Bondy: "Vertragsverhandlungen auf dem besten Weg"

Festwochen-Chef will Etaterhöhung - Regiepläne für Wien - Kritik an Peymann-Praktikum für ehemaligen RAF-Terroristen

Wien (OTS) - Die Verhandlungen des Festwochenintendanten Luc Bondy mit der Stadt Wien über die Vertragsverlängerung bis 2010 sind "auf dem besten Weg". Das erklärt Bondy in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe. Für ihn führe Anwalt Dr. Daniel Charim die Vertragsgespräche. "Ich war zwar überrascht, dass der Kulturstadtrat ohne mein Wissen mit anderen über meine Nachfolge verhandelt hat. Aber das betrachte ich als eingerenkt. Ich werde in diesem Frühjahr während der Festwochen für unser Publikum besonders anwesend und ansprechbar sein."

Laut Bondy spreche man noch über Geld, "aber nicht für mich persönlich. Ich möchte auch keine höhere Subvention, sondern eine Art Ersatz für die jahrelange Nichterhöhung und die ungeheuer hohe Miete des Theaters an der Wien, die von der Finanz absorbiert wurde, statt wieder in die Festwochen investiert zu werden. Es geht um eine Million Euro pro Saison, damit wir nicht auf ambitiöse Projekte verzichten müssen. Wir möchten natürlich den Tourismus ankurbeln -aber für ambitiöse und attraktive Projekte braucht man Geld."

Bondy, der in Wien zuletzt als Regisseur vor allem über auswärtige Koproduktionen präsent war, wird in den beiden letzten Jahren seines laufenden Vertrages an Wiener Häusern inszenieren: "Einen deutschen Klassiker" 2006 am Akademietheater, wobei er im NEWS-Gespräch nicht dementiert, dass es sich um Kleists "Amphitryon" handeln könnte. Und 2007 Offenbachs "La Perichole" im Theater an der Wien.

Lob und Kritik äußert Bondy via NEWS in die Richtung des Berliner Theaterintendanten Claus Peymann, der von der Kritik zuletzt schwer attackiert wurde: "Wenn man Peymann losgeworden ist - wer ist dann noch da? Wer schafft Peter Zadek, Robert Wilson oder mir noch solche Bedingungen? Die politische Stimmung in Berlin ist derart hitzig und radikalisiert, dass den Politikern dort vieles zuzutrauen ist. Ich glaube allerdings, dass sein Vertrag verlängert wird. Denn den Blick auf das Kassenergebnis versteht jeder Politiker - ohne dass Peymann dafür Boulevardtheater machte."

Kein Verständnis zeigt Bondy hingegen für das in Berlin schwer kritisierte Praktikum, das Peymann dem ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar ermöglichen will: "Dabei habe ich ein schlechtes Gefühl. Peymann versucht immer, mediale Coups zu landen. Und dafür sind nach meinem Geschmack zuviele Leute draufgegangen. Die Materie ist zu problematisch, zu politisch zu kompliziert, um für eine schicke Medienstrategie herzuhalten. Er hatte vor vielen Jahren in Stuttgart Riesenpublicity, als er für die Zahnbehandlung Gudrun Ensslins sammeln ließ. Das wollte er jetzt wiederholen. Aber meines Erachtens gibt es viele, auch jüngere Verbrecher, die Resozialisierung verdienen. Ich halte es nicht für ausdrücklich belohnenswert, Ponto und Schleyer umgebracht zu haben."

Rückfragen & Kontakt:

Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NES0003