"Kleine Zeitung" Kommentar: "Unbändige Sucht nach Größe oder: Freibrief zum Beuteflug" (von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 25.03.2005

Graz (OTS) - Im Wirtschaftsleben regiert ein Prinzip, sagt Frank Stronach: Die "Goldene Regel". Und die klingt ganz einfach: Wer das Gold (sprich: Geld) hat, macht die Regel.

In der Luftfahrt lautet der Satz ähnlich: Fressen - und nicht gefressen werden. Auf dieser Basis wurden die Airline-Allianzen aufgebaut. Im Verbund tut man sich bekanntlich leichter als allein.

Die Lufthansa ist aus dem grenzenlosen Luftraum gezielt herabgedüst hat und sich die schweizerische Swiss gegriffen. Zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit gab es nicht, auch das Streben nach Marktmacht spielt eine treibende Rolle. Nach der Übernahme der Swiss bleibt die Lufthansa unangefochten die Nr. 1 in Europa. Ein weiterer Pluspunkt, mit der Swiss hat sich die Lufthansa auch ein zahlungskräftiges Geschäftsflieger-Publikum ins Haus geholt.

Manche europäischen Fluglinien sehen ihr gravierendstes Problem sehr klar, sprechen es aber bestenfalls unter der Hand an: Sie sind zu groß und auf der anderen Seite zu klein, um allein bestehen zu können. Ein Widerspruch?

Beispiele gibt es einige. Die Alitalia, die griechische Olympic Airlines, die ungarische Malev, die skandinavische SAS oder auch die heimische AUA. Sie bilden die Mittelklasse. Zu groß für regionale Bedeutung, zu klein, um international groß mitmischen zu können. Sie alle wissen, das Überleben garantiert langfristig ein starker Partner, wenn man einer Übernahme davon fliegen möchte.

Die AUA ist eine Gesellschaft, die in einer großen Auslage steht. Sie betreibt einige ausgewählte, feine Flugstrecken nach Asien und sie verfügt in Osteuropa über ein ausgedehntes Netz. Der Osten ist für die EU von essenzieller Bedeutung geworden, ein reger Flugverkehr in beiden Richtungen ist die logische Folge. Die AUA wird im Osten hoch geschätzt.

Die Lufthansa beruhigt, aber nein, winkt ihr Chef Wolfgang Mayrhuber ab, eine Übernahme der AUA komme nicht in Frage, auch über eine Beteiligung werde nicht nachgedacht, obwohl im Flugverkehr vieles in Bewegung sei.

Die AUA wird derzeit auch noch nicht zu Markt getragen. Der Staat hält knapp 40 Prozent und will seine Anteile auf längere Sicht nicht abstoßen. Reden wird man darüber wieder nach der Nationalratswahl 2006.

Für die AUA heißt das, in Sicherheit wiegen kann sie sich nicht. Das Management fliegt einen klaren Kurs: Das Unternehmen so gut wie möglich herausputzen und damit die Haut so teuer wie möglich verkaufen. Ob die Rechnung aufgeht, steht in keinem Flugplan. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001