanzvermögen und Verpflichtungen der privaten Haushalte und Unternehmen in der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung

Wien (OTS) - Österreichische Haushalte veranlagten im vierten Quartal 2004 4,4 Mrd EUR in neue Finanzmittel, wodurch die Geldvermögensbildung im gesamten Jahr 2004 auf 16,8 Mrd EUR anstieg. Gegenüber den Finanzinvestitionen 2003 bedeutet dies einen Zuwachs von 15%. Das Geldvermögen stieg durch Veranlagungen und Kursgewinne zum Jahresende auf fast 330 Mrd EUR (+6,7%). Gleichzeitig war die Verschuldungsbereitschaft der privaten Haushalte auch im vierten Quartal 2004 mit einer Neuverschuldung von 1,6 Mrd EUR anhaltend hoch. Der Verpflichtungsaufbau im gesamten Jahr 2004 lag mit 7,3 Mrd EUR um mehr als 40% höher als 2003 und führte zu einem Schuldenstand von 118 Mrd EUR (+7,8%). Die inländischen Unternehmen nahmen an neuem Kapital im vierten Quartal 2004 4,4 Mrd EUR und damit im Gesamtjahr 11 Mrd EUR auf. Die Verpflichtungsposition zum Jahresende stieg auf 315 Mrd EUR; ein Zuwachs gegenüber Ende 2003 von 5,4%.

Die privaten Haushalte (einschließlich der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck) veranlagten im vierten Quartal 2004 4,4 Mrd EUR in neue Finanzmittel (4. Quartal 2003: 4,3 Mrd EUR). Wie auch schon in den vergangenen drei Jahren zu beobachten war, trug das Veranlagungsverhalten der Privatpersonen im vierten Quartal (nicht zuletzt durch Einzahlungen zum Weltspartag) wesentlich zum Jahresergebnis bei. Nach vorläufiger Rechnung betrug die Geldvermögensbildung des Haushaltssektors im Jahr 2004 16,8 Mrd EUR, fast 15% mehr als im Jahr 2003 (14,6 Mrd EUR).

Die Neuveranlagungen im vierten Quartal 2004 wurden vor allem durch kurzfristige Dispositionen in Form von Bargeld und Einlagen in Höhe von 3,1 Mrd EUR getragen. Einen wesentlichen Beitrag zur Geldkapitalbildung der privaten Haushalte leisteten auch die gestiegenen Ansprüche gegenüber Versicherungen und privaten Pensionsvorsorgeeinrichtungen. Im vierten Quartal 2004 stiegen diese langfristigen Veranlagungen um 1,1 Mrd EUR und machten damit ein Viertel der gesamten Geldvermögensbildung in diesem Quartal aus. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war, wie in den vergangenen Quartalen, der Zuwachs der Ansprüche aus Lebensversicherungen, die sich um 900 Mio EUR erhöhten.

Die Nachfrage nach Investmentzertifikaten war auch in der aktuellen Beobachtungsperiode sehr groß. So erwarben Österreicher in der aktuellen Beobachtungsperiode um 520 Mio EUR Investmentzertifikate. Der Gesamterwerb im Jahr 2004 stieg auf 2,9 Mrd EUR an (2003: 900 Mio EUR). Das Interesse galt dabei mit Käufen in Höhe von 2,8 Mrd EUR vor allem inländischen Fonds. Diese waren damit nicht unwesentlich für den verstärkten Absatz von in Publikumsfonds enthaltenen Zertifikaten verantwortlich. Die Österreicher dürften damit nach den negativen Kursbewegungen auf den Kapitalmärkten in den vergangenen Jahren im Jahr 2004 wieder ihr Interesse an Wertpapieren entdeckt haben. Die im gesamten Euroraum feststellbare Normalisierung des Veranlagungsverhaltens spiegelt sich auch in den Finanzinvestitionen der Österreicher wider. Der Nettoerwerb handelbarer Aktien, Anleihen und Investmentzertifikate erreichte im gesamten Jahr 2004 32% der Geldvermögensbildung. In den beiden Jahren davor hatte der Anteil jeweils weniger als 20% betragen. Gleichzeitig machten die Erhöhungen bei Bargeld und Einlagen im Jahr 2004 nur 35% aus, während ihr Anteil in den Jahren 2002 und 2003 jeweils 55% erreicht hatte.

