Greenpeace: Rekord-Feinstaubbelastung in Tirol

Feinstaub-Messtour in Innsbruck: Van Staa muss handeln!

Wien/Innsbruck (OTS) - Greenpeace hat am Montag in Wörgl Feinstaubwerte gemessen, die den zulässigen Grenzwert um das knapp Neunfache überstiegen (421 Mikrogramm). In Innsbruck lagen die gemessenen Spitzenwerte gestern bei 367 Mikrogramm. Bereits 2003 wurde in fast allen Messstationen im Inntal die damals noch erlaubte Anzahl von 35 Tagen mit zu hohen Feinstaubwerten überschritten, so auch 2004.

Seit 2005 sind nur noch dreißig Überschreitungen im Jahr erlaubt, ohne dass der Landeshauptmann einschreiten muss. Bis gestern wurden die Grenzwerte bereits 37 Mal allein an der Messstelle Andechsstraße überschritten. Inzwischen ist das gesamte Inntal Sanierungsgebiet. "Angesichts dieser Bedrohung muss Landeshauptmann van Staa endlich tätig werden, wenn ihm die Gesundheit seiner Mitbürger etwas bedeutet", so Greenpeace-Verkehrsexperte Jurrien Westerhof.

Gerade in Innsbruck ist die Lage dramatisch, denn die Inntalautobahn gehört zu den größten Staubverursachern in Österreich. Durch die Tallage bleibt der Feinstaub im Stadtgebiet hängen, wodurch es sehr oft zu Grenzwertüberschreitungen kommt. Offiziell erlaubt sind jährlich maximal 30 Überschreitungen des Grenzwertes von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Kommt es zu mehr Überschreitungen im Jahr, muss vom Landeshauptmann ein Maßnahmenkatalog erstellt werden, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren. Statt einer Trendwende im LKW-Verkehr steigen die LKW-Zahlen immer weiter an. Über zwei Millionen LKW überquerten 2004 den Brenner. Das ist eine Steigung von mehr als 15 Prozent gegenüber 2003. Besonders die schweren Fahrzeuge nahmen mit 21,2 Prozent stark zu und im Dezember 2004 war die Anzahl der schweren Laster am Brenner sogar 30 Prozent höher als noch Dezember 2003.

"Tirol ist inzwischen Transitregion und Feinstaub-Sanierungsgebiet. Wirklich einladend klingt ist das für eine Region, die so vom Tourismus abhängig ist, nicht", so Westerhof. "Es braucht dringend ein Konzept für die Lösung des Feinstaubproblems, denn so kann es nicht weiter gehen. Es kann doch nicht so sein, dass die Tiroler ihre Gesundheit schädigen lassen müssen, nur weil der Transitverkehr Vorrang hat. Man soll sich als erstes überlegen, wie man die rollende Landstraße verstärken statt einstellen kann!"

Die Gesundheitsbelastungen durch Feinstaub sind für Kinder wie für Erwachsene schädlich. Besonders Kinder leiden unter einem erhöhten Risiko für Atemwegserkrankungen und Krankheiten dauern länger. Außerdem reduziert sich die Lungenfunktion der Kinder um vier Prozent. Bei Erwachsenen sind vier Prozent der Krebserkrankungen auf Dieselruß zurückzuführen. Besonders hohe Feinstaubbelastungen treten in Tirol vor allem in Ballungszentren wie Innsbruck, in allen anderen großen Städten, sowie entlang der Transitrouten auf.

"Die messbare Verminderung der Lungenfunktion liegt durchaus im selben Bereich der schädlichen Wirkung wie das Passivrauchen im Haushalt", warnt der Umweltmediziner Klaus Rhomberg. Bei Erwachsenen sind zudem vermehrte Todesfälle durch Herz- oder Lungenversagen sowie Krebs der Atemwege nachgewiesen. Angesichts dieser Situation ruft Rhomberg die verantwortlichen Politiker zum Handeln auf. "Das muss uns unsere Gesundheit und die unserer Kinder wert sein", appelliert Rhomberg an die Tiroler Politik.

Rückfragen & Kontakt:

MMag. Franko Petri, Pressesprecher Greenpeace, tel. 0676-5147246
DI Jurrien Westerhof, Verkehrsexperte Greenpeace, tel. 0664-6126701
Dr. Klaus Rhomberg, tel. 0676-6731674

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