Supernannys sind rar

Erziehungs-Beratung kann Auswege zeigen - die MAG ELF hilft

Wien (OTS) - Supernannys boomen. Ob Fernsehshows oder Beratungssendungen - die Erziehungs-ExpertInnen feiern Quotenerfolge. Ein Zeichen dafür, dass das Thema Erziehung viele betrifft und interessiert - ob Eltern, Großeltern, aber auch Kinder. Kindererziehung geht fast jeden etwas an und kann in manchen Situationen eine ordentliche Herausforderung sein. Die "guten Feen", die rasch jede verfahrene Situation zum Wohlgefallen aller auflösen, sind im Alltag rar. Und "Rezepte" für "brave Kinder" gibt es nicht.

ExpertInnen wissen, dass das Verhalten der Kinder oft ihre Stimmungslage und seelische Befindlichkeit, Sorgen und Nöte zum Ausdruck bringt. Hinter zornigem, bockigen und verweigerndem Verhalten können auch Angst, Überforderung, Irritation und Verzweiflung stehen. Kaum jemand hat gelernt mit solchen Situationen um zu gehen - weder in der Schule noch im weiteren Ausbildungsweg. Da kann es schon passieren, dass gestresste Eltern immer wieder den Blick für naheliegende Lösungen verlieren und an sich selbst und dem Sprössling verzweifeln, weil sich in kurzer Zeit keine positive Veränderung einstellt.

Der Weg zu einer Lösung von Schwierigkeiten und Problemen ist aber meist sehr schwierig und aufwändig. Ein richtiger Tipp zum rechten Zeitpunkt entschärft vielleicht die Situation im Moment. Tritt das schwierige Verhalten des Kindes aber häufig und intensiv auf, sollten Eltern mehr Zeit investieren, um Verständnis für das Verhalten des Kindes und die Ursachen des Problems zu entwickeln. "Als Mutter von vier Kindern weiß ich aus eigener Erfahrung, dass es nicht immer einfach ist mit solchen Situationen umzugehen", erzählt Vizebürgermeisterin Grete Laska. "Manchmal kann ein Gespräch oder der Austausch mit Eltern, die ähnliche Probleme haben, helfen. Auch die PsychologInnen und SozialarbeiterInnen der MAG ELF können mit unterschiedlichsten Angeboten unterstützen und weiterhelfen."

Die Angebote der MAG ELF

Die ExpertInnen suchen gemeinsam mit der Familie nach individuellen Lösungswegen und begleiten die Erprobungsphase. Hier gibt es sowohl die Möglichkeit, sich persönlich, telefonisch oder online beraten zu lassen. Das MAG ELF-Servicetelefon 4000/8011 gibt gestressten Müttern und Vätern, aber auch Menschen die sich über alle möglichen "Familienfragen" informieren wollen, erste beratende Hilfestellung.

o http://www.stressmitkindern.at/: Hier können sich Mütter & Väter informieren wie und wo sie Unterstützung im Erziehungsstress bekommen können.

o Vertrauliche E-Mail-Beratung bietet die "Stressbox" unter
http://www.wien.gv.at/magelf/stresskind/stressbox.htm
o http://www.wien.gv.at/magelf/kinder/tipps.htm : Hier finden

Eltern zahlreiche Themenblätter mit Erziehungstipps für stressige Entwicklungsphasen und knifflige

Erziehungssituationen, vom Babyalter an bis zur Pubertät.
o http://www.wien.gv.at/magelf/kinder/ohngewal.htm : Die MAG ELF

unterstützt Mütter und Väter dabei, auch in schwierigen Erziehungssituationen Wege zu finden, ohne Gewalt zu erziehen

und auch auf die gar nicht "g'sunde Watschn" zu verzichten.
o http://www.stressmiteltern.at/ : Für Kids & Teens gibts die

online- Seiten "4UOnly" mit der "Talkbox", das ist die ganz vertrauliche psychologische E-Mail- Beratung für Kinder &

Jugendliche.
o Persönliche Beratung gibt es bei den SozialarbeiterInnen der

Regionalstellen Soziale Arbeit mit Familien: http://www.wien.gv.at/magelf/service/sozarb.htm und bei den Kinder- und JugendpsychologInnen der MAG ELF: http://www.wien.gv.at/magelf/kinder/angebot.htm

