• 16.03.2005, 09:52:06
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Morak in Yad Vashem: neues Museum einmalige Dokumentation der Shoa mit eindrucksvoller Präzision und didaktischem Weitblick

2. Teil der Eröffnungsfeierlichkeiten in Yad Vashem - "Remembering the Past - Shaping the Future"

Wien/Jerusalem (OTS) - "Ich möchte den Verantwortlichen von Yad
Vashem Dank und Anerkennung dafür aussprechen, mit welcher
eindrucksvollen Präzision und mit welchem didaktischen Weitblick es
gelungen ist, mit dem neuen Museum eine einmalige Dokumentation der
Shoa und der Wurzeln, die zu ihr führten, zu gestalten", so
Staatssekretär Franz Morak, heute Vormittag in seiner Rede anlässlich
der Festsitzung "Remembering the Past - Shaping the Future", die den
zweiten Teil der Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Museums in
Yad Vashem bildete. Staatssekretär Morak vertritt Österreich bei den
Eröffnungsfeiern des neuen Museums der Holocaust-Gedenkstätte.

Als Österreicher fühle er sich durch die Ausstellung in mehrfacher
Weise angesprochen, so Morak weiter. "Was unmittelbar nach dem Ende
der staatlichen Existenz Österreichs im März 1938 in Österreich
geschah, hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Präzedenzfall
gehabt". In Wien und anderen österreichischen Städten setzte ein
spontanes Pogrom gegen die jüdischen Mitbürger ein, so Morak, der die
Autobiografie des Schriftstellers Carl Zuckmayr zitierte, in der
dieser eindrucksvoll beschrieb: "Hier war nichts losgelassen als die
dumpfe Masse, die bilde Zerstörungswut, und der Hass richtete sich
gegen alles durch Natur oder Geist veredelte. Es war ein Hexensabbat
des Pöbels und ein Begräbnis aller menschlichen Würde."

Mit diesen Ereignissen im März 1938 "begann die tragische Verwicklung
vieler Österreicher in die Shoa. Für rund 70.000 jüdische Mitbürger
führte sie in die Gaskammern von Auschwitz, Sobibor, Madjanek oder
Treblinka. Zahlreiche Österreicher luden als Schergen der
nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie maßgebliche
Verantwortung und Schuld an diesem größten Verbrechen der Menschheit
auf sich. Österreich hat lange gebraucht, um sich einzugestehen, dass
es nicht bloß Opfer der nationalsozialistischen Aggression war,
sondern dass auch Österreicher unter den Tätern waren und viele den
Nationalsozialismus aktiv unterstützt oder zumindest gebilligt
haben", so der Staatssekretär in seiner Rede.

Es habe aber auch, so Morak weiter, Österreicher gegeben, "die unter
Einsatz ihres Lebens den Geist der Humanität hochhielten und sich
ohne Ansehen ihrer Person für ihre verfolgten Mitbürger einsetzten.
Es waren - um einen Buchtitel Erika Weinzierls zu zitieren - "Zu
wenig Gerechte", die ihrem Gewissen folgten. Ich möchte Yad Vashem
aber dafür danken, dass es auch den Anteil jener, die sich für die
Würde der menschlichen Existenz und des menschlichen Lebens
eingesetzt haben, zu würdigen gewusst hat", unterstrich Morak.

Der Satz Eli Wiesels "Erinnerung ist unser Schicksal" bringe am
besten das auf den Punkt, was Yad Vashem für die Staaten dieser Welt
im 21. Jahrhundert verkörpert: "Ein Gedächtnisort, der uns an die
tiefsten Abgründe dessen erinnert, wozu die Perversion menschlichen
Denkens in der Lage war", so Morak abschließend.

OTS0067    2005-03-16/09:52

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