Europäisches Eisenbahnverkehrsleitsystem ERTMS- ein europäisches Großprojekt

FV Schienenbahnen begrüßt europäische Absichtserklärung

Wien (PWK209) - Mit der Einsenbahnliberalisierung und der Gründung einer eigenen Europäischen Eisenbahnagentur versucht man auf europäischer Ebene die zersplitterten Eisenbahnsysteme in Europa zu verbessern und zu harmonisieren. Die Europäische Kommission und Vertreter des Eisenbahnsektors (Industrie, Infrastrukturbetreiber und Eisenbahnunternehmen) haben letzte Woche in Brüssel mit der Einführung des Europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystems (ERTMS) ein wichtiges Signal für ein transeuropäisches Schienennetz gesetzt. Die Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherheit des Schienenverkehrs können damit verbessert werden.

Ohne ein europäisches Instrument, das die nationalen Eisenbahnsysteme miteinander verknüpft, kann das "Europa der Schiene" nicht verwirklicht werden , so Mag. Robert Woppel, Geschäftsführer des Fachverbandes der Schienenbahnen. Die von allen Akteuren getroffene Vereinbarung bedeutet allein für die transeuropäischen Hauptverkehrsachsen ein Investitionsvolumen von mehr als vier Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren. Angesichts des hohen volkswirtschaftlichen Nutzens erscheinen die 20,3 Mrd. Euro, die im Gemeinschaftshaushalt 2007-2013 für das transeuropäische Verkehrsnetz

vorgeschlagen werden, einmal mehr als nötig und überaus gerechtfertigt, betont Woppel.

Die Funktionsweise des ERTMS ist einfach: Von der Strecke aus werden Daten an einen Computer im Zug übermittelt, der anhand dieser Daten die jeweils zulässige Höchstgeschwindigkeit errechnet und den Zug bei Bedarf automatisch abbremst. Der fahrzeuggestützte Computer soll zwar die von der Strecke aus übermittelten Informationen interpretieren können, doch gibt es derzeit in Europa mehr als 20 verschiedene Systeme dieser streckenseitigen Einrichtungen. So musste der zwischen Paris und Brüssel verkehrende Hochgeschwindigkeitszug Thalys mit nicht weniger als sieben Signalsystemen ausgerüstet werden, was zu einem Anstieg der Kosten und der Fehleranfälligkeit führt.

Der Wunsch der Mitgliedsstaaten nach einer gemeinsamen Verkehrspolitik wurde bereits im Römischen Vertrag festgeschrieben. Auch eine wissensbassierte Gesellschaft benötigt eine erstklassige und verlässliche Infrastruktur. Mit dem Weißbuch der Europäischen Kommission zur Verkehrspolitik wurden zumindest Möglichkeiten und Entwicklungsstrategien aufgezeigt. Darin wurde vor allem auf die freien Kapazitäten der Eisenbahn und der Schifffahrt hingewiesen, wobei die Zahlen der tatsächlichen Anteile am Güteraufkommen einen eindeutigen Trend hin zur Strasse signalisieren. So werden in den EU 15 (Modal Split für den Güterverkehr, Tonnenkilometer in Prozent) 2002 (zum Vergleich 1970) auf der Straße 75.5 (1970: 52,1) auf der Schiene 12,9 (1970: 30,2) auf den inländischen Wasserwegen 6,9 (1970:
10,9) befördert, der Rest entfällt auf Pipelines. (hp)

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