Morgen, vor 60 Jahren: 7. April 1945

Wien (OTS) - Im Gedenken an die Geschehnisse der letzten Tage des Zweiten Weltkrieges, vom erstmaligen Betreten Wiener Bodens durch sowjetische Truppen am 6. April bis zur Ausrufung der Zweiten Republik am 29. April im Roten Salon des Wiener Rathaus, erinnert bis 29.4. die rathaus korrespondenz täglich an die wichtigen Vorkommnisse jener Tage. Die chronologische Textsammlung ist unter der "rathaus korrespondenz im Rückblick" abrufbar(
http://www.wien.gv.at/ma53/45jahre/ ).

Auf persönlichen Befehl Hitlers treffen in Wien die Panzerdivision "Führer" und als neuer Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd Generaloberst Lothar Rendulic ein. - Zum letzten Mal erscheinen die letzten noch bestehenden Wiener Nazi-Zeitungen, "Völkischer Beobachter" und "Kleine Wiener Kriegszeitung". Sie melden: "Wien im harten Abwehrkampf. Preßburg gefallen". - Sie melden nicht, dass die Rote Armee in breiter Front die March überschritten hat und nun auch von Osten gegen Wien vorrückt. - Im Wiener Landesgericht werden einige politische Häftlinge, entgegen dem Befehl der vorgesetzten Stellen, freigelassen, unter ihnen Paul Hörbiger, die Dichterin Paula v. Preradovic und ihr Mann, der Journalist Ernst Molden. 70 andere Häftlinge werden, zum Teil mit Ketten gefesselt, in einem grauenhaften Fußmarsch ins Zuchthaus Stein getrieben. Dort ist genug Platz: 386 Häftlinge waren am Vortag von einer Wehrmachtseinheit ermordet worden. Die siebzig Häftlinge aus Wien erleiden am 15. April das gleiche Schicksal. - Die Gasversorgung ist aus Sicherheitsgründen eingestellt, der Großteil Wiens ist ohne Strom, vielfach ist auch die Wasserversorgung unterbrochen. Die Straßenbahn wird eingestellt. In einigen Bezirken funktioniert noch das Telefon. Der Postbetrieb ist eingestellt. - Die Wiener Feuerwehr erhält den Befehl, Wien zu verlassen. 3.800 Männer mit 627 Fahrzeugen verließen die Stadt über die Reichsbrücke. Sie kamen während des Rückzuges über das Waldviertel bis Oberösterreich und erst im Verlauf des Sommers 1945 gruppenweise nach Wien zurück. In Wien verblieben nur wenige Männer, die sich dem Abmarschbefehl entziehen konnten, mit einigen veralteten und nur bedingt einsetzbaren Geräten. Gleichzeitig flammten überall in der Stadt Brände auf, vor allem beiderseits des Gürtels und im Bereich der Ringstraße. Die Bevölkerung war bei der Bekämpfung der Brände im wesentlichen allein, ohne Feuerwehr. - An verschiedenen Stellen, zum Beispiel bei der Spinnerin am Kreuz und beim Sandleitenhof, haben Wienerinnen und Wiener die deutschen Soldaten dazu überredet, den Kampf aufzugeben und die Barrikaden wegzuräumen. Sie haben ihnen die Waffen abgenommen und sie mit Zivilkleidung versorgt. Genaue Angaben darüber gibt es natürlich nicht, doch sprechen Zeitzeugen davon, dass es allein in Ottakring mindestens 500, vielleicht sogar 3.000 Männer waren, die auf diese Weise aus dem Krieg gerettet wurden. (Schluss) red

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