Morak in Yad Vashem: neues Museum einmalige Dokumentation der Shoa mit eindrucksvoller Präzision und didaktischem Weitblick

2. Teil der Eröffnungsfeierlichkeiten in Yad Vashem - "Remembering the Past - Shaping the Future"

Wien/Jerusalem (OTS) - "Ich möchte den Verantwortlichen von Yad Vashem Dank und Anerkennung dafür aussprechen, mit welcher eindrucksvollen Präzision und mit welchem didaktischen Weitblick es gelungen ist, mit dem neuen Museum eine einmalige Dokumentation der Shoa und der Wurzeln, die zu ihr führten, zu gestalten", so Staatssekretär Franz Morak, heute Vormittag in seiner Rede anlässlich der Festsitzung "Remembering the Past - Shaping the Future", die den zweiten Teil der Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Museums in Yad Vashem bildete. Staatssekretär Morak vertritt Österreich bei den Eröffnungsfeiern des neuen Museums der Holocaust-Gedenkstätte.

Als Österreicher fühle er sich durch die Ausstellung in mehrfacher Weise angesprochen, so Morak weiter. "Was unmittelbar nach dem Ende der staatlichen Existenz Österreichs im März 1938 in Österreich geschah, hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen Präzedenzfall gehabt". In Wien und anderen österreichischen Städten setzte ein spontanes Pogrom gegen die jüdischen Mitbürger ein, so Morak, der die Autobiografie des Schriftstellers Carl Zuckmayr zitierte, in der dieser eindrucksvoll beschrieb: "Hier war nichts losgelassen als die dumpfe Masse, die bilde Zerstörungswut, und der Hass richtete sich gegen alles durch Natur oder Geist veredelte. Es war ein Hexensabbat des Pöbels und ein Begräbnis aller menschlichen Würde."

Mit diesen Ereignissen im März 1938 "begann die tragische Verwicklung vieler Österreicher in die Shoa. Für rund 70.000 jüdische Mitbürger führte sie in die Gaskammern von Auschwitz, Sobibor, Madjanek oder Treblinka. Zahlreiche Österreicher luden als Schergen der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie maßgebliche Verantwortung und Schuld an diesem größten Verbrechen der Menschheit auf sich. Österreich hat lange gebraucht, um sich einzugestehen, dass es nicht bloß Opfer der nationalsozialistischen Aggression war, sondern dass auch Österreicher unter den Tätern waren und viele den Nationalsozialismus aktiv unterstützt oder zumindest gebilligt haben", so der Staatssekretär in seiner Rede.

Es habe aber auch, so Morak weiter, Österreicher gegeben, "die unter Einsatz ihres Lebens den Geist der Humanität hochhielten und sich ohne Ansehen ihrer Person für ihre verfolgten Mitbürger einsetzten. Es waren - um einen Buchtitel Erika Weinzierls zu zitieren - "Zu wenig Gerechte", die ihrem Gewissen folgten. Ich möchte Yad Vashem aber dafür danken, dass es auch den Anteil jener, die sich für die Würde der menschlichen Existenz und des menschlichen Lebens eingesetzt haben, zu würdigen gewusst hat", unterstrich Morak.

Der Satz Eli Wiesels "Erinnerung ist unser Schicksal" bringe am besten das auf den Punkt, was Yad Vashem für die Staaten dieser Welt im 21. Jahrhundert verkörpert: "Ein Gedächtnisort, der uns an die tiefsten Abgründe dessen erinnert, wozu die Perversion menschlichen Denkens in der Lage war", so Morak abschließend.

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