VÖM zum Aktionstag der IG Milch: Molkereien sind Partner der Milchbauern

Europäische Rahmenbedingungen geben die Preistrends vor

Wien (AIZ) - "Die Molkereien haben Verständnis für die Sorgen der Milchbauern und tun ihr bestes, um die schwierige Einkommenssituation zu entspannen. Angesichts der international aktuellen Entwicklung auf den Milchmärkten sowie den Vorgaben durch die Reform der EU-Agrarpolitik ist es aber nicht zielführend, übertriebene Erwartungshaltungen bei den Bauern zu schüren", dies stellt die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) in einer Aussendung zum angekündigten Milch-Aktionstag der IG Milch fest.

Der Verein IG Milch, der eigenen Angaben zufolge rund 4.000 heimische Milchbauern zu seinen Mitgliedern zählt, hat heute in einer Pressekonferenz die Erhöhung des Erzeugermilchpreises bis September dieses Jahres auf netto 35 Cent (ohne Mehrwertsteuer, ohne Landeszuschüsse) gefordert und verlangt bis September 2006 eine weitere Anhebung auf das Niveau von 40 Cent je kg, um kostendeckend erzeugen zu können. Sollte diese Forderung nicht erfüllt werden, werde die IG Milch mit gleichgesinnten Gruppierungen europaweit einen Milchlieferboykott durchführen, kündigte Obmann Ewald Grünzweil an. Morgen, Dienstag, will die Vereinigung im Rahmen eines Aktionstages einen "friedlichen Protest" an sechs österreichischen Molkereistandorten durchführen.

EU will an GAP-Beschlüssen festhalten

Die VÖM als Dachorganisation der österreichischen Milchwirtschaft erklärt zu diesen Forderungen, dass es "nur durch ein europaweit abgestimmtes und gemeinsames Vorgehen der Milchbauern-Organisationen, der Verarbeiter und der Agrarpolitik auf EU-Ebene gelingen kann, eine Trendwende bei den Erzeugerpreisen herbeizuführen". Erst vor kurzem habe der Generaldirektor für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der EU-Kommission, Lars Hoelgaard, im Rahmen des ZMP-Milchforums in Berlin bestätigt, an den Beschlüssen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) festhalten zu wollen. Hoelgaard habe bekräftigt, am Abbau der Exporterstattungen ebenso festzuhalten wie an der Heranführung der europäischen Milchpreise an das Weltmarktniveau.

Insellösung unrealistisch

"Eine Insellösung für Österreich bei den Erzeugermilchpreisen ist wegen der starken Exportabhängigkeit der Milchwirtschaft unrealistisch. Seit dem EU-Beitritt Österreichs ist es den heimischen Unternehmen gelungen, mit hohen Investitionen neue Märkte zu erschließen. So wurden im Jahr 2004 Milchprodukte im Wert von EUR 712 Mio. exportiert. Diese Exporte sind Grundvoraussetzung zur Marktentlastung in Österreich", argumentiert die VÖM.

"Laut den Erhebungen des niederländischen Bauernverbandes LTO gelang es 2004 in Österreich, einen Erzeugermilchpreis auszubezahlen, der dem europäischen Durchschnitt entspricht. Dies ist eine außergewöhnliche Leistung der Unternehmen, weil durch die kleinsten bäuerlichen Strukturen innerhalb der EU von den Verarbeitern nicht beeinflussbare Kostennachteile von 1,53 Cent/kg in Kauf genommen werden müssen", stellt die VÖM fest.

Der durchschnittliche Milchpreis sei 2004 in Österreich mit 33,06 Cent/kg (inkl. USt.) im Vergleich zum Vorjahr fast gehalten worden (-0,18 Cent inkl. USt.), während es in Deutschland und anderen Regionen Europas deutlich höhere Rückgänge gegeben habe. Zusammen mit der Milchprämie von 1,18 Cent, die für 2004 erstmalig von Brüssel ausbezahlt wurde, ergab sich daraus ein Plus bei den Einnahmen der Milchbauern aus der Milchwirtschaft um 1 Cent/kg; dies sei auch vom Wirtschaftsforschungsinstitut bestätigt worden.

Initiativen zur Steigerung der Wertigkeit heimischer Lebensmittel werden begrüßt

"Die Milchverarbeiter sind dankbar für konstruktive Maßnahmen zur Hebung des Konsumentenbewusstseins für heimische Milch- und Käseprodukte. Gemeinsam mit dem Handel muss es gelingen, die Wertigkeit der österreichischen Lebensmittel bei den Österreichern wieder stärker zu betonen. Soweit daraus auch Mehreinnahmen für die Molkereien und Käsereien resultieren, werden diese nach Abzug der erhöhten Kosten natürlich auch an die Bauern weitergegeben, die zum größten Teil die Eigentümer der Betriebe sind", wird vonseiten der VÖM betont. Aktionen vor den Molkereien würden dagegen als wenig zielführend gesehen, schließlich gehe es darum, den Handel und die Konsumenten von der hohen Qualität der österreichischen Produkte weiterhin zu überzeugen.

"Die österreichischen Milchverarbeiter wollen auch weiterhin der gute und verlässliche Partner der heimischen Milchbauern sein. Basis dafür ist eine offene Information aller Beteiligten über die Entwicklungen in der Agrarpolitik und auf den internationalen Märkten, die für Österreich auf Grund der hohen Exportquote sowie der offenen Grenzen auf den Milchmärkten maßgebend sind", so die VÖM. (Schluss)

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