"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie zwei ahnungslose Minister eine Erfolgschance verschlafen" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 21.03.2005

Graz (OTS) - Samstagabend wurden in Graz die Diagonale-Preise verliehen. Sie beschlossen einen wahren Auszeichnungsregen, der in der vergangenen Woche auf Österreichs Filmschaffende niedergegangen ist: Vom Erich-Neuberg- über den Cine-Styria- und Carl-Mayer-Preis bis zu den Shorts on screen-Awards.

Das wäre an sich nichts Neues. Preisverleihungen waren schon immer das bewährte Placebo einer Politik, die nichts Substanzielles zu bieten hat.

Doch heuer ist alles anders: Nicht nur ist es einer auf einmal magisch einigen (Film-)Branche gelungen, einen verirrten Staatssekretär auf den rechten (Diagonale-)Weg zurückzuführen. Nein, Franz Morak hat die Zeit auch genutzt, das Filmförderungsgesetz so zu novellieren, dass ebenso wundersamer Weise fast alle zufrieden sind. - Kommerzielle Kapazunder ebenso wie manch junge Förderungswerber.

"Wir prosperieren", meinte gestern einer der erfolgreichsten Filmroduzenten des Landes. Um gute 15 Prozent wächst die Filmwirtschaft derzeit pro Jahr, ihr Netto-Umsatz liegt derzeit bei rund 800 Millionen Euro. Das ist keine Kleinigkeit in einem über Jahrzehnte marginalisierten Industriezweig.

In schauriger Effizienz hatten die Nazis die einst glanzvolle österreichische Filmszene ihrer kreativsten Köpfe beraubt. Und es dauerte Jahre, bis aus den Nasswiesen stupider Heimatfilme (die diesen Namen nicht verdienten) wieder ernsthafte Künstler nachwuchsen.

Dem ORF mit seinen Cortis, Berners, Schwabenitzkys, Patzaks, Kehlmanns, Hanekes, Schwarzenbergers etc. kommt hiebei ein großer Verdienst zu.

Die Vielfalt ihrer legitimen Erben der jungen Generation ist riesig und entzieht sich jeglicher Aufzählung.

Dazu kommen immer mehr Produzenten, die aktive, teils große Co-Produktionen zustande bringen, das heißt, Gelder ins Land holen statt auswärtig zu investieren.

Alles bestens also? - Weit gefehlt. Wie so häufig fehlt es an komplexer Politik. Film gilt nach wie vor als Alleinaufgabe der Kultur. Finanz- und Wirtschaftsminister ignorieren ihn.

Bis heute bekommt das Wirtschaftsgut Film keine Exportförderung. Und anders als in Luxemburg, Deutschland, in der Slowakei etc. sind private Investitionen in einen Film bei uns noch immer nicht steuerbegünstigt. Beides, so Experten, seien unerlässliche Maßnahmen zur Vitalisierung des Marktes.

Beide Herren sollten einmal ins Kino gehen, um der Realität zu begegnen. Die Ticketkosten können sie ja als Informationskosten steuerlich absetzen. ****

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