"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Bodenseer siegt, aber" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 17. März 2005

Innsbruck (OTS) - Jürgen Bodenseer fuhr bei der Wirtschaftskammerwahl einen eindrucksvollen Sieg ein. 15.391 Tiroler Unternehmer wählten den Spitzenkandidaten des ÖVP-Wirtschaftsbundes. Somit übertraf Bodenseer das Ergebnis seines Vorgängers Hansjörg Jäger aus dem Jahr 2000 noch einmal um sieben Prozent. Gleichzeitig erreichte der Textil- und Immobilienunternehmer österreichweit das beste Landesergebnis. Ein persönlicher Triumph. Kein Wunder, dass sich Bodenseer als großer Sieger feiern ließ.
Faktum ist aber auch, dass Bodenseer von der Schwäche der Gegner profitierte. Gäbe es in Tirol bei der Wirtschaftskammerwahl kein Minderheitswahlrecht, wären weder Blau, Rot noch Grün im neuen Wirtschaftsparlament vertreten.
Sein zweites Wahlziel verfehlte Bodenseer klar. Denn neben mindestens 80 Prozent für den Wirtschaftsbund strebte er eine Wahlbeteiligung von über 50 Prozent an. Geworden sind es mickrige 42 Prozent. Danach gefragt, reagierte der siegestrunkene Boden-seer mit einer Verbalattacke auf die angeblich "einseitige Berichterstattung" der TT im Vorfeld der Wahl.
Auch eine Art der Problembewältigung. Denn nur in Wien und Vorarlberg gingen noch weniger Unternehmer zu den Urnen. Offensichtlich gelang es der Wirtschaftskammer als Organisation nicht, Wähler zu mobilisieren. Dafür nur Direktor Werner Plunger den schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben ist aus Sicht des Wirtschaftsbundes nachvollziehbar, wäre aber wohl zu einfach.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis des Wirtschaftsbundes in Innsbruck. Denn mit Hilde Zach und Michael Bielowski sind zwei Wirtschaftsbündler an der Spitze der Stadt, die 2006 das Amt des Bürgermeisters verteidigen wollen. Die Wahlbeteiligung ging gestern von 41,5 Prozent im Jahr 2000 auf 35,7 zurück. Kein gutes Omen für die Mobilisierungsstärke.

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