"Bundesheer im ungeordneten Rückzug" von Peter Muzik

WirtschaftsBlatt-Kommentar Donnerstag-Ausgabe

Wien (OTS) - Das ist der Startschuss für einen spektakulären Abmarsch der Truppe: Der andiskutierte Verkauf von bis zu 40 seiner insgesamt 90 Kasernen dürfte das Bundesheer in etwa auf die Hälfte zusammenstutzen. Er wird aber auch etliche Regionen in wirtschaftlicher Hinsicht massiv treffen, weil Arbeitsplätze verloren gehen, Heereszulieferer beträchtliche Einbussen hinnehmen müssen und die Kaufkraft zigtausender Rekruten verschwinden wird. Die (bislang einfach übergangenen) Landeshauptleute steigen daher ebenso auf die Barrikaden wie die betroffenen Bürgermeister, deren Gemeinden wieder einmal Opfer von Sparmassnahmen werden sollen: So wie Postämter, Schulen oder Gendarmerieposten werden im ländlichen Raum nun eben auch Kasernen geschlossen aus, weg, vorbei. Das Faktum, dass man halb leer stehende, folglich unnötige Militärgebäude nicht krampfhaft am Leben halten kann, um der Wirtschaft Freude zu bereiten, dürfte wohl auch dem wildesten Heeres-Freak einleuchten. Die Bundesregierung sieht das alles offenbar recht locker: Der geplante Verkauf von Heeresgebäuden und -liegenschaften soll ihr nämlich bis zu einer Milliarde Euro bescheren was allerdings ein frommer Wunsch sein könnte. Die zwei Kernfragen lauten derzeit: Wer soll all diese Kasernen kaufen? Und was soll letztlich mit all diesen Liegenschaften geschehen? Okay, die jüngst verkaufte Rhomberg-Kaserne am Bodensee, die immer-hin 6,8 Millionen Euro eingespielt hat, wird in ein Vier-Sterne-Hotel verwandelt aber werden beispielsweise in Tamsweg, Bleiburg, Oberwart, Freistadt oder Weitra ebenfalls Vier-Sterne-Hotels dringend benötigt? Oder wird man dort aus den teilweise ziemlich heruntergekommenen Kasernen eher Appartementhäuser, Bürocenter oder gar Businessparks bzw. Technologiezentren machen? Und gäbe es hiefür überhaupt einen Bedarf oder würden diese Immobilien nicht ewig leer stehen?

Fassen wir also zusammen: An der Schliessung möglichst vieler Kasernen, was ja die Heeres-Reformkommission empfohlen hat, führt letztlich kein Weg vorbei, denn die Truppe wird bekanntlich sukzessive von 110.000 auf 55.000 Mann abgespeckt. Eine derartige Mega-Aktion darf aber nicht dilettantisch hingehudelt, sondern müsste generalstabsmässig geplant und abgewickelt werden. Nur wenn alle relevanten wirtschaftlichen wie sonstigen Aspekte frühzeitig überlegt und rechtzeitig gelöst werden, wird die Regierung sich und allen Beteiligten ein Schlamassl ersparen.

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