WirtschaftsBlatt Kommentar vom 17.3.2005: Eine Ohrfeige und ein klarer Triumph - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Diese kräftige Watschen sitzt: Österreichs Unternehmer haben sich bei der Kammerwahl weder durch überdimensionales Engagement ausgezeichnet noch der WKÖ eine spezielle Zuneigung bewiesen. Die österreichweite Wahlbeteiligung von nicht einmal 50 Prozent ist für die Lobby der Wirtschaft ziemlich beschämend. Dass in Wien nur jeder dritte Wahlberechtigte gewählt bzw. in Vorarlberg nur jedes fünfte Kammermitglied vom Wahlrecht Gebrauch gemacht hat, kann nur als Armutszeichen gewertet werden. Deutlicher kann man das Desinteresse an der eigenen Interessensvertretung wohl nicht mehr zum Ausdruck bringen.
Eine schallende Ohrfeige gab’s, wie zu erwarten, auch für die blaue Unternehmer-Fraktion, die es sogar in Kärnten beinahe zerbröselt hat - aber sonst können alle zufrieden sein und ausgiebig feiern:
Christoph Leitl schaffte jenen Triumph, der sich abgezeichnet hat, Christoph Matznetters Unternehmer-Genossen haben ein paar Prozenterl zugelegt, und die Grüne Wirtschaft konnte sich ganz gut in Szene setzen.
Kurzum: Das bisherige System hat sein Beharrungsvermögen bewiesen, das nahe an der Unsterblichkeit angesiedelt ist. Das vertraute Establishment konnte sich wieder souverän durchsetzen, ändern dürfte sich jedenfalls nicht allzu viel - aber das war letztlich auch nicht das erklärte Ziel dieser Wahl.
Obzwar die grossen Sieger, also Leitl & Co., den Ruhm absahnen dürfen, kann man eigentlich nur happy sein, dass es darunter auch viele engagierte Unternehmer gibt, die sich aktiv für die Interessen der Wirtschaft einsetzen; die bereit sind, neben ihrem Hauptberuf einen oft mühsamen Funktionärsjob auf sich zu nehmen, was ja kein pures Vergnügen ist. Auch wenn kämmerliche Funktionäre generell eher kein tolles Image haben und gerne als notorische Wichtigmacher abgetan werden - viele gelten als nur mittelmässig erfolgreiche Geschäftsleute mit ausgeprägtem Hang zur Selbstdarstellung -, ist es wichtig, dass auch etliche prominente Unternehmer die Mühsal auf sich nehmen, um weiterhin in Landesinnungen, Fachvertretungen der Sparte Industrie, in den Landesgremien des Handels und allen übrigen Gremien die Standespolitik mitzugestalten. So lange etwa der Bierbrauer Sigi Menz, der Autohändler Burkhard Ernst, der Autobusunternehmer Carl Ludwig Richard, der Tiroler Marmeladenproduzent Klaus Darbo oder der Vorarlberger Fruchtsaftmacher Peter Pfanner bei der Stange bleiben, kann der Kammer nix passieren.

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