- 16.03.2005, 10:24:54
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Prammer/Niederwieser: SPÖ will gezielte Buben- und Mädchenförderung an den Schulen
PISA zeigt: Geringes Mathe-Interesse der Mädchen - Verpflichtende Lehrerfortbildung zu geschlechtersensibler Pädagogik
Wien (SK) Die gezielte und spezifische Förderung von Mädchen
und Buben in der Schule und ein besonderes Augenmerk auf
geschlechtersensiblen Unterricht sind Forderungen der
SPÖ-Bildungspolitik. Wie SPÖ-Frauenvorsitzende, Zweite
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und SPÖ-Bildungssprecher
Erwin Niederwieser in einer Pressekonferenz am Mittwoch betonten,
müssten v.a. in die Lehrerfortbildung - auch verpflichtend -
geschlechtersensible Pädagogik einfließen. Besonders für Mathematik
müssten neue Unterrichtsformen gefunden werden, denn auch die
PISA-Studie zeige, dass Mädchen auffällig geringeres Interesse und
Freude an Mathematik haben als die gleichaltrigen Burschen. Von
Bildungsministerin Gehrer forderte Prammer in Sachen
geschlechtergerechte Schule "über die Überschriften hinauszugehen und
konkrete Maßnahmen zu setzen". ****
Grundsätzlich seien laut PISA-Ergebnissen im Schwerpunktfach
der letzten Studie, Mathematik, die Burschen nicht signifikant besser
als die Mädchen, allerdings gebe es große Unterschiede in den
einzelnen Schultypen, was aber auch an unterschiedlichen Schularten
liege: Burschen an BHS schneiden in Mathematik signifikant besser ab
als Mädchen, weil Buben eher naturwissenschaftlich-technisch
orientierte HTL besuchen, während Mädchen mit dem Besuch einer HBLA
diesen Fächern auch eher ausweichen wollen, erläuterte
SPÖ-Bildungssprecher Niederwieser.
Auffällig seien aber die Unterschiede bei der sogenannten
"instrumentellen Motivation", also der Einschätzung, ob man das
Gelernte später brauchen kann. Diese sei in Österreich generell
auffallend schlecht, besonders schlecht noch einmal bei Mädchen. So
habe auch PISA-Verantwortlicher Günter Haider festgestellt, dass die
Unterrichtsformen in Mathematik für Mädchen offenbar besonders
ungeeignet sind, so Niederwieser. "Über solche Erkenntnisse kann man
nicht hinweggehen, wir müssen daraus die richtigen Schlüsse ziehen!"
SPÖ-Frauenvorsitzende Prammer präsentierte deshalb konkrete
Forderungen der SPÖ: So soll es in jeder Schule eine
Gleichstellungsbeauftragte geben, die sich mit dem Thema beschäftigt
und Projekte initiiert. Weiters gelte es, gezielte Maßnahmen zu
setzen, um "Halbe/halbe" an den Schulen zu erreichen, damit etwa mehr
Mädchen die HTL besuchen. Schließlich müsse in der Aus- und
Weiterbildung der Lehrer die geschlechtersensible Pädagogik - die
seit einigen Jahren auch offiziell Unterrichtsprinzip ist -
verpflichtend verankert werden, so Prammer und Niederwieser. Dann
müsse es, so wie es etwa beim Computerunterricht für Lehrer möglich
war, innerhalb eines Jahres für jeden Lehrer eine entsprechende
Fortbildung in geschlechtersensibler Pädagogik geben.
Durch Projekte und Schulversuche, wie etwa die zeitweise Aufhebung
der Koedukation, soll weiters gezielte Buben -und Mädchenförderung
möglich sein. Verbesserungen wünschen sich die SPÖ-Politiker auch bei
der Didaktik: Hier gelte es, auf die unterschiedlichen Motivationen
von Mädchen und Burschen beim Lernen einzugehen: Die
Bildungswissenschaft zeige, dass sich Burschen der Mathematik eher
spielerisch nähern, ohne zu überlegen, wie es angewandt werden kann,
während Mädchen viel stärker nach dem Nutzen des Gelernten fragen,
erläuterte Niederwieser. Auf diese unterschiedlichen Zugangsweisen
müsse der Unterricht eingehen, so Niederwieser abschließend.
(Schluss) ah
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