"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Spargelzeit" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 17.03.2005

Wien (OTS) - Ende April, also in rund sechs Wochen, beginnt wieder die Spargelernte. Das ist nicht nur für Feinschmecker eine erfreuliche Tatsache, sondern eröffnet auch reichlich Möglichkeiten für politische Aktivitäten.
Die Geschmäcker allerdings sind verschieden, und es wird heuer besonders spannend werden, die jeweiligen Vorlieben sorgfältig zu beobachten. Dabei geht es natürlich nicht darum, ob der Spargel mit Schinken überbacken, mit brauner Butter übergossen oder mit Sauce hollandaise serviert wird. Man darf vielmehr gespannt sein, wer sich mit wem zum gemeinsamen Mahl zusammenfindet.
Dürfen wir wie vor zwei Jahren auch heuer wieder Jörg Haider und Alfred Gusenbauer beim mediengerechten Spargelessen zusehen? Oder Wolfgang Schüssel und seinem grünen Pendant Alexander Van der Bellen? Werden einander gar der rote Wien-Chef Michael Häupl und sein schwarzer Kollege Erwin Pröll aus Niederösterreich zu großkoalitionärem Schmaus treffen?
Noch ist alles offen, inklusive dem nächsten Wahltermin. Sicher ist nur, dass hinter den Kulissen bereits eifrig Vorbereitungen für vorzeitige Neuwahlen und die Folgen im Gang sind. Vorkoalitionäre Sondierungen gehören da allemal dazu.
Für Haider wird vor allem wichtig sein, ob er noch einmal Alfred Gusenbauer an den Tisch bekommt, wenn ihm schon der Appetit aufs Essen mit Wolfgang Schüssel vergangen ist. Gelingt es ihm nicht, wird er den Spargel zumindest politisch gesehen ziemlich einsam genießen müssen.

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