Greenpeace prüft EU-Beschwerde wegen Feinstaub

Zwischenbilanz der Feinstaub-Messtour durch Österreich

Wien (OTS) - Greenpeace präsentiert heute eine Zwischenbilanz der österreichweiten Feinstaub-Messtour. Nur an wenigen Tagen wurden auf der Greenpeace-Feinstaub-Messtour durch die Bundesländer keine Grenzwertüberschreitungen gemessen. Obwohl Greenpeace bundesweit die Bevölkerung und auch die Politik für das Thema sensibilisieren konnte, beschränken sich leider die Maßnahmen oft nur auf vermehrtes Straßenkehren. In Städten wie Graz und Innsbruck ist bereits jetzt die für 2005 maximal erlaubte Anzahl der Tage mit Grenzwertüberschreitungen erschöpft, Wien wird diesen traurigen Beispielen bald folgen. Besonders beunruhigend sind für Greenpeace die Konzentration der vom offiziellen Messnetz nicht erfassten allerfeinsten Staubpartikel PM2,5 und PM1. Die gemessenen Werte liegen in ganz Österreich fast ausnahmslos weit über dem gesundheitsverträglichen Niveau. Nun prüft Greenpeace eine Beschwerde an die EU-Kommission.

Der absolute Höchstwert beim vom offiziellen Messnetz erfassten PM10-Feinstaub war 421,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, gemessen am 14. März in Wörgl, Tirol. Der Durchschnittswert von allen bisherigen Greenpeace-Messungen im Bundesgebiet lag bei 58 Mikrogramm bei einem erlaubten Grenzwert von maximal 50. Noch beunruhigender sind die Ergebnisse für die noch feineren Staubpartikel. Der gesamtösterreichische Mittelwert bei PM2.5 (mit einem Partikeldurchmesser kleiner als 2.5 Mikrometer) lag bei 32,5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ausgerechnet vor dem Krankenhaus in St. Pölten wurden hier Rekordwerte gemessen. PM2.5 und auch PM1 werden vom offiziellen Messnetz nicht erfasst, obwohl gerade diese Partikelgrößen noch gesundheitsschädigender sind, weil sie tiefer in die Atemwege gelangen können. Die US-amerikanische Umweltbehörde empfiehlt einen Grenzwert von maximal 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Aufgrund der Grenzwertüberschreitungen von 2003 müssen spätestens am ersten April für 38 österreichische Städte Maßnahmenpakete vorliegen, geschehen ist bisher aber beinahe nichts. Die Stadt Wien ortet die Ursachen des Feinstaubproblems im Ausland. Maßnahmen im Verkehr, die weiter gehen als nur Streusplitt kehren, blieben bisher aus. Greenpeace begrüßt die Initiative des Bregenzer Bürgermeisters Markus Linhart für eine Verkehrsreduktion. Auch das Land Salzburg will die Höchstgeschwindigkeit auf der Tauernautobahn herabsetzen. "Die Landeshauptleute sind durch das Immissionsgesetz-Luft klar dazu verpflichtet, Maßnahmen zur Reduktion der Feinstaubbelastung zu setzen", so Greenpeace-Verkehrsexperte Jurrien Westerhof. "Sie schauen aber fast tatenlos zu. Wir werden jetzt die Möglichkeiten für eine Beschwerde bei der EU-Kommission überprüfen, denn hier wird klar gegen EU-Recht verstoßen. Notfalls werden wir auch die Landeshauptleute für ihre Untätigkeit zur Verantwortung ziehen müssen."

Greenpeace fordert, dass auch die Werte des feinsten Staubes von 1 und 2.5 Mikrometer Partikelgröße gemessen und veröffentlicht werden sollen. Eine unlängst veröffentlichte EU-Studie bezieht sich auf diese Partikelgrößen und bescheinigt Österreich jährlich 4.300 feinstaubbedingte Todesopfer. "Die Werte, die wir bei PM1 und PM2.5 gemessen haben, sind äußerst beunruhigend, aber vom offiziellen Messnetz werden diese Partikelgrößen nicht einmal gemessen", wundert sich Westerhof. "Dieses Problem wird einfach ignoriert!" Greenpeace verlangt, dass Österreich die in den USA empfohlenen Grenzwerte von 12 bis 15 Mikrogramm für diese Kleinstpartikel übernimmt.

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MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel. 0676-5147246
DI Jurrien Westerhof, Verkehrsexperte Greenpeace, tel. 0664-6126701

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