VSStÖ: Offener Brief an die Rektoren

Blaha: "Zeit für jeden einzelnen Rektor, Farbe zu bekennen"

Wien (SK) Mit einem offenen Brief an die Rektoren reagiert der VSStÖ heute, Montag, auf das Bekanntwerden eines Papiers der Rektorenkonferenz, das unter anderem kostenpflichtige Aufnahmeprüfungen vorsieht. Barbara Blaha, Spitzenkandidatin des VSStÖ zur ÖH-Wahl 2005: "Wir Studierende haben das Recht, von jedem einzelnen Rektor zu wissen: Planen Sie, Zugangsbeschränkungen einzuführen?" ****

Der VSStÖ bittet in dem offenen Brief, fünf Fragen bis 4. April 2005 - der erste Unitag nach den Osterferien - zu beantworten. "Die fünf Fragen sollen uns Studierenden endlich Klarheit verschaffen. Kann ich mein Studium an dieser Universität zu Ende bringen oder führt der Rektor meiner Uni etwas im Schilde? Es ist Zeit für jeden einzelnen Rektor beim Thema Zugangsbeschränkungen Farbe zu bekennen", fordert Blaha.

Der offene Brief im Wortlaut:

Werter Rektor,

die Tageszeitung "Der Standard" hat in seiner Ausgabe vom 17.3.2005 von einem Rektorenkonferenz-internen Diskussionspapier berichtet, das in so genannten 'kapazitätsbeschränkten' Studienrichtungen kostenpflichtige Aufnahmeprüfungen vorsieht. Dieses Papier hat bei gegenwärtigen und zukünftigen Studierenden ihrer und anderer Universitäten begründete Verunsicherung ausgelöst.

Bitte beantworten sie uns Studierenden folgende fünf Fragen schriftlich bis 4. April 2005:

Das Papier ist ein Konzept, das nicht nur Generationen von zukünftigen StudentInnen und Studenten betrifft, sondern auch Menschen, die bereits jetzt an ihrer oder einen anderen Universität studieren. Mit welcher Legitimation entwickeln sie ohne Einbeziehung von anderen universitären Gruppen, vor allem ohne Konsultation der Hauptbetroffenen - gegenwärtige und zukünftige Studierende - ein solch weit reichendes Konzept?

Sie sprechen in diesem Papier von 'kapazitätsbeschränkten Studienrichtungen'. Welche Studienrichtungen an ihrer Universität haben im Moment nicht ausreichend Kapazitäten und planen sie für diese, die im Papier geforderten Zugangsbeschränkungen einzuführen?

Ihr Kollege WU-Rektor Badelt will sich die Studierenden spätestens nach dem Bakkalaureat willkürlich aussuchen. Planen sie an ihrer Universität ähnliche Hürden? In welchen Studienrichtungen? Wie werden diese aussehen?

Bildungsministerin Gehrer hat bereits im Herbst - konkret in der Uni-Ausgabe der Tageszeitung "Die Presse" für das Wintersemester 2004/05 - angekündigt, ab 2006 die Höhe der Studiengebühren von den Rektoren bestimmen zu lassen. Wie hoch werden sie die Studiengebühren an den Studienrichtungen ihrer Universität ansetzen?

Wir sind vom gesellschaftlichen Nutzen des offenen und freien Hochschulzugangs überzeugt. Wie könnten daher an ihrer Universität Alternativen zur Verbarrikadierung des Universitätszugangs aussehen?

Schließlich bleibt noch klar zu stellen: Ich teile ihre grundsätzliche Analyse, dass sowohl Studierbedingungen, als auch die Lehr- und Forschungsbedingungen seit mehreren Jahren katastrophal sind. Ich bin aber der Überzeugung, dass das nicht an der großen Anzahl der Studierenden liegt, sondern an dem Mangel an Geld. Das wiederum ist kein Naturgesetz, sondern politischer Wille. Die OECD-Studie "Education at a Glance 2004" zeigt Österreich mit 18 Prozent AkademikerInnenquote bereits jetzt im europäischen Schlussfeld. Nicht zuletzt deshalb, sollten wir uns bemühen, den Hochschulbildungsbereich möglichst hürdenlos (deshalb aber auf keinen Fall anspruchslos) zu gestalten. Ich bin der Überzeugung, dass es nicht nur kurzsichtig, sondern auch zynisch ist, in einer so wissensbasierten Gesellschaft wie der unsrigen, Menschen strukturell von Wissen auszuschließen.

Ich bitte im Interesse aller Studierenden und SchülerInnen um Beantwortung der Fragen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen
Barbara Blaha e.h.
VSStÖ-Spitzenkandidatin

(Schluss) se/mp

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