Das Finanzvermögen des privaten Haushaltssektors betrug zum Jahresende 2004 329,4 Mrd EUR und damit 140% des BIP. Der Zuwachs gegenüber dem Jahresultimo 2003 betrug 6,7%. Die Neubewertung des Portfoliobesitzes aus handelbaren Wertpapieren (22% des Geldvermögens) führte 2004 zu einer kräftigen Erhöhung des Marktwertes dieser Wertpapiere auf 73,2 Mrd EUR. Insbesondere der Kursanstieg der im inländischen Privatbesitz befindlichen inländischen Aktien und Investmentzertifikate erhöhte das Geldvermögen um 3,5 Mrd EUR.

Die Verschuldungsbereitschaft der privaten Haushalte war, wie im zweiten und dritten Quartal 2004, auch im letzten Quartal mit einer Schuldenaufnahme in Höhe von 1,7 Mrd EUR deutlich höher als im Vergleichsquartal des Jahres 2003. Der Verpflichtungsaufbau erreichte im Gesamtjahr 2004 7,3 Mrd EUR und war um mehr als 40% höher als im Jahr 2003. Die Neuverschuldung im vierten Quartal 2004 resultierte, wie in den ersten drei Quartalen des Jahres, mit 1,2 Mrd EUR zum überwiegenden Teil aus der Finanzierung von Wohnraumbeschaffung. Dabei finanzierten sich die Österreicher weiterhin zu einem hohen Anteil in Schweizer Franken. Die gesamte Neuverschuldung in Fremdwährung betrug im vierten Quartal 2004 820 Mio EUR; im Gesamtjahr 2004 3,6 Mrd EUR. Neben den Wohnbaukrediten in Höhe von 4,9 Mrd EUR verschuldeten sich die Österreicher 2004 auch wieder für Konsumzwecke in Höhe von 1,1 Mrd EUR. Ein Jahr davor gingen die Konsumkredite in gleicher Höhe zurück. Währen die Konsumausgaben im Jahr 2003 nominell nur um 2,1% angestiegen waren, wuchsen sie 2004 um 3,5%. Die Neuverschuldung erhöhte den Verpflichtungsstand zum Jahresultimo 2004 auf 118,1 Mrd EUR. Die Schulden wuchsen gegenüber dem Jahresultimo 2003 um 7,8%.

Der Finanzierungsbedarf der inländischen Unternehmen wuchs konjunkturbedingt im vierten Quartal 2004 weiter an und konnte nur teilweise durch die eigene Ersparnisbildung abgedeckt werden. Die Kapitalaufnahme betrug im vierten Quartal 2004 4,4 Mrd EUR. Die Unternehmen finanzierten sich durch langfristige Kredite in Höhe von 2,5 Mrd EUR (davon mehr als 90% bei inländischen Banken). Einzelne nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, insbesondere aus dem Infrastrukturbereich, emittierten Anleihen in Höhe von netto 2,2 Mrd EUR, von denen 1,9 Mrd EUR ins Ausland abgesetzt wurden. Auf dem Aktienmarkt wurden vor allem Anteile der ÖIAG an der Telekom verkauft (1,1 Mrd EUR) sowie weiteres Kapital der OMV platziert (660 Mio EUR). Die Käufer waren in beiden Fällen vorwiegend ausländische Investoren. Das Finanzierungsvolumen der nichtfinanziellen Unternehmen stieg seit Jahresanfang kontinuierlich an und erreichte im Gesamtjahr 2004 einen Wert von 11 Mrd EUR, wovon weniger als 40% auf Kredite und knapp 60% auf Wertpapieremissionen sowie Platzierungen von Anteilsrechten entfielen. Der Verpflichtungsstand der Unternehmen erreichte zum Jahresende 2004 einen Wert von 315,3 Mrd EUR; das bedeutet einen Anstieg gegenüber dem Jahresultimo 2003 von 5,4%.

Die aktuellen Zahlen sind sowohl im Internet unter www.oenb.at / Statistik und Meldeservice / Statistische Daten / Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung als auch im aktuellen Heft von STATISTIKEN-Daten & Analysen Q2/05, Tabellen 8.2 und 8.3 verfügbar.

Weitere statistische Informationen unter
www.oenb.at (Bereich "Statistik und Melderservice") dieaktuellezahl.oenb.at

Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +43-1-40420-6666

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Statistik Hotline
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 5555
Statistik.hotline@oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB0001