AKNÖ-Staudinger: Erniedrigende Pensionsverfahren verhindern Zugang zu Invaliditätspension

58-jähriger Bauarbeiter mit 43 Versicherungsjahren musste vor Gutachter Schächte verschalen

Wien (AKNÖ) - "Wer seit seinem 14. Lebenjahr gearbeitet hat und 43 Versicherungsjahre vorweist, gilt in der Öffentlichkeit als Frühpensionist", kritisiert AKNÖ-Präsident Josef Staudinger die Auswirkung der Pensionsreformen. "In Wahrheit ist die Invaliditätspension die am schwersten zu erreichende Pension überhaupt. Das Gerichtsverfahren für einen 58-jährigen versehrten Bauarbeiter war besonders erniedrigend", so der AKNÖ-Präsident.

Im Oktober 1959 leistete Kurt A. seinen ersten Beitrag zur Sozialversicherung. Da war er 14 Jahre und 3 Monate alt. Nach einer abgebrochenen Fleischerlehre folgten etliche Jahre als einfacher Arbeiter, ehe er sich bei der renommierten Baufirma Hofman & Maculan zum Partieführer und nach Kursen im Lehrbauhof in Guntramsdorf zum Straßenbaufacharbeiter hochgearbeitet hatte.
Seiher hat er viele Kilometer Schnellstraßen und Autobahnen gebaut. Dann ereilte ihn das Bauarbeiterschicksal: "Bei zwei schweren Arbeitsunfällen hat es mir die Milz zerrissen, und auch die Schulter ist kaputt. Ich kann seither nichts mehr heben." Dafür erhielt Kurt Aflenzer auch eine Versehrtenrente. Dann aber wurde er arbeitslos und sein Irrlauf begann: Zwischen AMS, der Krankenkasse und 3 erfolglosen Pensionsanträgen wurde er im Kreis geschickt. Der letzte Pensionsantrag wurde mit Hilfe der Niederösterreichischen Arbeiterkammer und AK-Vertrauensanwalt Dr. Franz Amler eingeklagt. Kurt A.: "Ich sollte Zeugen bringen, dass ich Facharbeiter war, obwohl alles auf den Lohnzetteln stand." Er nannte zwei Arbeitskollegen. Die reichten dem Sozialgericht nicht. Sie wurden nicht gehört. Dann nannte er seinen ehemaligen Bauleiter. Der bestätigte: Ja, Kurt A. war Partieführer und Facharbeiter. Jetzt sollte er auf Grund des Berufsschutzes seine Pension zuerkannt bekommen. Sollte man glauben. Doch das Verfahren zog sich ins zweite Jahr. "Ich bin mir vorgekommen wie ein Dodl, jetzt sollte ich im Lehrbauhof einen Schacht verschalen und Rohre verlegen, um zu beweisen, dass ich es auch wirklich kann." Aus Wien wurde extra ein Baumeister als Sachverständiger zum Lehrbauhof Guntramsdorf hinbeordert. Der sah auf den ersten Blick, dass der 58-jährige mit kaputter Schulter keine Schächte mehr ausheben und keine Abwasserrohre mehr verlegen kann. "Also habe ich alles genau erklärt, wie bei einer Lehrabschlussprüfung habe ich alles über den Straßenbau erzählt, was ich an Wissen erworben hatte", erinnert sich der Straßenarbeiter an die erniedrigendsten 3 ½ Stunden seines Lebens vor dem Baumeister.
Mittlerweile kann der Arbeiter 43 Versicherungsjahre vorweisen. Die Pension erhielt er im Vergleichswege zugesprochen. Das war im Dezember 2004. Ende März 2005 hat Kurt A. weder einen Pensionsbescheid noch einen Cent Pension erhalten.

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