"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Unmenschlich" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.03.2005

Wien (OTS) - Die 41-jährige Terri Schiavo wird in wenigen Tagen
tot sein. Amerikanische Richter haben gestern die Einstellung der künstlichen Ernährung gebilligt. Die Frau liegt seit 15 Jahren im Koma, ihr Großhirn ist abgestorben, Aussicht auf Besserung besteht nicht. Aber trotzdem: Darf man einfach die Magensonde entfernen und die Frau verhungern lassen?
Die Frage ist vermutlich falsch gestellt. Normalerweise sterben Wachkoma-Patienten wie Terri Schiavo binnen weniger Jahre an Begleiterkrankungen wie beispielsweise einer Lungenentzündung. Werden diese Komplikationen nicht nach allen Regeln der ärztlichen und medizintechnischen Kunst behandelt, verlaufen sie tödlich.
Im Endeffekt läuft es zwar auf dasselbe hinaus, medikamentöse Therapien nicht bis zum äußersten auszureizen oder die künstliche Ernährung einzustellen. Ethisch macht es aber einen Riesenunterschied, ob eine ärztliche Behandlung unterbleibt oder durch Entfernen der Magensonde ein Todesurteil gefällt wird.
Die jetzt in Florida und in Washington von Richtern getroffenen Entscheidungen sind unmenschlich - auch dann, wenn die Patientin überhaupt nichts mehr spüren kann. Man hätte viel früher überlegen müssen, ob elementare Lebensfunktionen wie Herzschlag und Atmung mit allen verfügbaren Mitteln aufrechterhalten werden müssen. Dann wäre Ärzten, Richtern, Angehörigen und Politikern das jetzige Dilemma vermutlich erspart geblieben.

Rückfragen & Kontakt:

Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVN0001