- 16.03.2005, 11:31:35
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Ehrengrab-Widmung für Schriftsteller Egon Friedell
Mailath-Pokorny: "Späte Würdigung seiner Persönlichkeit"
Wien (OTS) - Mit einer Kranzniederlegung anlässlich seines
Todestages dokumentierte heute Wiens Kulturstadtrat Andreas
Mailath-Pokorny gemeinsam mit Wendelin Schmidt-Dengler, Leiter des
Österreichischen Literaturarchivs, die Widmung des 1938 verstorbenen
Schriftstellers Egon Friedell als Ehrengrab. Stadtrat Mailath-Pokorny
würdigte Friedell als "eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der
Kulturszene der Zwischenkriegszeit, der weit in die Gegenwart wirkt".
Die Grabwidmung sei daher eine "späte Würdigung des offiziellen Wien
und eine Verbeugung vor dem großen Kulturhistoriker, der von den
Nazis in den Tod getrieben wurde".****
Egon Friedell (eigentlich Egon Friedmann) wurde am 21. 1. 1878
in Wien geboren. An der Universität Wien promovierte er mit einer
Dissertation über Novalis. Vorerst Schauspieler und Kabarettist,
betätigte er sich später als Theaterkritiker und Kulturhistoriker und
Schriftsteller. Nach dem Einmarsch Hitlers nahm er sich am 16. März
1938 aus unmittelbarer Angst vor der Festnahme durch die Gestapo das
Leben.
Friedell, Sohn eines Tuchhändlers, konvertierte noch als Schüler
vom jüdischen zum evangelischen Glauben. Als freier Schriftsteller
und Kritiker hat Friedell das geistige Leben in Wien maßgeblich
mitbeeinflusst. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht seine
kulturhistorische Arbeit, v.a. seine dreibändige "Kulturgeschichte
der Neuzeit" (1927-32, Neuauflage 1947-50), die zu einer Fundgrube
interessanten Materials geworden ist. Auch seine zweibändige
"Kulturgeschichte des Altertums" (1936) enthält einen Schatz
historischen Wissens. Friedell verfasste auch Dramen, "Judastragödie"
z.b. wurde 1920 am Burgtheater uraufgeführt. Befreundet mit Peter
Altenberg (dem er in seinem "Altenbergbuch von 1922 ein literarisches
Denkmal setzte) und Alfred Polgar (dem 1912 die Abhandlung "Ecce
poeta" widmete). Leitete 1908-10 das Kabarett "Die Fledermaus"; ab
1913 spielte er unter der Regie Max Reinhardts in Berlin und Wien. Er
verfasste zahlreiche Sketches, Szenen und Parodien, überwiegend mit
Polgar. Auch als Übersetzer aus dem Französischen und Englischen hat
sich Friedell einen Namen gemacht. (Schluss) sas
OTS0131 2005-03-16/11:31
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