- 28.03.2005, 17:00:00
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Das öffentliche Sterben" (Von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 29.03.2005
Wien (OTS) - Am Sonntag hat uns das Fernsehen die Bilder des
leidenden und nach Luft ringenden Papstes ins Wohnzimmer geliefert.
Gestern durften wir der amerikanischen Koma-Patientin Terri Schiavo
via TV beim Sterben zusehen. Bei ihr gibt es keinen Zweifel: Hier
tragen Ehemann und Eltern öffentlich einen widerwärtigen Machtkampf
aus. Warum TV-Kameras und Fotografen nicht längst aus dem
Sterbezimmer verbannt wurden, bleibt ein Rätsel.
Anders ist die Situation bei Johannes Paul II. Er hat mit seinen
Reisen und seinen mediengerecht inszenierten Auftritten die
Öffentlichkeit zum Teil seines Pontifikats gemacht. Ob der Papst
jetzt auch seinen Leidensweg bewusst öffentlich geht oder ob seine
engste Umgebung ihn uns regelrecht vorführt, wissen wir nicht.
Die Aussage der Bilder ist klar: Seht her, der Papst ist nicht mehr
in der Lage, sein Amt auszuüben. Er kann nicht mehr sprechen, er kann
sich nicht mehr konzentrieren. Vielleicht will Johannes Paul II.
damit zeigen, dass auch das Leiden und Sterben zum menschlichen Leben
gehört; vielleicht sind die TV-Kameras nur Teil des Machtkampfes, der
derzeit im Vatikan ausgetragen wird.
Angesichts der Bilder aus dem Vatikan und aus den USA drängt sich
nicht nur die Frage nach der Medienpräsenz auf. Auch die Zweifel, wie
lange und mit welchen Mitteln menschliches Leiden verlängert werden
muss, bekommen neue Aktualität. Allgemeingültige Antworten dürfen wir
uns nicht erhoffen.
OTS0034 2005-03-28/17:00
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