Eltern sollten sich bewusst sein, dass sie Vorbilder sind

"Kinder brauchen Regeln", so Dr. Felix Steiner, Psychologe der MAG ELF. Nicht zu viele, aber die sollten zwischen Eltern und Kindern ausverhandelt und dann auch konsequent eingehalten werden. Wenn Kinder fünf Mal etwas Unerwünschtes tun und Eltern erst beim sechsten Mal mit Geboten oder Verboten reagieren, sind Kinder irritiert und kennen sich nicht aus. Klarheit ist wichtig, Unklarheit macht Kinder oft zu "Nervensägen". Andrerseits können Kinder mit zu vielen Verboten überfordert werden. Man sollte sich bei Verboten auf das wirklich Wichtige konzentrieren. Vielfach mangelt es an Ideen bei Erziehungsfragen. Gerade jüngere Kinder brauchen geordnete Tagesabläufe, an denen sie sich orientieren können, beispielsweise Schlafengehen um 19 Uhr. Dabei ist es durchaus in Ordnung, wenn man auch hin und wieder verhandlungsbereit ist, kleine Kompromisse eingeht und noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest. Eltern sollten sich bewusst sein, dass sie in vielen Situationen Vorbild für Ihre Kinder sind. Was dabei ganz wichtig ist: Regeln, die Erwachsene aufstellen, sollten sie auch selbst einhalten, um glaubwürdig zu bleiben. "Das Allerwichtigste ist jedoch, für die Anliegen der Kinder Zeit zu haben, Stress aus dem Alltag zu nehmen und zuzuhören. "Kinder einfach erzählen zu lassen, kann viel bringen und manchmal sogar interessante Wege in der Erziehung weisen", so Andrea Blei, Sozialarbeiterin vom MAG ELF- Servicetelefon.

Die "G’sunde Watschn" ist nicht gesund

Das Vorurteil, dass eine kleine Ohrfeige noch niemandem geschadet hätte, hält sich beharrlich. Manche Eltern fühlen sich in Erziehungssituationen überfordert und "ihnen rutscht die Hand aus". Oft muss dann die eigene Erfahrung - "meine Eltern haben mich auch geschlagen und mir hat es nicht geschadet" - als Rechtfertigung für das eigene Versagen in der Kindererziehung dienen. Das Ergebnis, dass endlose Debatten mit dem Kind dann "schlagartig" aufhören oder das Kind die erwünschte Ruhe gibt, wird fälschlicherweise als Erfolg gewertet. "Unabhängig davon, ob es aus Überforderung passiert oder um Grenzen aufzuzeigen, es gibt keine gesunde Watschen, und sie schadet sehr wohl", betont Brigitte Zinner, Chefsozialarbeiterin der MAG ELF. Ohrfeigen oder Schläge sind immer demütigend und der Stärkere nutzt dieses Ungleichgewicht aus. Aber was steckt tatsächlich hinter diesem vermeintlichen "Erziehungserfolg"? Je nach Familiensituation, Lebensalter bzw. Entwicklungsphase fühlt das geschlagene Kind Demütigung, Kränkung, Verständnislosigkeit, Ohnmacht, Ungerechtigkeit, Wut, Hass, Angst oder Revanchegelüste. Wer sich an die Ohrfeigen oder gar Prügel in seiner Kindheit erinnert, kann diese "Liste " noch beliebig erweitern. Was statt der gewünschten Einsicht passiert: Die Kinder arrangieren sich irgendwie mit der Erwachsenengewalt, verlieren das Vertrauen in die Eltern, das Selbstwertgefühl sinkt, sie sind vom "Vorbild" Mutter/Vater enttäuscht, verhalten sich anderen gegenüber unfair oder aggressiv, können keine "Streitkultur" entwickeln und werden unfähig, Konflikte in sozial gerechter Form zu lösen.

Gesetzliche Vorgaben zum Schutz des Kindes:

Familie und Kindererziehung ist für viele reine Privatsache. Das ist ein Irrtum. Denn es gibt gesetzliche Vorgaben zum Schutz des Kindes. Das Gesetz lässt zwar grundsätzlich offen, wie Eltern ihre Kinder erziehen, jegliche repressive Erziehungsmaßnahme und Strafen wie Ohrfeigen und Schläge sind aber verboten. Es wird vorausgesetzt, dass die Grenzen, die jedes Kind braucht, vernünftig, individuell abgestimmt und ohne Gewalt gesetzt werden.

Es gibt im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch eine Reihe von familienrechtlichen Rahmenbestimmungen zwischen Eheleuten bzw. Eltern und ihren Kindern. 1976/77 wurde das aus 1811 stammende Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch reformiert. Das Herzstück war die Familienrechtsreform. Damit wurde die Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe verankert. Anstelle der bis dahin geltenden "väterlichen Gewalt" traten die gleichen Rechte und Pflichten beider Elternteile. Aber erst mit der Neuordnung des Kindschaftsrechtes im Jahr 1989, Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch § 146 a wurde der Einsatz von Gewalt und damit auch die "Watschn" in der Kindererziehung verboten: "Das minderjährige Kind hat die Anordnungen der Eltern zu befolgen. Die Eltern haben bei ihren Anordnungen und deren Durchsetzung auf Alter, Entwicklung und Persönlichkeit des Kindes Bedacht zu nehmen; die Anwendung von Gewalt und die Zufügung körperlichen oder seelischen Leidens sind unzulässig."

Weitere Informationen:

o http://www.kinder.wien.at/
o http://www.wien.gv.at/magelf/kinder/watschn.htm
o MAG ELF-Servicetelefon 4000/8011

(Schluss) spe

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Monika Sperber
Tel.: 4000/81 848
Handy: 0664/ 150 72 53
spe@gjs.magwien.gv.at

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