Auch 2004 wieder mehr als 30.000 Unternehmensneugründungen

Leitl will soziale Absicherung für Gründer, Abschaffung der Mindest-KÖSt und Verlustabschreibung für Kleinunternehmen umsetzen

Wien (PWK218) - Über ein All-time-high bei den Unternehmensneugründungen freut sich Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Die Jahresstatistik 2004 zeigt, dass bereits zum zweiten Mal die Schallmauer der 30.000 Neugründungen durchbrochen wurde. So wurden im vergangenen Jahr 31.500 Neugründungen verzeichnet. Die Zahl der nachhaltigen Gründungen mit mehr als sechs Monaten Lebensdauer beläuft sich auf 29.700. Ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 4,9 Prozent. Nach Sparten gegliedert wurden 31,3 der Unternehmen im Gewerbe und Handwerk gegründet, 28,8 Prozent im Handel und 23,8 Prozent in Information und Consulting. 10,1 Prozent entfallen auf den Tourismus.

Peter Lehner, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft, sieht ein neues Unternehmerbild: "In den Köpfen der Menschen dominieren nicht mehr unbedingt Mercedes und Zigarre. Viele sehen, dass der Großteil der Selbständigen ein Mann/eine Frau wie du und ich sind. Den jungen und kleinen Unternehmen wird gerade jetzt, wo das Thema Arbeitslosigkeit in aller Munde ist, hoch angerechnet, dass sie Arbeitsplätze schaffen und somit fast der einzige Jobmotor in Österreich sind."

Dass 2004 eine weitere Beschleunigung der Gründungsdynamik brachte, sieht Leitl mit einem lachenden Auge: "Damit zeigen wir, dass wir auf gutem Weg sind, vom europäischen Mittelfeld an die Spitze der europäischen Gründungsstatistiken vorzustoßen." Hierfür seien aber die entsprechenden Rahmenbedingungen notwendig. Der WKÖ-Präsident nannte einen Drei-Punkte-Katalog, dessen Erfüllung wesentlich für eine weitere positive Entwicklung des heimischen Gründungsgeschehens sei.

So zeige sich anhand der Grafiken, dass gegenüber dem Vorjahr die Altersstatistik der Gründer leicht gestiegen ist. Zunahmen sind in der Gruppe der 40 bis 50jährigen zu verzeichnen, während die Gruppe der 20 bis 30jährigen Anteile verloren hat. "Das kann bedeuten, dass aufgrund der fehlenden sozialen Absicherung die Selbständigkeit für junge Menschen ein wenig an Attraktivität verloren hat." Währenddessen wird in höheren Altersgruppen der Sprung in die Selbständigkeit öfter getan - wohl auch, weil hier aufgrund des bisherigen Berufslebens bereits eine gewisse Absicherung erreicht wurde. "Das ist ein klarer Handlungsauftrag an uns als Interessenvertretung, die soziale Absicherung der Unternehmer weiter voranzutreiben. Neben einer freiwilligen Arbeitslosenversicherung ist hier auch eine Zukunftsvorsorge für Selbständige - angelehnt an das Modell der Abfertigung neu - besonders wichtig. Wir wissen aus Umfragen, dass gerade für Jungunternehmern diese Themen eine enorme Bedeutung haben", unterstreicht Leitl.

Nach einer Umfrage der Jungen Wirtschaft sind 82,4 Prozent der Befragten bereit, 300 Euro für die gesamte soziale Absicherung zu zahlen. 70 Prozent geben außerdem an, zur zeit über keine Arbeitslosenversicherung zu verfügen, für 68 Prozent ist aber eine Arbeitslosenversicherung sinnvoll. Die Gespräche in Richtung einer freiwilligen generellen Arbeitsloseversicherung für Selbständige haben daher große Priorität.

Weitere Punkte sind für Leitl die Abschaffung der Mindest-KÖSt und die Einführung einer Verlustabschreibung für Einnahmen-Ausgabenrechner: Gründer kommen in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit kaum zu Gewinnen. Die Mindest-KÖSt gehört weg, denn wer keinen Gewinn macht, soll auch keine Steuern zahlen. In Sachen Verlustabschreibung will der WKÖ-Präsident Vorteile für jene Betriebe, die wegen ihrer geringen Größe nicht voll bilanzieren müssen. Künftig sollen diese Unternehmen - so wie alle anderen -uneingeschränkt Verluste aus den schlechten Jahren in das nächste Geschäftsjahr vortragen können. Diese Maßnahme würde den Finanzminister etwa 90 Mio. Euro kosten und etwa 50.000 heimische Unternehmen entlasten.

Lehner pocht darüber hinaus auf die Einführung eines Beteiligungsfreibetrages, weil es für junge Unternehmen immer schwieriger werde zu Kapital zu kommen. "Dieser ist sowohl für Mitarbeiterbeteiligung wie auch für die Beteiligung Privater an einem Unternehmen möglich. Egal welche Rechtsform. Die echte "Stille Beteiligung" an einem Unternehmen bietet somit die Möglichkeit, als (Jung)Unternehmer zusätzliches Eigenkapital zu lukrieren", so Lehner. (us)

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