Greenpeace: Kanzler Schüssel plant Todesstoß für internationalen Klimaschutz

Schüssel brüskiert Umweltminister Pröll

Wien (OTS) - Bundeskanzler Schüssel will sich beim kommenden EU-Gipfel (22. - 23. März) gegen Klimaschutzziele für die Zeit nach 2010 aussprechen. Das berichtet die Umweltorganisation Greenpeace unter Berufung auf Informationen aus Brüssel. Greenpeace-Geschäftsführer Dr. Bernhard Drumel fordert Schüssel dringend auf, seinem Umweltminister Josef Pröll nicht in den Rücken zu fallen und Österreich in Brüssel nicht lächerlich zu machen. Vor nicht einmal einer Woche hat Pröll im Umweltministerrat erfolgreich noch für ernsthafte Klimaschutzziele im so genannten Kioto II-Prozess gekämpft. "Herr Bundeskanzler: Wenn Sie nächste Woche umfallen, versetzen Sie dem globalen Klimaschutz den Todesstoß", so Drumel. "Wir erwarten uns von Ihnen, nicht dem Druck der USA nachzugeben, sondern für eine entschiedene Politik zur Eindämmung des Klimawandels einzutreten", fordert Drumel.

Beim EU-Gipfel nächste Woche entscheiden die Regierungschefs, ob sich die EU für konkrete "Nach-Kioto"-Klimaschutzziele für die Industriestaaten nach 2010 einsetzt oder ob es unverbindliche Absichtserklärungen geben wird und damit der langfristige, globale Klimaschutz begraben wird. Das Kioto-Protokoll, das erst seit einem Monat in Kraft ist, verpflichtet die Industriestaaten, zu einer Reduktion der Treibhausgase von 1990 bis 2010 um 5,2 Prozent. Für die Zeit nach 2010 gibt es noch keine Reduktionsziele. Diese sollen nach dem EU-Gipfel mit den anderen Industriestaaten und den Schwellenländern verhandelt werden. Die Verhandlungsposition der EU soll nächste Woche von den Regierungschefs festgelegt werden.

Greenpeace fordert für die Industriestaaten eine CO2-Reduktion um 30 Prozent bis 2020 und um 80 Prozent bis 2050. Nur so kann der von der EU-Kommission berechnete und von den Umweltministern bestätigte Pfad für die Eindämmung des Klimawandels eingehalten werden. Demnach ist eine besonders gefährliche Klima-Erwärmung von mehr als 2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nur mit einer Konzentration der Treibhausgase in der Luft weit unter 550 ppm (Teile pro Million) abzuwenden. Vorindustriell lag die CO2-Konzentration bei 280 ppm, derzeit liegt der Wert bei 380 ppm. "Wenn nicht rasch gehandelt wird, ist es zu spät um die Destabilisierung des Weltklimas abzuwenden. Das ist auch Bundeskanzler Schüssel bekannt", so Greenpeace-Klimaexperte Erwin Mayer.

"Wenn es zu keinen messbaren Zielvorgaben für die Zeit nach 2010 kommt, bedeutet das das Ende für den Klimaschutz bevor er richtig begonnen hat", erklärt Mayer. Wenn Europa nicht - wie bei den Verhandlungen 1997 - für konkrete Ziele eintritt, dann wird das niemand tun. Die Zukunft des globalen Klimaschutzes sei von einer starken Position der EU abhängig. Auf die USA unter George Bush zu warten und dann vielleicht über Reduktionsziele zu reden, würde laut Greenpeace einen sinnvollen Kioto II-Prozess unmöglich machen. "Sich in die klimapolitische Geiselhaft der USA zu begeben ist wahrlich keine Erfolg versprechende Idee", so Mayer abschließend.

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Mag. Erwin Mayer, Klimaexperte Greenpeace, 01-5454580-48 od. 0664-2700441

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