Bittner: Erster Testfall für Flexibilisierungsverständnis der Arbeitgeber im Kollektivvertragsbereich

Wirtschaft will Lohnkürzung und Arbeitsplatzreduktion

Wien (OTS) - Nach der Kündigung des Drucker-Kollektivvertrages durch die Arbeitgeber, legen die Dienstgeber im Verband Druck- und Medientechnik nun ihre Vorstellungen von "Flexibilisierung" auf KV-Ebene auf den Tisch. Wenig überraschend der Inhalt: Länger arbeiten für weniger Lohn. Verteilung der Arbeit auf weniger Beschäftigte.

Noch Ende Februar beim "Flexibilisierungsgipfel" betonte Wirtschaftskammerchef Leitl, dass es ihm nicht um Lohnkürzungen gehe. Er betonte, dass mehr Arbeit für dasselbe Geld nicht seinen Vorstellungen entspreche. Auch der Chef der Industriellenvereinigung Sorger bemühte sich zu sagen, dass es bei der Flexibilisierung ganz sicher nicht um Lohnkürzungen gehe.

Die Auseinandersetzung um den Drucker-Kollektivvertrag wird nun zum ersten Testfall für die Handschlagqualität von Leitl und Sorger.

"Am Beispiel des Drucker-Kollektivvertrages will die Arbeitgeberseite offensichtlich exemplarisch durchexerzieren, wie 'Flexibilisierung' auf KV-Ebene umgesetzt werden soll:
Arbeitszeitverlängerung und Lohnkürzung ohne auch nur einen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz zu schaffen" stellte der Vorsitzende der Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier Franz Bittner fest. Die laufende Auseinandersetzung um den Drucker-KV gewinnt somit Branchenübergreifende Bedeutung für die gesamte Arbeitnehrerschaft.

Forderungen der Arbeitgeberseite

Hier einige Beispiele aus der "Wunschliste" der Verbandes Druck-und Medientechnik:

  • 56 Stunden wöchentliche Arbeitszeit
  • 12 Monate Durchrechnung
  • Verschlechterung der Sonn- und Feiertagsbestimmungen
  • Verkürzung der Mindestruhezeit
  • Streichung des Nachtzuschlages
  • Wegfall weiterer Zulagen

Folgen für die Arbeitnehmer

Die Folgen der Umsetzung dieses Kataloges der Arbeitgeber für die Arbeitnehmer: Einkommenseinbußen bis zu 25 Prozent und massive Belastung der sozialen Lebens- und Entfaltungschancen der Betroffenen.

Folgen für die wirtschaftliche Situation der Branche

Würde die Gewerkschaft nachgeben und dem geforderten Lohn- und Gehaltsverzicht zustimmen, würden die meisten Unternehmen der Branche diesen Produktionsvorteil sofort an die Kunden in Form von Preissenkungen weitergeben. Es käme zu keiner Eigenkapitalstärkung der Betriebe und der ruinöse Preiskampf würde sich eine Etage tiefer fortsetzen. Sieht so die von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung geforderte "Standortstärkung" und "Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit" aus?

Würde das Beispiel der Arbeitgeber des Verbandes Druck- und Medientechnik Schule machen, lägen die gesamtwirtschaftlichen Folgen auf der Hand: Niedrigere Löhne bedeuten weniger Kaufkraft, sinkenden Konsum und geringere Sozialversicherungsbeiträge.

Folgen für den Arbeitsmarkt

Bestehende Arbeit wird schlechter bezahlt und auf weniger Menschen konzentriert. So schafft man keinen einzigen neuen Arbeitsplatz.

Bittner: "In der Vorstellung der Arbeitgeber verkommt 'Flexibilisierung' zur Einbahnstraße zum Schaden der Arbeitnehmer und der ganzen Branche. Erschreckend dabei ist die wirtschaftspolitische Kurzsichtigkeit der Arbeitgebervertretung."

Heute Veranstaltung "Nein zu Lohnkürzung" mit Verzetnitsch und Bittner

Hinweis: Heute findet eine Informationsveranstaltung zum Thema "Nein zu Lohnkürzung" mit ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und DJP-Vorsitzenden Franz Bittner statt.

Datum: Mittwoch, 16. März 2005 Uhrzeit: 17.00 Uhr Ort: Haus der Begegnung Floridsdorf Angererstraße 14, 1210 Wien

Wir freuen uns, Sie bei der Veranstaltung begrüßen zu dürfen. (JP)

Rückfragen & Kontakt:

Vors. Franz Bittner
Gewerkschaft Druck, Journalismus Papier
Josef Keller
Telefon: 01 / 523 82 31 Dw. 16
FAX: 01 / 523 82 31 28
E-Mail-Adresse: josef.keller@drupa.oegb.or.at

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