DER STANDARD-Kommentar "Der gebündelte Jörg" von Michael Völker

Ausgabe vom 5.4.2005

Wien (OTS) - Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Jörg Haider bastelt eine Partei. Oder eben ein Bündnis. Für die Zukunft Österreichs. Oder seine eigene. Hauptsache, er selbst steht wieder ganz vorn, und Hauptsache, er braucht sich dabei keiner Abstimmung zu stellen. Mitmachen dürfen nur die Braven, die Schlimmen müssen draußen bleiben.

Die Schlimmen, das sind diejenigen, die Demokratie wörtlich nehmen, die glauben, dass man auch in einer Partei den Mund aufmachen und Kritik üben kann, auch an der Führung. Naiv.

Dem schönen, neuen Bündnis darf nur beitreten, wer sich unterordnet. Wer Jörg Haider toll findet und als Chef anerkennt, egal in welcher formalen Funktion er sich gerade befinden mag. Bündnisvorsitzender, Ehrenpräsident, Altparteiobmann oder neuer Chef, egal - Jörg Haider ist Jörg Haider, das muss für das Unterwerfungsritual reichen.

Das werden viele Freiheitliche zwar nicht so toll finden, werden sich aber dennoch unterordnen und beitreten, wenn sie überhaupt noch in der Politik bleiben wollen. Denn die Alternative dazu wäre, das Leben weiter im Lager der übrig gebliebenen Alt-FPÖler zu fristen; und das sind ganz eindeutig die Loser. Noch mehr als die Neu-FPÖler, die Bündnispartner.

Das Kriterium "jung, fesch, lässig" wird zwar nicht jeder erfüllen können, aber auch egal - schließlich legt hier die Bündnisführung schon bei sich selbst weite Maßstäbe an. Und diese Führung setzt ein Komitee ein, das dann entscheidet, wer mitmachen darf. So streng wird’s schon nicht werden.

Ob das die Wähler goutieren werden? Wohl kaum. Ob Bündnis, Plattform oder Partei, der Inhalt bleibt derselbe, überall ist Haider drin. Diesmal eben gebündelt. Was daran für die Wähler noch attraktiv sein soll, ist ein Rätsel.

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